Gottesdienste per Youtube: Trotzdem Ostern feiern. Das kirchliche Hochfest Ostern steht vor der Tür. Pater Laurentius Resch, Prior des Stiftes Seitenstetten, erzählt wie er die Coronakrise in der Klostergemeinschaft aber auch in der Seelsorge des Pfarrverbands Seitenstetten-St. Michael/Bruckbach erlebt. Er berichtet von den Ritualen und Feiern im Stift und gibt auch Tipps für die Hauskirche.

Von Josef Penzendorfer. Erstellt am 04. April 2020 (11:11)
Prior Pater Laurentius wünscht trotz Coronakrise ein frohes Osterfest!
Penz/Böttcher

NÖN: Für den Konvent begann die Karwoche früher traditionellerweise mit dreitägigen Exerzitien, in den letzten Jahren mit einem Besinnungstag, zu dem stets ein Exerzitienleiter eingeladen wurde. Wie war das heuer? Wie lebt es sich überhaupt derzeit in der Mönchsgemeinschaft?

Prior Laurentius: Heuer ist alles anders: Nur die Gebetszeiten mit den Mönchen sind wie immer. Wir beginnen mit dem Chorgebet, der Laudes, um 6.30 Uhr in der ehemaligen Chorkapelle in der Klausur, weil das Gebet ja auch nicht öffentlich sein soll. Abt Petrus gibt uns Mitbrüdern im Rahmen der anschließenden täglichen Konventmesse in der Ritterkapelle geistliche Impulse zur Besinnung. Sieben Patres, die auch ansonsten in ihren Pfarrhöfen leben, sind durchgehend in ihren Pfarren, weitere 20 Mönche verbleiben derzeit im Kloster.

Ihr lebt zurzeit also in größerer Gemeinschaft als zu „normalen“ Zeiten?

Prior Laurentius: Wir sind beim Gebet fast immer komplett, das ist sehr erfreulich. Dadurch entsteht ein Wir-Gefühl, das jedem Einzelnen und der Mönchs-Gemeinschaft guttut, sind wir doch ansonsten auch vielbeschäftigt in unseren verschiedenen Aufgabengebieten tätig. Das Beten und das Feiern der Hl. Messe sind nun ganz zentral. Nach dem Mittagsgebet folgen ja abends auch noch Vesper, Vigilien und Komplet, wobei zudem eigens um Schutz vor dem Corona-Virus für unsere Welt gebetet wird.

„Ora et labora et lege!“ (Bete, arbeite und lies!) heißt es in der Benedikt-Regel; wie lässt sich das derzeit gut umsetzen?

Prior Laurentius: Ich persönlich kann mir nun einfach mehr Zeit zum Meditieren und Beten nehmen. Das bezeichne ich als Gnade. Die Arbeit spielt sich derzeit hauptsächlich im Büro ab, ich telefoniere viel – zum Beispiel mit Kranken, denen ich ansonsten die Osterkommunion gebracht hätte. Der praktische Seelsorgedienst bleibt ja auf das Spenden von Krankenkommunion und Krankensalbung bei Todesgefahr beschränkt. Gerade im Falle von Verabschiedungen aber fehlt natürlich auch der persönliche geistliche Beistand sehr. Ansonsten gilt es neben den anfallenden Büroarbeiten die Liturgie (auch für die Hauskirche) vorzubereiten und Ostergrüße zu verschicken. Mit der Seitenstettner Pfarrgemeinde bin ich dankenswerterweise auch über den Newsletter der Gemeinde in Kontakt.

Wie werden die eigentlichen Kartage im Stift gefeiert?

Prior Laurentius: Am Gründonnerstag gäbe es bei uns das traditionelle Zwölf-Apostel-Essen: 12 Mitarbeiter aus verschiedenen Arbeitsbereichen (Tischler, Maurer, Gärtner, Bildungshaus, Jugendhaus, Pfarrmitglieder und andere Angestellte) werden zum Mittagessen geladen, bei der abendlichen Liturgie wäre dieser Personenkreis zur Fußwaschung durch den Abt vorgesehen, was aber heuer nicht möglich ist. Um die Abendmahlsfeier ohne Volks- und Chorbeteiligung trotzdem entsprechend würdig zu gestalten, haben wir derzeit des öfteren am Nachmittag eine Gesangsprobe mit Pater Florian.

Das Gottesvolk kann ja auch via Livestream mitfeiern (Kontakt und Zeiten anbei!); wie könnte man die Kartage zu Hause begehen?

Prior Laurentius: Subprior Pater Florian Ehebruster hat für die einzelnen Tage Flyer unter dem Motto „Ostern ‚dahoam‘ feiern“ erstellt, worin sich Empfehlungen zum Mitfeiern finden: Gedanken, Lieder, Gebete, Schriftwort und weitere Anregungen sind darauf festgehalten, sodass Hauskirche aktiv gelebt werden kann.

Und die Osternacht? Wie lautet deine Osterbotschaft?

Prior Laurentius: Wir würden uns freuen, wenn viele via Livestream dabei wären, es wird auch ein kleines Osterfeuer im Stiftshof geben, selbst die Speisenweihe kann man mit daheim bereitgestellten Speisen mitvollziehen.
Mein Wort der Osterfreude lautet: Teilen wir diese Freude! Erleben wir den Auferstandenen in unserer häuslichen Gemeinschaft! Im ersten Thessalonicherbrief heißt es: „… den Augen fern, nicht dem Herzen!“ Tragend ist das gemeinsame Gebet. Feiern wir die Nacht der Nächte als Durchgang zum Heil, so wie einst die Israeliten durch das Rotes Meer gezogen sind. Es folg(t)en Hoffnung auf Heil und Neubeginn. Sehen wir unser Leben mit neuen Augen und versuchen wir es zu verstehen! 

Wie lässt sich diese Osterbotschaft mit der derzeit so schwierigen Situation verbinden?

Prior Laurentius: Wir werden hoffentlich bewusster leben, dankbarer sein für Gesundheit, für Begegnungen und Besuche, für Ressourcen wie Zeit, für eine gesunde (Um)Welt, für unser ganzes Leben. Derzeit durchleben wir ja gerade die „Schule eines einfacheren Lebens“ mit Besinnung auf Wesentliches. Die Sinnfrage wird vielleicht neu zu stellen sein, möglicherweise wird auch die vermehrte Auseinandersetzung mit tiefgründigen Glaubensfragen bedeutsamer.

Per Youtube mitfeiern

Die Seitenstettner Mönche pflegen weiterhin das gemeinsame Gebet und feiern Eucharistie; sie laden dazu ein, sich in der Heiligen Woche den Feiern virtuell über Youtube anzuschließen. 

Folgende Gottesdienste werden übertragen:

  • Palmsonntag, 5. April, 8.30 Uhr
  • Gründonnerstag, 9. April, 19:30 Uhr
  • Karfreitag, 10. April, 15:00 Uhr
  • Osternacht, 11. April, 20:00 Uhr
  • Ostersonntag, 12. April, 8:30 Uhr

Hier kommen Sie zur Live-Übertragung: https://www.stift-seitenstetten.at/

Auch die Flyer können vor der Website des Stiftes heruntergeladen werden.