Debatten um drei Studien zur Stadtzukunft. Grundlagen für innovative Parkraumentwicklung sowie Etablierung eines zukünftigen „Frauenmuseums“ und zur Unterstützung der Badener Vereine gesucht.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 05. August 2020 (05:55)
Das im Besitz der Stadttochter Immo GmbH befindliche „Liebenberg Haus“ in der Marchetstraße 3-5 soll Grundlage für die Studie mit dem Arbeitstitel „Frauenmuseum“ sein.
Fussi

Am Dienstag (nach Redaktionsschluss) tagt der Stadtrat auch in den Ferien. Im Mittelpunkt steht dabei die Beschlussfassung von Mitteln für drei unterschiedliche Studien.

Geplant ist zum einen, „ein Parkraumkonzept in Auftrag zu geben, welches das gesamte Stadtgebiet von Baden umfasst und auch mögliche Wechselwirkungen auf Nachbargemeinden berücksichtigt“, erläutert VP-Bürgermeister Stefan Szirucsek. Denn anders als vergleichbare Städte verfüge Baden über eine belebte Innenstadt und kein verwaistes Zentrum.

Das bringe Herausforderungen mit sich: „Die Vielfalt im Stadtzentrum in Verbindung mit einem veränderten Mobilitätsverhalten erfordern eine Neuorganisation des Parkraum-Managements“, ist Szirucsek klar, dass eine zeitgemäße Weiterentwicklung erforderlich sei. Ziel sei die Erarbeitung einer innovativen Parkraum-Strategie, „die dem Parkdruck im Zentrum entgegenwirkt, aber auch die Entwicklung ergänzender Mobilitätsmanagement-Produkte für Zielgruppen wie dem Tourismus“, so der Stadtchef. Nach zahlreichen Vorgesprächen wurde dafür das Unternehmen „Con.sens Verkehrsplanung Wien“ ausgewählt, welches für die Gemeinden Salzburg, Perchtoldsdorf, Laxenburg und Steyr bereits vergleichbare Konzepte erarbeitet hat. Kostenpunkt: 42.525 Euro.

Leuchturmprojekt für Baden geplant

Eine weitere Beschlussfassung betrifft das „Liebenberg Haus“ in der Marchetstraße 3-5, das derzeit weitgehend leer stehe. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie soll geprüft werden, ob an dieser Adresse die Etablierung des oftmals diskutierten „Frauenmuseums“ möglich sei. Die Studie soll eruieren, ob die „Etablierung eines Zentrums für Kunst- und Gegenwartsfragen in Bezug auf geschlechtergerechte und frauenspezifische Fragestellungen“ an dieser zentrumsnahen Stelle umsetzbar sei. „Wir wollen aber auf keinen Fall ein statisches Museum einrichten“, betont Vizebürgermeisterin Helga Krismer (Grüne). „Es soll vielmehr ein lebendiger Ort werden, der von regem Austauschund Vielfalt lebt. Durch eine Vernetzung mit nationalen und internationalen Institutionen wollen wir die Pionierarbeit und das politische Engagement von Frauen sichtbar machen.“ Krismer schwebt ein Konzept ähnlich dem Forum Alpach vor. Szirucsek spricht gar von einem Leuchtturmprojekt. „Unser Anspruch ist ein Konzept, das eine Strahlkraft hat, die weit über Baden hinaus geht“, sagt Krismer.

Mit der Durchführung der Machbarkeitsstudie sollen Universitätsprofessorin Felicitas Thun-Hohenstein (Akademie der bildenden Künste Wien), Architektin Andrea Graser (Studio Okular) sowie Katharina Boesch (section.a art.design.consulting GmbH) beauftragt werden – Kostenpunkt: 74.700 Euro. Szirucsek betont, dass die Kosten im Voranschlag mit 100.000 Euro gedeckt sind.

