Reden, machen, anpacken: Elser erhielt Auszeichnung. Poldi Elser (71) erhielt für ihr vielfältiges Engagement eine hohe Landes-Auszeichnung verliehen.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 14. Dezember 2019 (03:43)
„Natürlich freut man sich über Auszeichnungen, aber wenn man sich engagiert, dann ist es einem eben ein besonderes Anliegen, etwas zu tun – ohne Hintergedanken“, meint Poldi Elser.
Schleifer-Höderl

„Zuerst habe ich mir gedacht, ausgezeichnet zu werden ist eine Alterserscheinung, aber selbstverständlich habe ich mich darüber sehr gefreut“, berichtet Poldi Elser schmunzelnd. Sie erhielt vor Kurzem von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner die Goldene Medaille des Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich. „Es ist eine Wertschätzung und Anerkennung, die man damit für seine Arbeit erhält, auch wenn man sein eigenes Tun als selbstverständlich ansieht.“

Reden, anpacken, machen – so lautete schon immer die Devise der gebürtigen Wangerin. Die Landwirtin engagierte sich von 1972 bis 1990 im Pfarrgemeinderat, bevor sie VP-Ortsparteiobfrau in Stephanshart und 2005 Vizebürgermeisterin wurde. Darüber hinaus war Poldi Elser 17 Jahre lang im Landesvorstand der Dorferneuerung und 15 Jahre im Aufsichtsrat der Bioenergie NÖ vertreten. „Seit 2013 bin ich Seniorenbundobfrau und das passt ganz gut“, meint Elser.

Engagement bereits im Kindesalter gelernt

In Sachen Engagement ist die 71-Jährige eindeutig vorbelastet. Ihr Vater, Michael Luger, war Bürgermeister von Reidlingberg und schließlich von Wang. „Wir haben das Gemeindeamt im Haus gehabt und da erlebte man Politik hautnah. Und noch etwas war prägend für mein Leben. Von meinen Eltern und Geschwistern erfuhr ich, dass mein Großvater, den ich nie kennenlernte, 1939 an einer leichten Grippe erkrankt war. Meine Familie, die als nicht nationalsozialistisch und somit nicht regimetreu bekannt war, holte den Arzt, der meinem Opa daraufhin eine Spritze verabreichte, an der er verstarb. Es ist auch heute nicht einfach für mich, darüber zu sprechen, aber als ich das als junges Mädchen erfuhr, schwor ich mir, so etwas darf es nie mehr geben.“

Wachsam sein und immer hinterfragen war fortan der Antrieb für Poldi Elsers Engagement. Die dreifache Mutter, fünffache Großmutter und auch schon Uroma, trat in jeder ihrer Funktionen stets für ein Miteinander ein.

Und wie sieht sie die heutigen gesellschaftspolitischen Entwicklungen? „Ich denke, heute mangelt es vor allem an Respekt! Im Wahlkampf, aber auch im Hohen Haus beflegelt man sich. Man muss darauf achten, welche Worte man verwendet. Wenn man keine Achtung hat, dann ist Radikalismus nicht mehr weit. Ich kann nur allen mit auf den Weg geben, achtsam zu sein und all zu großen Rednern nicht bedingungslos zu folgen.“

„Frieden kann schnell abhanden kommen“

Als tragisch sieht es Poldi Elser, dass der Mensch nur allzu schnell vergisst. „Für mich ist die EU eine Friedensunion und 70 Jahre Frieden hat es offensichtlich mit sich gebracht, dass manche Mitmenschen diesen Frieden als etwas Selbstverständliches ansehen. Ist es aber nicht! Wenn wir nicht dazu bereit sind – und da meine ich wirklich jeden Einzelnen – tagtäglich Frieden zu leben, dann wird er uns rascher abhandenkommen als wir denken.“ Diese Sichtweise ist auch Grund, warum Poldi Elser nicht damit aufhört, sich einzubringen. „Man muss was tun und am Ball bleiben. Jetzt tu‘ ich das bei den Senioren.“

Und wie schafft es die Stephansharterin, so rege zu bleiben? „Ganz ehrlich? Ich bin eine begeisterte Tänzerin. Ich gehe aber auch turnen. Und Ahnenforschung interessiert mich auch sehr, nur habe ich bis dato noch nicht ausreichend Zeit dazu gefunden. Vielleicht wird es aber mein nächstes Projekt.“