Abt Johannes gestorben. Der Seitenstettner Benediktiner und emeritierte Abt von Seckau Johannes Gerhard Gartner (79) ist verstorben. Er wurde am Konventfriedhof in Seitenstetten beigesetzt.

Von Josef Penzendorfer. Erstellt am 03. März 2020 (04:12)
Abt Johannes Gartner in seiner Funktion als Abt des Stiftes Seckau.Foto: © Stift Seckau
Stift Seckau

Gerhard Gartner war ein vielseitig begabter, überaus gescheiter und allseits beliebter Mensch, der sich erst nach Abschluss eines Lehramtsstudiums für klassische Philologie an der Universität Wien und einigen Jahren des Wirkens als Latein- und Griechischlehrer für den Priesterberuf, und noch später für die Ordenszugehörigkeit zum Seitenstettner Konvent entschieden hat:

Als Sohn des späteren Landesschulinspektors Leopold Gartner in Wien geboren, maturierte er 1958 im Stiftsgymnasium Melk und promovierte schon 1962 mit einer Arbeit über die handschriftliche Überlieferung der Benediktregel in Österreich zum Doktor der Philosophie. Parallel zur Unterrichtstätigkeit in Seitenstetten studierte er Theologie und publizierte 1973 seine Diplomarbeit über die Geschichte der Pfarre Weistrach.

Priesterweihe und Klostereintritt

1967 wurde Gartner in Waidhofen/Ybbs von Bischof Franz Zak zum Priester geweiht, danach wirkte er als Kaplan in St. Andrä/Hagenthale, Amstetten und Weistrach. Ab 1968 war er Gymnasialprofessor am Stiftsgymnasium, ehe er 1979 vorerst Rektor des Bildungshauses St. Hippolyt und ab 1980 Spiritual im Priesterseminar wurde. Auch in St. Pölten unterrichtete er am Bundesrealgymnasium Latein und Griechisch. Zudem wirkte er als Dozent für christliche Spiritualität an der Hochschule St. Pölten.

1984 trat Gartner in das Stift Seitenstetten ein, wo er für sein Ordensleben den Namen des Evangelisten Johannes erhielt. Während seines Noviziates veröffentlichte er das Büchlein „Psiathion“ mit Meditationen zum Leben des Hl. Benedikt, was ihn zum begehrten Leiter von Einkehrtagen und Exerzitien sowie gefragten Prediger machte. Bis zum Jahr 2000 unterrichtete Pater Johannes erneut am Stiftsgymnasium, war aber auch einige Jahre als Kaplan in der Stiftspfarre tätig und bekleidete zudem das Amt eines Novizenmeisters und Klerikermagisters. Außerdem war Pater Johannes an der Neuübersetzung der Regel des Hl. Benedikt und des II. Buches der Dialoge Papst Gregors des Großen beteiligt.

Zehn Jahre Abt im Stift Seckau

Nachdem Pater Johannes in Seckau als Exerzitienleiter schon bekannt gewesen war, nahm er im Jahr 2000 die Wahl zum Abt an, hatte man ihn doch schon drei Jahre zuvor darum gebeten. So stand er nun zehn Jahre mit viel Feingefühl und Demut dem steirischen Benediktinerkloster vor.

Nach seiner Emeritierung kehrte er nach Seitenstetten zurück und übernahm als Seelsorger die Pfarre Allhartsberg. Bürgermeister Anton Kasser über ihn: „Wie waren 2010 sehr froh, wieder einen Pfarrer für die Betreuung eines sehr aktiven Pfarrlebens zu haben. Abt Johannes hat sich besonders durch Spiritualität und enormes Wissen in allen Fragen des Glaubens ausgezeichnet. Allhartsberg war seine erste Pfarre, mit großer Offenheit ging er an die für ihn neue Aufgabe heran. Es hat sich ein schönes Miteinander entwickelt.“

Am Abend des Allerheiligentages 2016 erlitt Abt Johannes einen schweren Schlaganfall und wurde erst am darauffolgenden Tag gefunden, als er nicht zum Gottesdienst erschienen war. Seither war seine Gesundheit arg beeinträchtigt. In seinen letzten drei Lebensjahren wurde er im Seniorenzentrum Haag liebevoll gepflegt und auch von Allhartsberger Pfarrmitgliedern gut und intensiv begleitet. Am 20. Februar verstarb er im Landeskrankenhaus Steyr.

Das feierliche Requiem am 28. Februar leitete Weihbischof Anton Leichtfried in Konzelebration mit den Altbischöfen Klaus Küng und Maximilian Aichern, Subprior Pater Othmar Stary und Abt Petrus Pilsinger, der in seiner Ansprache betonte: „Abt Johannes war ein Mann des Wortes und des Geistes, der ganz nach seinem Glauben als Gott-, Begegnung- und Zuwendungsuchender lebte!“ Das stets freundliche Auftreten von Abt Johannes – verbunden mit einem milden Lächeln – wird vielen in bester Erinnerung bleiben! Er wurde am Konventfriedhof beigesetzt.