Neunkirchen

Erstellt am 22. Januar 2019, 04:25

von Andreas Fussi

Häusliche Gewalt - „Sprache immer aggressiver“. Vier Frauenmorde in 14 Tagen erschüttern das Land. Sind sie nur der Gipfel einer Gesellschaft, die verroht?

Symbolbild  |  Shutterstock.com, Marcos Mesa Sam Wordley

Die Opfer waren Frauen, die Täter Männer – und sie standen in einer Beziehung oder gehörten zur Familie ihrer Mordopfer. Das ist das Einzige, das die vier Morde – einer davon in Amstetten, ein anderer in Krumbach im Bezirk Wr. Neustadt – gemeinsam haben.

Doch was ist der Grund für die aktuelle Häufung von Morden an Frauen?

Laut Hedwig Wölfl, Geschäftsführerin der „Möwe“, könne man von keinem Trend zu mehr Gewalt sprechen, da Gewaltbereitschaft immer gewissen Schwankungen unterliege. „Es war schon im Jahr 2018 so, dass eine deutliche Häufung von Morden an Frauen zu beobachten war. Die Gewaltbereitschaft steigt mit dem Druck, unter dem die Menschen selber stehen“, meint Wölfl.

Seitens der Verbrechensopferhilfe „Weißer Ring“ beobachtet man in der täglichen Arbeit schon gewisse Veränderungen: „Wo früher mit der Faust zugeschlagen wurde, wird heute gleich einmal ein Messer gezückt. Momentan lässt sich vor allem im Internet beobachten, dass die Sprache immer aggressiver wird“, berichtet Geschäftsführerin Dina Nachbaur.

Auch Daphne Franz, Bezirksvorsteherin beim Bezirksgericht Baden, stellt fest, dass die Hemmschwelle generell sinke und die Menschen rascher eine Waffe in irgendeiner Form nehmen. „Das war früher nicht so schlimm.“ Auch der Ton vor Gericht werde immer respektloser. „Die Leute grüßen nicht mehr richtig und man wird leichter angeflegelt.“ Mehr Gewalt könne sie aber anhand der Akten-Fälle nicht bestätigen.

Von einer zunehmenden Gewaltbereitschaft weiß auch Badens Bezirkshauptfrau Verena Sonnleitner nichts: „Meine Mitarbeiter des Bereiches Jugend und Soziales nehmen keine erhöhte Zunahme an Gewaltphänomenen wahr.“ Man habe jedoch die Erfahrung gemacht, „dass eine konsequente Bewusstseinsbildung durch unsere Sozialarbeiter einen unheimlich wertvollen Beitrag in dieser Thematik darstellt“. Bereits im Vorfeld werde in Schulen und Kindergärten an dieser Bewusstseinsbildung gearbeitet, so Sonnleitner, „wir leisten aber auch mit unterstützenden Maßnahmen in Familien und Erziehungsberatung eine profunde Hilfestellung für Betroffene“.

Eines betont Sonnleitner: „Die Zusammenarbeit mit den Frauenhäusern, Opfer- und Kinderschutzeinrichtungen funktioniert ausgezeichnet im Bezirk Baden, da alle Beteiligten im Sinne dieser sensiblen Sache an einem Strang ziehen.“

Sensibilisierungsarbeit sei jedenfalls wichtig, meint Geschäftsführerin Michaela Egger vom Gewaltschutzzentrum. „Wir sind ständig bemüht über Schulungen im Polizeiapparat das Thema häusliche Gewalt zu thematisieren. Unser Ziel ist es, dass Opfer, die zur Polizei gehen ernst genommen werden und opferfreundlich behandelt werden.“

Aus Studien wisse man, wie wichtig es sei, dass Personen, die Hilfe durch die Polizei suchen, ernst genommen werden, da sie bei Ablehnung das Vertrauen in die Polizei verlieren. Dazu Sebastian Stockbauer, Kommandantstellvertreter der Stadtpolizei Baden: „Prävention wird bei der Polizei sehr groß geschrieben.“

So werde ein Gefährder nach der Wegweisung einige Tage nach dem Vorfall von speziell ausgebildeten Präventionsbeamten vorgeladen, um ihn „über rechtskonformes Verhalten zu belehren“. Auch Opfer von häuslicher Gewalt werden nochmals über rechtliche Möglichkeiten informiert.

Im Bezirk Baden wurden im Vorjahr 181 Betretungsverbote ausgesprochen.

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