Bezirk Amstetten: Digital statt Papier beim Sparen. Die Hypo NOE wird künftig keine neuen Sparbücher mehr ausstellen. Andere Banken zögern noch.

Von Anita Kiefer und Peter Führer. Erstellt am 04. Februar 2020 (05:18)
Symbolbild: Franz Gleiß
Franz Gleiß

Die Niederösterreicher sind traditionelle Sparer, das ist bekannt. Und die traditionellste unter den Sparformen ist das Sparbuch. Den Banken aber ist das Sparbuch schon länger ein Dorn im Auge. Es braucht eigene Drucker, der Verwaltungsaufwand ist relativ hoch. Und: Sie verdienen schlicht kaum daran. Der Schritt, keine Sparbücher mehr auszugeben, sondern den Kunden Sparkonten nahezulegen, war also eine Frage der Zeit.

Sparbuch aber durchaus noch im Rennen

Jetzt ist es so weit: Bei der Hypo NOE wird es künftig definitiv keine neuen Sparbücher mehr geben. Das Kundenverhalten habe sich permanent und rasch geändert, begründet Hypo-Vertriebschef Matthias Förster gegenüber der NÖN diesen Schritt.

Bereits existierende Sparbücher würden aber weiterhin verfügbar sein. „Neuabschlüsse werden in Form eines digitalen Sparbuchs – dem Sparkonto – getätigt.“ Das bringe Vorteile für die Kunden: Die Behebung bei allen Bankomaten in ganz Österreich, Wege zum Schalter fallen weg, und das digitale Sparbuch kann nicht verloren gehen, zählt Förster auf.

Bei den anderen Banken ist man zurückhaltender, wie ein Rundruf zeigt. Volksbank, Erste Bank Österreich und Oberbank bieten weiter Sparbücher an.

Trotz Digitalisierung ist das Sparbuch aber durchaus noch im Rennen: Bei der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien etwa wurden 2019 exakt 178.456 Sparbücher in Niederösterreich ausgegeben. Raiffeisen werde auch in Zukunft Sparbücher ausstellen, heißt es, allerdings würden sich „Kundenbedürfnisse ändern“. Alle Banken betonen unisono, dass Online-Sparformen große Zuwachsraten verzeichnen.

Senioren sehen Vorteile des Spargedankens

Dass sich vor allem bei den Senioren die Sparbücher weiterhin hoher Beliebtheit erfreuen, das bestätigen Johann Brandstetter (Obmann VP-Seniorenbund Bezirk Amstetten) und Franz Dürrer (Obmann SP-Pensionistenverband Bezirk Amstetten).

„Ich glaube, die ältere Generation nützt das Sparbuch gerne als Reserve und Sicherheitspolster. Es gibt aber leider auch Banken, die gar kein Sparbuch mehr anbieten. Dabei wäre es so wichtig, dass auch die Kinder den Spargedanken wieder lernen. Es ist ein großes Manko, dass die Jugend das Sparen nicht mehr lernt“, ist Brandstetter überzeugt.

„Anscheinend will man Sparbücher eliminieren“

Dürrer kritisiert vor allem die (Finanz)-Wirtschaft. Diese sei dafür verantwortlich, dass heute nur noch Konsum zähle. „Anscheinend will man die Sparbücher eliminieren, weil die Wirtschaft will, dass man das Geld vom Fenster rausschmeißt. Vielleicht gibt es auch bald kein Bargeld mehr. Da läuft momentan sehr viel falsch, ich bin sehr misstrauisch“, erklärt er.

Heute würde man mit zu viel Werbung den Jungen den Spargedanken austreiben und nur noch risikoreiche Anlageformen wie Aktien anpreisen. „Das ist vielleicht was für Wirtschaftsbonzen und Großkapitalisten, aber aus meiner Sicht für die meisten zu risikoreich“, meint Dürrer.

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