Amstetten: Pendler fährt Zug oft vor der Nase davon

Erstellt am 24. November 2022 | 06:08
Lesezeit: 4 Min
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Für Pendler heißt es schnell sein, um den REX Richtung Wien mit Abfahrt um 17.09 Uhr nicht zu verpassen. Hat etwa der Railjet aus Linz Verspätung, wird es knapp für den Anschlusszug.
Foto: Führer
Zugverspätungen: Auch neuer Fahrplan im Dezember dürfte leider keine Verbesserung für Reisende in den Raum Melk oder ins Ybbstal bringen.

Pendlerinnen und Pendler, die von Linz in den Raum Melk wollen, klagen, dass sie in Amstetten oft den Anschlusszug verpassen. Konkret geht es um den Railjet (RJ), der um 16.31 Uhr in Linz abfährt und eigentlich um 17.04 Uhr in Amstetten ankommen sollte. Das würde den Reisenden den Umstieg auf den REX in Richtung Wien mit Abfahrt 17.09 Uhr ermöglichen. „In der Praxis steht der Railjet aber zwischen fünf und acht Minuten in St. Valentin, damit die Westbahn überholen kann, die aber oft verspätet ist“, berichtet ein Pendler.

„Kein Wunder, dass viele aufs Auto umsteigen“

Das habe zur Folge, dass der Zug dann statt um 17.04 erst um 17.09 Uhr in Amstetten ankomme. „Daher fährt dir der REX vor der Nase davon. Du rennst auf den Bahnsteig und siehst nur noch die Rücklichter“, ärgert sich der Betroffene. Dieses Szenario wiederhole sich mehrmals in der Woche und betreffe viele Pendler Richtung Blindenmarkt, Neumarkt und Ybbs. Sie müssten dann eine Stunde auf den Anschlusszug warten.

„Es ist also kein Wunder, wenn viele wieder auf das Auto umsteigen. Das kann aber nicht das Ziel des Klimatickets sein, das die meisten von uns haben“, sagt der Pendler.

ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif betont, dass die Bahn gemeinsam mit den Verkehrsverbünden und allen Stakeholdern sich natürlich stets darum bemühe, die Fahrpläne so aufzubauen, um das Bahnfahren für alle Reisenden so komfortabel wie möglich zu gestalten. „Bei manchen Verbindungen müssen für einzelne Anschlussmöglichkeiten aber Abstriche gemacht werden, um wieder andere ermöglichen zu können. Würde der betreffende Zug statt um 17.09 Uhr später in Amstetten abfahren, könnten die Reisenden zum Beispiel Anschlüsse in St. Pölten nicht mehr erreichen“, erklärt er.

Der RJ 741 habe in St. Valentin einen planmäßigen Aufenthalt von 16.44 bis 16.48 Uhr. Dieser müsse für das Vorfahren der WESTbahn 969 (Linz Hbf ab 16.35 - Amstetten an 16.59 Uhr) eingehalten werden. Planmäßig komme der RJ um 17.04 Uhr in Amstetten an. „Natürlich kann es, trotz einer detaillierten Fahrplanabstimmung, aber zu außerplanmäßigen Störungen kommen, die zu Verspätungen und in weiterer Folge dazu führen, dass Anschlussverbindungen nicht erreicht werden können. Wir evaluieren jedoch regelmäßig die Abläufe, um Verspätungen auf ein Minimum zu reduzieren“, sagt Seif.

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Für Pendler heißt es schnell sein, um den REX Richtung Wien mit Abfahrt um 17.09 Uhr nicht zu verpassen. Hat etwa der Railjet aus Linz Verspätung, wird es knapp für den Anschlusszug.
Foto: Führer

Eine Pendlerin aus dem Ybbstal berichtet ebenfalls, dass Züge aus Linz, sowohl der ÖBB als auch der WESTbahn, oft verspätet seien. Dadurch erreiche man den Anschlusszug der Rudolfsbahn selten und müsse eine halbe bis zu einer Stunde warten. Und auch in die Gegenrichtung käme es immer wieder zu Verzögerungen. „Das Einfachste wäre, wieder, wie bis vor etwa einem Jahr, wenn die Züge der Rudolfsbahn bereits um .51 (statt wie jetzt .56) in Amstetten einfahren und um .09 (statt wie aktuell um .04) abfahren würden.“

Diesen Wunsch kann die ÖBB aber nicht erfüllen, da die Bedienung des Taktknotens Amstetten für den Fahrplan 2023 an die WESTbahn vergeben worden sei, wie Seif berichtet. „Der Taktknoten für Fahrgäste der Rudolfsbahn (Strecke Amstetten – Waidhofen/Ybbs) von und nach Linz kann deshalb auch im kommenden Fahrplanjahr mit dem ÖBB Railjet nicht durchgängig bedient werden.“

„Pendler sollten die Westbahn nutzen“

Vonseiten der WESTbahn bestätigt man, dass diese auch im Fahrplan ab Dezember den Taktknoten in Amstetten bedient. „Somit müssten Pendlerinnen und Pendler in Linz eben auch die WESTbahn nutzen, wenn sie in Amstetten umsteigen wollen, und nicht den Railjet“, sagt Unternehmenssprecherin Ines Volpert.

Dass der Railjet in St. Valentin die WESTbahn vorbeifahren lasse, sei planmäßig so vorgesehen. Mögliche Verspätungen der WESTbahn würden daraus resultieren, dass diese in Salzburg auf den RJ Express aus dem Ausland warten müsse, der eben auch nicht immer pünktlich eintreffe. „Wenn sich das Gesamtgefüge verzögert, kommt natürlich dann auch die WESTbahn verspätet vorbei. Die Lösung ist, wie gesagt, dass die Reisenden in Linz die WESTbahn nehmen sollten“, sagt Volpert.