„Mythos Ludwig van“ im Kaiserhaus Baden. Anlässlich des Jubiläumsjahres 2020 wurde im Kaiserhaus der „Mythos Ludwig Van“ eröffnet.

Von Sandra Sagmeister. Erstellt am 23. November 2019 (03:30)
Nadia Rapp-Wimberger: die Ausstellungs-Kuratorin.
Sagmeister

Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827) war mehrere Sommer in Baden und komponierte hier Teile der zu seiner Zeit längsten Symphonie – der Neunten. Der reale und virtuelle Rundgang durch den „Mythos Ludwig van“ im Kaiserhaus Baden beginnt mit dessen Tod und der ist nächstes Jahr glatte 250 Jahre vorbei.

Eine Replika seiner Totenmaske liegt auf einem Seziertisch, daneben das Rasiermesser mit dem er nach seinem Tod rasiert wurde und eine eingerahmte Haarlocke. Ein Bild seines Begräbnisses zeigt, wie groß sein Mythos schon kurz nach seinem Tod war. Gestorben ist Ludwig van Beethoven in Wien, begraben wurde er drei Mal. Das Zimmer, wo er verstorben war, wurde zu einem Devotionalienraum. Das Rasiermesser wurde sofort konfisziert und verkauft. Als das Haus abgerissen wurde, wurden Teile des Zimmers, vom Plafond bis zum Boden, zu Geld gemacht. Die Ausstellung startet also mit seinem Tod und taucht dann in sein Erscheinungsbild über die Jahrhunderte ein. Beethoven wurde in unzählige Büsten und Gemälde gegossen, später in Plakaten, Comics-Heften und Werbematerialien verewigt.

In zweiten Raum der Ausstellung im Kaiserhaus wird gar sein Gesicht mit einem 3-D-Drucker ausgedruckt, den ausgedruckten Beethoven kann man dann bei der Kassa kaufen. Das Highlight der Schau ist das -Porträt von Ferdinand Waldmüller, eine Leihgabe des Kunsthistorischen Museums bis Ende Jänner 2020. Es zeigt Beethoven, er war übrigens der erste freischaffende Komponist, wie er vermutlich tatsächlich ausgesehen mag. Waldmüller porträtierte den Meister noch zu Lebzeiten und zeigt einen sanft blickenden Mann. Nichts ist von seiner Rastlosigkeit zu sehen, er soll ja täglich mehrere Stunden spazieren gegangen sein.

„Warum blickt er so ernst“

Weiter geht es mit einer Büste aus den 1920er-Jahren, zwei Totenmasken, die Arnulf Rainer bearbeitet hat und für die Schau zur Verfügung stellte. Es gibt auch einen Mythomat, wo man Beethoven nach seinen farblichen Vorlieben via Touch-Screen einfärben kann. Wild und ernst ist das zumeist dargestellte Abbild Beethovens stets dargestellt oder wie er rasend und gehetzt durch die Natur stapft. Der Heiligenkult, der sich um sein Wesen gebildet hat, wird in dieser Ausstellung geschickt dargestellt: „Die Ausstellung ist so aufgebaut, dass wir Fragen stellen, wie sie ein Kind stellen würde“, erklärt die Kuratorin Nadia Rapp-Wimberger. „Warum blickt er so ernst“, „Hat er überhaupt gelebt“ oder „Wofür kämpfte er“.

In einem weiteren Raum werden nicht nur Comics mit seinem Konterfei gezeigt, die Kulturstadtrat Hans Hornyik aus China mitgebracht hat, sondern es wird auch dem politischen Menschen nachgespürt. Beethoven war ein Rebell, er unterstützte die Französische Revolution und er war ein Freund Napoleons, allerdings nur bis zu dessen Krönung. Beethoven war aber auch der Lieblingskomponist vieler Herrscher, für die Nationalsozialisten war er ein „wahrer Deutscher“.

Und natürlich darf Beethovens Musik nicht fehlen, die man in einem eigenen Raum mit dem Titel „Warum diese Töne“ erhören kann, wo man auf einem großen Touchscreen selbst Beethoven remixen kann. Der Rundgang endet mit Beethoven als Badeente oder Christbaumkugel. Und dann steht man im Eingangsbereich, entlassen in eine von Beethoven erfüllte Gedanken- und Bilderwelt.

Die Ausstellung ist für jeden gedacht, für Experten wie Nicht-Experten, für jeden wird etwas in kleinen Dosen geboten und sie läuft bis 20. Dezember 2020, also genug Zeit, sich vom Nicht-Experten zum Experten zu wandeln.