Appell von Krismer: Johannesbad für Vertriebene öffnen

Vizebürgermeisterin ortet Hilfsbereitschaft in Baden und will „Haus der Frauen“ für Geflüchtete reaktivieren.

Erstellt am 10. März 2020 | 04:22
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Die ehemalige Kurpension Johannesbad steht leer. Es gibt viele Ideen für die Nachnutzung. Aktuell könnte das Haus aber wieder wie von 2015 bis 2018 Flüchtlingsfrauen als Wohnort dienen, schlägt Helga Krismer vor.
Foto: Fussi

„Anlässlich des Schicksals von Frauen auf den griechischen Inseln, sollten wir das Haus der Frauen wieder öffnen“, appelliert Vizebürgermeisterin Helga Krismer (Grüne). Das Gebäude im Eigentum der Stadt sei derzeit leer stehend und sollte wieder Hilfsorganisationen zur Verfügung gestellt werden.

„Wir haben in der Koalition viele gute Ideen für das Haus, aber viele Frauen mit und ohne Kinder haben in Baden schon ein neues Leben beginnen können.“ Eine herzliche Tourismusstadt „sollte auch ganz besonderen Gästen wieder ein Dach und Perspektiven geben“, betont sie.

Krismer fordert auch europäische Solidarität ein. Das heiße auch, „dass Griechenland endlich geholfen werden muss.“ Ein Re-Settlement unter UNHCR Leitung erscheine ihr als geeignete Maßnahme. Und es brauche aus ihrer Sicht einen neuen Vertrag der EU mit der Türkei.

„Baden hat schon einmal unaufgeregt geholfen. Sollte das Land Niederösterreich eine spezielle Einrichtung für Frauen wieder vorsehen, findet sich sicher wieder eine breite Mehrheit im Gemeinderat“, ist Krismer überzeugt

Positive Signale kommen von VP-Stadtchef Stefan Szirucsek: „Die Badenerinnen und Badener haben immer wieder bewiesen, dass sie Menschen in Not unterstützen. Das Haus der Frauen war ein durch die Zivilgesellschaft großartig unterstütztes Projekt. Diesen Beispielen wollen wir auch in Zukunft folgen.“

Im aktuellen Fall sollte laut Szirucsek aber „nicht vergessen werden, dass durch die einseitig gesetzten Maßnahmen von einem militärischen Misserfolg abgelenkt werden soll. Ich bin bestürzt, dass für dieses Ablenkungsmanöver Menschen missbraucht werden.“

„Mit einem Wasserglas kann man keinen Flächenbrand löschen“

Baden könne sicher einen Beitrag leisten, Notleidenden zu helfen, meint Helmut Hofer-Gruber (NEOS). Doch damit sei das Problem nicht gelöst: „Mit einem Wasserglas kann man keinen Flächenbrand löschen.“ Man habe aus 2015 nichts gelernt. Hofer-Gruber fordert eine europäische Lösung.

FPÖ-Chef René Hansy habe nichts dagegen, schutzsuchenden Familien aus Kriegsgebieten zu helfen. Er ortet jedoch vorwiegend Migrantenströme aus verarmten Ländern, die nach Deutschland wollen. Man müsse abwarten, wie sich die Lage entwickle.

Skeptisch sieht den Aufruf Jowi Trenner von der Bürgerliste. Das Johannesbad sei ein Gebäude in Bestlage, das leer stehe. Das komme „einer Verschwendung“ gleich und sei „Symbol für diese tatenlose Stadtregierung“. Szirucsek sei aufgerufen, einen Runden Tisch einzuberufen, um Ideen fürs Johannesbad vorzustellen und „erforderliche Beschlüsse umzusetzen“.

Ein eindeutiges Ja kommt von der SPÖ. Stadtrat Markus Riedmayer hält den Vorschlag von Helga Krismer für „absolut unterstützenswert“, denn: „In Zeiten wie diesen, ist internationale Solidarität mit den Verfolgten und vor Krieg Flüchtenden mehr als gefragt! Wir leben in einem wohlhabenden Land, in einer wohlhabenden Stadt.“

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