Spaß muss sein!. Toyota, der Alternativantriebsvorreiter, besinnt sich seiner Performance-Tradition: Der neue GR Supra 3.0 – made in Austria – ist megascharf.

Von Beatrix Keckeis-Hiller. Erstellt am 13. Juni 2019 (04:38)

Die Wurzeln des Supra liegen in den 1960er-Jahren, im 2000 GT, einem Sportcoupé mit Heckantrieb und Reihensechszylinder. Ende der 1970er folgte der erste Supra, damals noch auf Basis des Celica. Auch die zweite Generation (ab 1981), die mit den Klappscheinwerfern, war ein Super-Celica.

Ende der 1980er wurden die Modellreihen getrennt, die dritte Generation hieß schlicht Supra (1986). Der Evolutionsschritt Nummer 4 (1993 bis 2002) fiel durch seinen henkelartigen Heckflügel auf.

Dann war Pause – und mit der Einstellung des Celica 2005 hatte Toyota das Kapitel Sportcoupé für eine Weile abgeschlossen. Bis 2012, dem Start des GT86, einer Kooperation mit Subaru (BRZ). Der ist zwei-plus-zwei-sitzig und kein Ersatz für den Supra, zwar heckgetrieben, aber vierzylindrig motorisiert.

Am Anfang war eine Kooperation mit BMW

Sein Start fiel mit der Initiierung einer neuen Generation des Sportlers mit dem traditionellen Namen zusammen: Mit seiner Premiere hatte die Neuentwicklung des Supra begonnen. In Kooperation mit BMW. Zwei Jahre hat es gedauert, bis klar war, dass auf gemeinsamer technischer Basis (Plattform, Antriebsstrang) die Japaner wieder ein Sportcoupé bauen (und die Deutschen eine neue Z4-Generation, einen Roadster).

Von da weg gingen die beiden Hersteller individuelle Wege. Toyota hatte von Anfang an die hauseigene Sportabteilung „Gazoo Racing“ mit dem Projekt beauftragt. Weshalb die Supra-Generation Nummer 6 das GR in der Typenbezeichnung trägt.

„Die Geburtsstunde des neuen Supra schlug bei Testfahrten auf der Nürburgring-Nordschleife …“ Christian Wotypka, Pressesprecher Toyota Austria

Das 3.0 bezeichnet den Hubraum des Antriebs. Das ist – traditionsgemäß – ein Reihensechszylinder. Gekoppelt ist er an eine achtstufige Wandlerautomatik und er produziert 340 PS (500 Newtonmeter). Der Radstand des 4,38 Meter langen Flachmanns (1,29 Meter niedrig, man kann dennoch würdig ein- und aussteigen) ist mit 2,47 Metern bewusst kurz gehalten.

Die Spurbreite hält mit 1,59 Metern vorne, 1,60 Metern hinten dagegen, und im Verein mit 19-Zoll-Rädern (vorne 255/35, hinten 275/35) verspricht Toyota – und hält das, gemeinsam mit superber Traktion, auch ein – forcierte Agilität und Wendigkeit. Mit ein Resultat der 50:50-Gewichtsverteilung. An Passagierraum geht sich eine nach hinten versetzte Zweisitzkabine aus.

Das Hinterteil ist markant, die Motorhaube lang, die Statur muskulös. Der Gesamtauftritt ist auffallend, eigenständig und charakterstark – stilistisch zitiert werden außen wie innen der 2000 GT, ebenso der Supra Nummer 5 und auch der GT86. Letzteres fällt auf, wenn man das Interieur entert und ins Cockpit schaut. Man kennt sich auf Anhieb aus, selbst wenn es noch dezidierter auf aktives Fahren zugeschnitten ist.

Mit Sportsitzen, deren Seitenwangen auf die jeweilige Hüftbreite justiert werden können, mit supergriffigem, nicht zu fettem Lenkrad samt zugriffsfreundlichen Schaltpaddles und genau dem richtigen Mix an Steuerungselementen – ein paar Tasten, ein paar Regler, ein paar digitale Details, die intuitiv auffind- und bedienbar sind. Hinter dem Volant macht sich ein 8,8-Zoll-TFT-Display breit, im Zentrum der Anzeige steht der Drehzahlmesser.

Spontanes Ansprechverhalten und kehliger Sound

Der blitzschnell hochschnellende Zeiger ist ein optischer Beweis für das, was man ohnehin spürt: spontanes Ansprechverhalten, mühelose Drehfreudigkeit, seidigen Motorlauf, nahtlosen Durchzug in Zusammenarbeit mit der blitzschnell schaltenden Automatik. Das alles ohne übertriebene Fahrwerkshärte, auch nicht im noch sportlicheren der beiden Fahrmodi.

Es klappert, es scheppert, es knarzt nichts, die Federung stößt und poltert nicht. Die Lenkung verkneift sich ultrascharfe Zackigkeit, spricht präzise an. Ebenso wie die Performance-Bremsen. Der Sound kommt ungekünstelt rüber, er ist kehlig, wird jedoch nie nervig brüllend, weder von innen noch von außen.

Die erste Fahrpraxisprobe absolvierte der Supra rund um Madrid, in der Stadt und auf der Autobahn, vor allem aber in kurvigem Landstraßengeläuf und auf der anspruchsvollen Rennstrecke von Jarama. Ob auf öffentlicher oder gesperrter Strecke: Das erforderliche Konvolut an elektronischen Sicherheitsassistenten hat der Supra selbstverständlich an Bord. Die halten sich jedoch gepflegt im Hintergrund und lassen zu, dass (Fahr-)Spaß einfach sein muss.

Zu all dem kommt ein geradezu inniger Österreich-Bezug: In die Entwicklung des GR Supra mit einbezogen war Magna Steyr in Graz. Dort wird er auch gebaut.

Neu: Toyota GR Supra 3.0

Start & Preis. Ab sofort erhältlich/bestellbar – ab 71.900 Euro. Das Basismodell hat: sieben Airbags, aktives Sperrdifferenzial, adaptives Fahrwerk, Performance-Bremsanlage, Navigationssystem, Assistenz-Paket (Kollisions- und Toter-Winkel-Warner, Verkehrszeichenerkennung, Spurhaltehelfer etc.), Audioanlage, beheizbare Alcantara/Leder-Sport-sitze, adaptive LED-Scheinwerfer, Sportauspuffanlage, 19-Zoll-Aluminiumräder.