Plastikreste auf Boden verteilt. Zerschredderte Joghurtbecher waren Teil der Jauche. Biogasanlage, aus der Material kommt, hat schon Maßnahmen gesetzt.

Von Peter Führer. Erstellt am 15. Oktober 2019 (07:54)
Karl Hrubicek

Großen Aufruhr gibt es derzeit in Winklarn. Der Grund: Plastikteile, die von Landwirten als Teil der Jauche auf ihren Böden ausgebracht wurden. So meldete sich Anrainer Karl Hrubicek bei der NÖN und berichtete von diesen Vorkommnissen. „Abgesehen von der großen Geruchsbelästigung, die die Anrainer in Kauf nehmen müssen, befindet sich in dieser Brühe, die von einer Biogasanlage aus Amstetten stammt, viel Plastik aus geschredderten Joghurtbechern. Hier wird großflächig unser Boden mit Plastik verseucht.

 „Wir versauen uns hier unsere Böden“

 Diese Problematik sei seit Längerem amtsbekannt, so Hrubicek, und sei von Bürgermeisterin Sabine Dorner schon der Bezirkshauptmannschaft und dem Land Niederösterreich gemeldet worden. Besagte Firma könne ja nicht mit Plastik versetzte Jauche an die Bauern frei geben. „Wir sprechen andauernd von Klimawandel und Umweltschutz und hier versauen wir unsere Böden, die Lebensgrundlage für die nächsten Generationen. Wir reden über die Antarktis und wie dort das Eis schmilzt, und daheim hauen wir das Plastik in die Äcker und damit irgendwann ins Grundwasser und auch in die Tiere“, ärgert sich der Anrainer. Es hätten ihn bereits viele weitere Personen kontaktiert und auf die Situation aufmerksam gemacht.

Die NÖN fragte bei jener Biogasanlage, aus der das Material stammt, nach: der „Bio Fuel Systems GmbH“ in der Doislau. Dort bestätigt man den Vorfall. In der Vorwoche hat man dann versucht, mit einem Saugbagger alle Teile vom betroffenen Acker zu entfernen. „Wir hatten im Juli einen Störfall und da hat ein Bauer leider etwas Plastik in seiner Fuhre erwischt. Diese Fuhre hat er zu einer Senkgrube gebracht, von wo sie jetzt vor wenigen Tagen auf das Feld verteilt wurde“, klärt Geschäftsführerin Katharina Hader auf. Das Problem sei gewesen, dass im Gärrest das Plastik oben schwimmt und wenn der Füllstand beim Absaugen durch den Landwirt zu niedrig ist, auch Plastik mit dabei sein kann. Man habe allerdings umfangreiche Maßnahmen gesetzt, um einen derartigen Zwischenfall künftig ausschließen zu können. „Wir haben unter anderem ein eigenes Sieb anfertigen lassen und dafür 100.000 Euro investiert. Dieses ist jetzt von der Landesregierung genehmigt worden. Jetzt kann nur noch gesiebter Gärrest ausgebracht werden. Da ist weder Plastik noch Mikrokunststoff drinnen“, führt Hader weiter aus.

Gärrest organisches, wertvolles Düngemittel

Ihr gehe es aber auch darum, eine Lanze für die Bauern zu brechen. „Die erscheinen dann immer in einem schlechten Licht, aber die Landwirtschaft soll nicht darunter leiden. Biogasanlagen liefern ein wertvolles, organisches Düngemittel, mit vielen Vorteilen gegenüber Kunstdüngern. Wir betreiben einen Riesen-Aufwand und haben sofort investiert. Den Landwirten ist es nicht egal, was auf die Felder kommt!“

Auch die Bezirkshauptmannschaft ist bereits involviert. So fand am Donnerstag ein Treffen beim Acker statt. Mit dabei Vertreter der BH, Landwirte der Biogasanlage und Bürgermeisterin Sabine Dorner. Dort wurden weitere Maßnahmen beschlossen. „Bei der Verhandlung am Donnerstag ist dann klar aufgetragen worden, dass das gesamte betroffene Erdreich (Anmerkung: 2.000 Quadratmeter) abgetragen werden muss. Die Anlage, von der das Material herkommt, wird zudem noch von der zuständigen Behörde des Landes Niederösterreich genau geprüft“, berichtet Bezirkshauptfrau Martina Gerersdorfer.

Parallel dazu müssen die Anlagenbetreuer in Erfahrung bringen, ob sich Material mit Plastikteilchen auch noch in anderen Senkgruben befinden könnten. Dieses Material müsste ebenfalls zurückgeholt werden, damit es nicht mehr zu ähnlichen Vorfällen kommen kann. „Außerdem wird vom Land Niederösterreich geprüft, ob und welche Übertretungen es zum Beispiel im Abfallwirtschaftsgesetz gegeben hat und ob es verwaltungsstrafrechtlich etwas zu ahnden gibt und Strafen ausgesprochen werden“, betont Gerersdorfer weiter.