Von Baden in die weite Welt. Zwei junge Frauen haben den großen Schritt gewagt und studieren in England und den Niederlanden. Sie schätzen Selbstständigkeit und das flexible Lernangebot.

Von Roland Weber. Erstellt am 09. August 2020 (05:02)
Katharina Meyer (Mitte) und Clara Mrkos studieren bereits im Ausland. Sie unterstützen Stefan Huber (l.) und andere Studenten im Bootcamp, um den Bewerbungsprozess für eine ausländische Universität zu starten.
Roland Weber

Hinter „project access“ steckt eine internationale Organisation, die auch in Österreich seit drei Jahren jungen Menschen hilft, ihren Traum von einem Studium im Ausland zu verwirklichen.

„Wir spezialisieren uns auf die USA und Großbritannien und bauen hier mit unseren Partneruniversitäten ein Netzwerk auf, um die Studenten bei ihren Bewerbungen zu unterstützen“, erklärt Katharina Meyer, die selbst in England Philosophie, Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre studiert. Sie hat sich dazu entschieden, weil es die Kombination der Studienrichtungen in Österreich so nicht gab. „Ich habe begonnen in Österreich zu studieren, aber ich habe rasch gesehen, dass ich mehr Wahlmöglichkeiten brauche. Daher habe ich mich entschlossen ins Ausland zu wechseln“, erzählt die Studentin die im Gymnasium Biondekgasse zur Schule gegangen ist.

In der Organisation kennengelernt hat sie die Pfaffstättnerin Clara Mrkos, die in Rotterdam studiert. Für sie war der Schritt ins Ausland (fast) logisch. „Ich war während meiner Schulzeit (Anm.: Frauengasse) ein Jahr in Amerika und habe dort mit einem Stipendium in einer Privatschule den Vorteil von klein strukturierten Bildungseinrichtungen kennenlernen dürfen. Vor allem das System, dass man sich aus allen Fächern die jeweiligen Interessensgebiete raussucht kam mir zugute“, betont die Studentin, die als Hauptfach Psychologie gewählt hat. „Auch jetzt ist es so, dass wir in kleinen Gruppen lernen und arbeiten und es gibt fast keine Skripten. Dadurch muss man sich aber auch sehr viel organisieren und erarbeiten. Und wird man selbstständiger. Das kommt mir sehr entgegen.“

Etwa ein Jahr vorher muss der Bewerbungsprozess gestartet werden. Die ehrenamtliche Mitarbeiter von project access unterstützen die Kandidaten in einem sogenannten „Bootcamp“ (Trainingslager) „Wir zeigen ihnen, wie ein Bewerbungsschreiben inhaltlich richtig formuliert wird und sie können die Aufnahmetests probeweise bei uns absolvieren, um zu sehen ob sie schon genug können oder was noch fehlt“, erklärt Katharina Meyer. Auch über die Stipendienmöglichkeiten und Ansprechpartner erhält man Infos.

Nicht nur für Kinder reicher Eltern

Wer glaubt, dass das Studium im Ausland nur für Kinder reicher Eltern möglich ist, der irrt. „Unsere Organisation spricht bewusst Leute an, die nicht aus begüterten Familien sind. Und wir wollen jenen Mut machen, die aufgrund der familiären Situation oder ihrem Wohnort am Land gar nicht auf die Idee kommen, den Schritt ins Ausland zu wagen“, so die Studentinnen. Jährlich bewerben sich über die Organisation 70 bis 80 Studierende für ein Trainingslager. Rund die Hälfte von ihnen wird genommen und kann ihre Bewerbung mithilfe der Organisation in die Wege leiten.

Die finanzielle Situation der ehrenamtlichen Organisation ist Coronabedingt schwierig. Trotzdem ist man optimistisch. „Wir sind gut durch die Krise gekommen. Natürlich sind die Sponsoren aufgrund von Corona und Brexit vorsichtig“, erklärt Kathatina Meyer. Wünschen würden sich beide, dass man bereits in der Schule für eine Bewerbung an einer ausländischen Universität Infos und Unterstützung erhält, damit mehr Leute den Schritt wagen.