Deutsch am Abstellgleis?. Ferry Paur interessiert sich für die Geschichte der Region um Baden und kritisiert dabei die zunehmende Unterwanderung der deutschen Sprache durch Anglizismen.

Von Stephanie Pirkfellner und Andreas Fussi. Update am 17. Mai 2021 (14:12)
Der in Baden wohnhafte, gebürtige Heiligenkreuzer Ferry Paur macht sich Sorgen um die deutsche Sprache und ruft dazu auf, Produkte mit englischen Bezeichnungen nicht zu kaufen.
Schörg, Schörg

Ferry Paur aus Baden, Betreuer der Topothek von Heiligenkreuz, ist nicht nur an der Geschichte Österreichs, sondern auch am Erhalt der Deutschen Sprache interessiert. Paur ist allerdings vom Trend, die Sprache der großen Dichter zu zerstören, irritiert und hat sich aus diesem Grund an die NÖN gewandt.

NÖN: Sie beschäftigen sich bereits seit einiger Zeit mit den – Ihrer Meinung nach – überbordenden Anglizismen in unserer Sprache und prangern diese heftig an. Was bewegt Sie dazu?

Ferry Paur: Wenn man eine Kultur zerstören will, so zerstöre man zuerst ihre Sprache. Die Verdrängung unserer deutschen Muttersprache findet bereits seit mehr als 40 Jahren statt. Und das hat bis heute kein Ende genommen. Im Gegenteil, kaum ein Fernsehbeitrag, kaum ein Zeitungsartikel oder eine neue Produktbezeichnung, die nicht täglich neue Anglizismen in unsere deutsche Sprachwelt setzt.

Sie behaupten, dass die derzeitige Pandemie diese Entwicklung noch erheblich verstärkt?

Paur: Richtig. Seit Beginn der Pandemie hat sich das gefühlsmäßig ins Unerträgliche gesteigert. „Lockdown“ statt Wirtschaft herunterfahren, „Cluster“ statt Gruppe, „Homeoffice“ statt Heimarbeit, „Homeschooling“ statt Heimunterricht und mehr.

Wer sind in Ihren Augen die, um bei den Anglizismen zu bleiben, „Main Player“ dieser Entwicklung?

Paur: Zu den Hauptzerstörern unserer Sprache gehören viele Medien, die Produkthersteller, die Mehrzahl der Akademiker sowie der Führungskräfte in Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Seien wir doch ehrlich: Wer versteht schon spontan solche Ausdrücke wie Pop-up Bäckerei, Stakeholder, Summer Challenge, Keynote Speaker und unendlich mehr, die eigentlich nur der ORF und die Medien zum Ausdruck bringen? Früher war man ein Jungunternehmer, heute ist man ein „Start Up“, was übersetzt nur „in Betrieb nehmen“ heißt. Das Unwort „Sale“ bedeutet einfach nur „Verkauf“. Der deutsche Ausdruck Schluss- oder Ausverkauf sagt aber eigentlich viel präziser aus, was gemeint ist, wird aber vom Handel nicht mehr verwendet und gerät damit in Vergessenheit.

Was bedeutet das Ihrer Meinung nach für unsere Gesellschaft?

Paur: Nichts Gutes. Die deutsche Sprache befindet sich unzweifelhaft am Abstellgleis. Unsere Sprache entwickelt sich vermehrt zu einer angloamerikanisch-deutschen Schrottsprache. Die deutsche Sprache wird damit langfristig aussterben. Die Kinder wissen ja nicht einmal mehr, dass „Bacon“ auf Deutsch Speck heißt. Genauso wird uns vom Handel bei allen möglichen Mitnahmeartikeln die unnötigste aller Floskeln „to go“ auf‘s Auge gedrückt. Dieser Begriff macht nicht einmal mehr vor der katholischen Kirche halt, die kürzlich am Aschermittwoch mit dem Ausdruck „Ash to go“ den Vogel abschoss.

Können wir dieser Entwicklung überhaupt noch entgegenwirken?

Paur: Wehren wir uns! Kaufen wir keine Produkte mit englischen Bezeichnungen, fragen wir den Trafikanten und andere Handelsbetriebe permanent, warum das Schild „open“ statt „offen“ am Geschäft angebracht ist. Schreiben wir Leser- und Beschwerdebriefe an die Medien und verwenden wir selbst dieses angloamerikanische Kauderwelsch nicht mehr. Und wenn jetzt einige meinen, Anglizismen seien die Zukunft, so sage ich: „Diese Leute machen die Anglizismen zur Zukunft und betreiben damit vehement das Ende der Zukunft unserer eigenen deutschen Sprache, in der wir beheimatet sind“.

Aber ist es umgekehrt nicht auch erfreulich, dass wir uns die englische Sprache zur Brust nehmen und einige Worte einfach „eindeutschen“, obwohl es sie eigentlich gar nicht gibt? Etwa Ausdrücke wie „Userinnen“ oder „Playerinnen“, die vermehrt in unserem Sprachgebrauch aufscheinen.

Paur: Im Gegenteil! Es ist für mich erschreckend, wie von den Verfechtern der „Political Correctness“ – um einen weiteren unsäglichen Anglizismus zu bemühen – keine Kosten und Mühen gescheut werden, um sinnlose und unpraktikable geschlechtsneutrale Ausdrücke (das deutsche Synonym für das verblödete Wort „Gendern“) und Binnen-I’s oder Sternchen in unsere Sprache integrieren. Es ist nicht weiter hinzunehmen, dass die dargebotenen Texte gar nicht mehr sinnerfassend verstanden oder gelesen werden können. Und wenn in den Nachrichtensendungen seit Neuestem nur noch mit „-innen“ gesprochen wird, so irritiert das ungemein und verwässert damit den Wert der Nachricht.