Außerdem wird eine „Studie für eine zielgerichtete Unterstützung der Badener Vereine“ in Auftrag gegeben, erklärt Szirucsek. Die Kosten belaufen sich auf 44.400 Euro. „Unsere Vereinslandschaft deckt viele Bereiche des sozialen Lebens in der Stadt ab“, unterstreicht Szirucsek die Bedeutung der Badener Vereine. „Gerade während des Covid-19 Lockdowns hat sich gezeigt, dass sie als wertvolle Logistik- und Informationsdrehscheiben fungieren und Hilfsbedürftige unterstützen.“

Nun soll im Rahmen einer Studie erhoben werden, wie die Vereinsstrukturen, Aktivitäten und Vernetzungen der Badener Vereine gestaltet sind. „Für diese Aufgabe holen wir uns mit dem Kompetenzzentrum für Non Profit Organisationen und Social Entrepreneurship der WU Wien die Besten“, verrät der Stadtchef. „Außerdem werden wir erheben, in welchen Bereichen die Badener Vereine Unterstützung brauchen, damit wir als Stadtgemeinde zielorientiert und bedarfsgerecht unter die Arme greifen können.“ Letztendlich sollen die Ergebnisse der Studie auch Grundlage für die vor der Wahl angekündigte Planung und Umsetzung des Badener „Hauses für Vereine“ sein.

 

Kritik an den Studien-Plänen

 

Die Entscheidung der Stadtgemeinde Baden, in Coronazeiten rund 160.000 Euro für Studien auszugeben, goutieren nicht alle: „Die Entscheidung, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten so viel Geld für Konzepte auszugeben, ist ein Schlag ins Gesicht für jeden Steuerzahler“, kritisiert etwa Christian Stiastny, JVP Obmann in Baden. Die Jugend sei sich einig, dass diese Studien „momentan nicht dringlich“ seien und für andere Projekte genutzt werden sollten.
„Das Geld sollte für Projekte herangezogen werden, die auch tatsächlich bei den Badener Bürgern ankommen“, sagt Stiastny stellvertretend für die Jugend.
Kritik kommt auch von Teilen der Opposition. Die NEOS begrüßen zwar, dass Weichen in die Zukunft gestellt werden, nur müssten es „echte Zukunftsthemen“ sein. Dem Parkraumkonzept können die NEOS zwar einiges abgewinnen, dafür sorgt das geplante Frauenmuseum für Diskussionen.
„Es gibt national wie international bereits großartige Beispiele, wie man Themen aufarbeitet und präsentiert. Dafür braucht es keine permanente Institution, wie sie nun angedacht ist“, erklärt NEOS Gemeinderätin Gertraud Auinger-Oberzaucher, die anregt, dass sich Baden als Veranstaltungsort für derartige Formate – zu unterschiedlichen Themen – im Rahmen eines modernen Tourismus- und Marketingkonzeptes positionieren sollte. Finanzexperte NEOS-Gemeinderat Helmut Hofer-Gruber erinnert: „Solange der erste Schritt eines Museumskonzeptes für Baden nicht gemacht ist, brauchen wir den nächsten Schritt – nämlich die Diskussion über neue Museen – gar nicht überlegen, nicht einmal mit einer Machbarkeitsstudie, die nun in Auftrag gegeben werden soll“.
Kritisiert wird auch die Vorgangsweise der Stadtregierung – „die Stadtregierung will die Weichen wohl alleine stellen“, wirft Hofer-Gruber vor. „Wenn schon so viele Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben werden, warum keine zu einem Pop Up Eislaufplatz?“, hinterfragt er.

 

"Signal setzen"

 

Auf Kritik, die Studien wären jetzt nicht so wichtig, da Geld für Covid-19-Maßnahmen nötiger sei, entgegnen Krismer und Szirucsek: „Man muss sich auch trauen, in die Zukunft zu schauen.“ Es gehe darum, jetzt „ein Signal zu setzen“ und darüber nachzudenken, „um am Ende ein außerordentliches Konzept zu haben, das dem Anspruch der Stadt genügt“, meint Szirucsek. „Covid-19 ist kein Grund, in Schockstarre zu verfallen!“