Ortskern ist vor Flut geschützt. Rückhaltebecken wurde offiziell der Bestimmung übergeben. Es soll den Trefflingbach zähmen.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 10. Juli 2019 (04:50)
Hudler/Archiv
Im Jahr 2002 verwandelten ein Schlagregen und der Trefflingbach den Ortskern von Seitenstetten in einen See. Das neue Rückhaltebecken, soll solche Horrorszenarien künftig verhindern.

Rund 150 Einwohner im Ort können künftig auch bei Starkregen beruhigt schlafen. Das neue Rückhaltebecken im Trefflingtal wird verhindern, dass die Treffling ihre Liegenschaften unter Wasser setzt. „Wenn man sich das Gerinne derzeit ansieht, kann man sich das ohnehin kaum vorstellen. Derzeit fließen nur rund 200 Liter Wasser pro Sekunde, doch bei Starkregen werden sehr schnell 55.000 Liter pro Sekunde daraus“, sagte der Leiter der Abteilung Wasserbau des Landes, Norbert Knopf, bei der offiziellen Eröffnung des Hochwasserschutzdammes am Donnerstagabend.

Das Flussbett im Ort kann maximal 30.000 Liter pro Sekunde verkraften, dann tritt die Treffling über die Ufer. Das Rückhaltebecken, das rund 240.000 Kubikmeter Wasser fasst, soll gewährleisten, dass diese Menge nicht überschritten wird. Das Wasser wird gestaut und dann kontrolliert in den Fluss-Unterlauf abgegeben.

Bürgermeister Johann Spreitzer betonte in seiner Begrüßungsrede, dass mit der Eröffnung „des Schutzdammes ein Jahrhundertprojekt für die Gemeinde Seitenstetten seinen Abschluss findet.“

Die Errichtung des Rückhaltebeckens machte auch die Verlegung der L88 notwendig, die nun auf der neuen Westspange um Seitenstetten herum führt. „Damit wurde auch eine Entlastung des Ortes erreicht, was vor allem für die weitere Entwicklung des Seitenstettner Zentrums noch von großer Bedeutung sein wird“, betonte der Ortschef.

Besonderer Dank an die Grundbesitzer

Besonderen Dank sprach Spreitzer den Grundbesitzern aus, die selbst nicht von der Hochwassergefahr betroffen waren, aber mit ihrer Zustimmung das Projekt überhaupt erst möglich machten. Begonnen hat die Grundverhandlungen übrigens schon Spreitzers Vorgänger, Franz Deinhofer.

Landeshauptfraustellvertreter Stephan Pernkopf erklärte, dass gerade der Hochwasserschutz dem Land ein großes Anliegen sei. Das zeige auch die Vielzahl an Projekten, die seit der großen Flut im Jahr 2002 verwirklicht wurden. „550 Schutzmaßnahmen in 300 Gemeinden Niederösterreichs wurden seit damals realisiert und bis zum Jahr 2023 werden wir noch weitere 150 Projekte ins Leben rufen“, erklärt der VP-Politiker.

In Seitenstetten sind (den Ausbau des Bachbetts im Ort auf einer Länge von rund 1,1 Kilometern mitgerechnet) in den letzten Jahren rund 5,4 Millionen Euro investiert worden. Die Kosten haben sich Bund, Land und Gemeinde geteilt. Rechnet man die Westspange dazu waren es rund neun Millionen Euro.