Schlechter Scherz: Mit Corona-Video erpresst. Ein Gast soll versucht haben, einen Barbesitzer in Amstetten mit einem Video zu erpressen, auf dem angebliche Verstöße gegen die Corona-Maßnahmen im Lokal zu sehen gewesen sein sollen. Der Angeklagte wollte ihm einen Streich spielen.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 18. November 2020 (19:41)
Symbolbild
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Es ist 16 Uhr und der Besitzer einer Bar wartet am Bahnhof von Amstetten auf einen mutmaßlichen Erpresser. Mehrere Polizisten in Zivil sind in der Nähe. Doch der Mann, der am Telefon 2.000 Euro im Tausch gegen ein angeblich belastendes Video verlangt hatte, kommt nicht.

Auch bei der Gerichtsverhandlung taucht er nicht auf, erst am Ende der Prozesszeit. „Ich habe verschlafen“, antwortet der 27-jährige Angeklagte auf die Frage des Richters nach dem Grund. „Ach? Na, wenigstens sind Sie jetzt ausgeruht“, entgegnet der Richter sarkastisch. In Absprache mit dem Verteidiger hatte er in der Zwischenzeit den Lokalbesitzer als Zeugen vernommen. Der erzählt eine interessante Geschichte.

Ein unbekannter Anrufer habe 2.000 Euro von ihm verlangt und gesagt, er habe ein Video, das zeigt, dass in der Bar gegen die Corona-Maßnahmen verstoßen wurde. Das Video würde an die Polizei gehen, wenn er das Geld nicht hergeben sollte. Wie, wo oder wann er das Geld übergeben solle, sagt der Anrufer aber nicht.

Beim zweiten Mal ruft er mit schlecht verstellter Stimme an und gibt sich als Frau des Erpressers aus. Er verlangt eine Überweisung der 2.000 Euro über Western Union, gibt aber auch hier keine Kontonummer an. Dass das mit dem Video „ein Blödsinn“ ist, sei dem Zeugen relativ schnell klar gewesen, sagt dieser und zeigt den Anrufer bei der Polizei an. Als dieser eine Übergabe am Bahnhof ausmacht, kommt nichts dabei heraus.

„Ich wollte ihm eins auswischen“

Der Angeklagte bekennt sich schuldig. Er wollte nicht wirklich Geld erpressen, meint er. „Ich wollte ihn sekkieren und habe es als Spaß verstanden. Mir war nicht bewusst, dass das strafbar ist. Ich wollte ihm eins auswischen und dachte zu dem Zeitpunkt, das ist lustig“, sagt der Angeklagte.

Er hatte zuvor offenbar eine Meinungsverschiedenheit mit dem Barbesitzer wegen 400 Euro Schulden gehabt. Er fühlte sich laut seiner Aussage von dem Barbesitzer „genervt“, da dieser ihn deswegen mehrmals angerufen hatte. Der Barbesitzer nahm die Drohung aber durchaus ernst. Einen Scherz konnte er darin nicht erkennen, sagt er.

Der Verteidiger weist auf die schwierige Lebenssituation seines Mandanten hin. Ihm seien die Folgen seines Handelns nicht bewusst gewesen. Der Richter glaubt dem Mann, dass er sich nicht bereichern wollte.

Weil er bereits eine Vorstrafe wegen dreimaliger Bombendrohung hat, muss er die damals bedingt verhängte Freiheitsstrafe von sechs Monaten antreten und bekommt noch zwei Monate wegen Drohung. Vom Vorwurf der versuchten Erpressung spricht ihn der Richter frei. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.