Der Fahrer bleibt der Chef im Audi. Bis zu 43 elektronische Systeme kann Audi in ein Modell packen. Der e-tron hat fast alle serienmäßig an Bord.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 17. Juli 2019 (02:54)
Audi
Das Szenario eines Radfahrers, der in eine achtlos aufgerissene Autotüre knallt, will Audi mit einer elektronisch generierten Türschlosssperrfunk-
tion weitgehend ausschalten – in Kooperation mit anderen Systemen wie Toter-Winkel-Warner und Seitenassistent.

Die derzeit vorherrschenden automotiven Themen sind, abgesehen von der Antriebsstrangelektrifi-zierung sowie der Verbrauchs- und Emissionsminimierung, die Erweiterung elektronischer Assistenzsysteme und die Fahrautomatisierung. Beides hängt untrennbar zusammen. Die Folge ist ein stetig sich verdichtendes Konvo-lut an warnenden und teils aktiven Helfern sowie digitalen Komponenten, die sich nicht alleine auf die Gebiete der Kommunikation und der Information beschränken.

Audi ist diesbezüglich hoch aktiv. Momentan offerieren die Ingolstädter bis zu 43 elektronische Systeme. Diese werden in den aktuellen Modellen teils serienmäßig mitgeliefert (fast alle sind an Bord des Batterieelektrikers e-tron), teils sind sie optional zu haben, je nach Baureihe und abhängig davon, ob das Modell auf einer Basis mit quer oder mit längs eingebautem Motor basiert.

Unter den Assistenten arbeiten solche zum Abbiegen, zum Abstandhalten, zum Anfahren, zum Anhängermanövrieren, zum Staufahren, zum Aussteigen, zum Ausweichen, zum Bremsen, zum Einparken, zur Verkehrszeichenerkennung und, und, und. Unter den Infotainmentsystemen finden sich, im Verein mit fix verbauter SIM-Karte und WLAN-Hotspot, Verbindungsdienste, Apps, Routenplaner, Smartphone-Integration etc. Alles in allem kann man eingesponnen sein in eine elek-tronisch generierte Schutzhülle aus Warnhinweisen (zum Beispiel Toter-Winkel-Warner) und gegebenenfalls Fahr- und Bremseingriffen (aktiver Spurhalte-, vorausschauender Bremsassistent), die das Fahren unterstützen und Gefahren entschärfen, Unfallfolgen mildern, besser verhindern.

„Trotz engmaschigem passivem und aktivem Sicherheitsnetz bleibt die Verantwortung stets beim Fahrer!“ Gudrun Glück, Pressesprecherin Audi Österreich

Generiert werden diese Funktionen aus einer Reihe von auf dem und im Fahrzeug positionierten Sensoren: Kameras, Laserscanner, Radar (kurz- und langwellig), Ultraschall. Dirigiert werden diese Komponenten von einem zentralen Fahrassistenzsteuergerät – in Kooperation mit den Infotainmentsystemen, die Audi aus einem modularen Baukasten in unterschiedlichen Abstufungen anbietet.

Wie zum Beispiel die Türschlosssperre. Ein entsprechendes Szenario zur aktiven Erprobung hatten die Audi-Spezialisten auf einem gesperrten Gelände simuliert: den Radfahrer, der mit einer unvermittelt geöffneten Autotüre zu kollidieren droht. Sollten sämtliche Warnhinweise ignoriert werden, verhindert die Elektronik das Öffnen der seitlichen Türen – bis der Radler das „Hindernis“ passiert hat.

Ein hoffentlich noch weniger alltägliches Vorkommnis behandelt der Notfallassistent: Fahrerinaktivität. Wird diese vom System nach wiederholten optischen und akustischen Warnhinweisen detektiert, übernehmen die elektronischen Assistenten das Abbremsen des Fahrzeugs bis zum Stillstand – und rufen automatisch Hilfe. Bis zum finalen Punkt ließ Audi den Nothelfer allerdings nicht erproben. Es genügt(e) ein Griff zum Lenkrad oder das Antippen eines Pedals, um Fahraktivität zu signalisieren und den Probelauf abzubrechen.

Bei der mittlerweile sehr hohen Automatisierungsstufe will Audi dezidiert nicht dafür sein, dass man nicht mehr in den Rückspiegel oder über die Schulter(n) schaut oder sich gar umdreht, um den Verkehr zu überblicken. Es sollen die Fahrhelfer in unübersichtlichen Situationen unterstützen. Oder den Staufahrstress minimieren, auch langweiliges Autobahnfahren entspannter gestalten. In letzter Konsequenz soll aber der Lenker der Chef bleiben. Und damit voll verantwortlich sein. Er kann – noch – entscheiden, ob er den aktiven Spurhalteassistenten nützt. Oder auch nicht. Aus welchem Grund auch immer. Gerne zurückgegriffen wird auf Features wie adaptiver Abstandsregeltempomat und
automatischer Fernlichtassistent.