Dr. Martha Huber: „Mir hat das Herz geblutet“. Seit Oktober praktiziert Dr. Martha Huber in Weistrach. Grund für den Umzug waren schwierige Auflagen.

Von Peter Führer und Ingrid Vogl. Erstellt am 12. Februar 2019 (05:25)
privat
Dr. Martha Huber ist seit Oktober in Weistrach tätig.

Schweren Herzens entschied sich die praktische Ärztin Dr. Martha Huber im Herbst des Vorjahres dazu, sich für die Kassenstelle in Weistrach zu bewerben. Sie trat – nachdem sie den Zuschlag erhielt – ab 1. Oktober die Nachfolge von Dr. Gerhard Imb an. Damit einher ging ihr Abschied aus St. Valentin. Die Planstelle dort ist seit diesem Zeitpunkt unbesetzt. Leicht fiel ihr der Abschied aus St. Valentin nicht. „Ich habe die Ordination als Nachfolgerin meines Vaters weitergeführt. Mir hat das Herz geblutet, nach 20-jähriger Bindung mit den Patienten. Zwischen Hausarzt und Patienten gibt es nämlich noch eine starke Bindung. Die ersten Monate, nach denen ich gegangen bin, waren wie ein ‚Schreck-Quartal‘“, erklärt Huber.

Teil der Patienten folgte Huber nach Weistrach

Dennoch stieß sie bei ihren Patienten aufgrund der Rahmenbedingungen auf Verständnis. Dankbar sei Huber zudem ihren Kollegen, die ihre Patienten übernommen haben. „Ein Teil ist mir aber auch in die Ordination nach Weistrach gefolgt“, so die Ärztin.

Entscheidend für ihren Umzug war unter anderem die schwierige Parkplatzsituation. „Früher waren die Plätze noch ausreichend, aber mittlerweile ist der Raum an der öffentlichen Straße schon sehr knapp“, erklärt sie. Auch die Größe von 80 Quadratmetern, über welche die alte Ordination in St. Valentin verfügte, sei nicht mehr zeitgemäß. Heute brauche man schon eher 130, 140 Quadratmeter. „In Weistrach sind es 150. Damit kann man schon eher arbeiten“, führt Huber aus.

Weitere gesetzliche Auflagen hätten ebenfalls ihren Teil dazu beigetragen, dass es letztlich zum Ortswechsel kam. So konnte vor Jahren eine geplante behindertengerechte Rampe nicht errichtet werden, da es kurz zuvor zu einer Gesetzesänderung kam. Diese schrieb eine geringere Steigung vor.

Neubau hätte etwa 500.000 Euro gekostet

Die Idee eines Neubaus in St. Valentin ließ sie mit ihrer Familie aufgrund der umfangreichen Auflagen und kostenintensiven Investitionen fallen. Selbst, wenn ihre Tochter später die Praxis übernommen hätte, wäre der Schuldenstand eine zu große Herausforderung gewesen. „Das Projekt hätte sich langfristig nicht gerechnet. Pro 30 Quadratmeter Ordinationsfläche wäre es notwendig gewesen, 1,5 Parkplätze auf Privatgrund zu schaffen. Der Ordinationsbau hätte 500.000 Euro gekostet“, betont Martha Hubers Ehemann Hannes Huber. Daher entschied man sich zum Abzug, obwohl Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr sich sehr um eine Lösung bemüht habe. „Aber über gesetzliche Hürden kann auch sie nicht drüberspringen“, so Huber.

Für Martha Huber gibt es mehrere Gründe, warum es derzeit schwierig ist, Nachfolger für Hausarztpraxen zu finden. Generell ist die Bezahlung nicht anregend. Die Arbeitsbedingungen seien – etwa besonders für junge Mütter – schwierig. „Es stellt sich bei einer Einzelpraxis oft die Frage, wer da ist, wenn das Kind krank wird. Auch deshalb wollen Junge immer öfter im Team arbeiten“, so die Medizinerin. Bei der Ausbildung könnte man ebenfalls ansetzen. Während des Studiums erhält man nämlich kaum Einblicke in das Leben als Allgemeinmediziner. Junge Ärzte werden in erster Linie im Krankenhaus ausgebildet. „Man müsste die Lehrpraxen noch weiter ausbauen und forcieren“, so Huber. Diese bieten die Möglichkeit für angehende Ärzte, Einblicke in die Tätigkeit als niedergelassener Ärzte zu bekommen.