Disput um Fortbestand der Traiskirchen Lions

Erstellt am 06. Juli 2022 | 02:39
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Auffassungsunterschiede der Parteien darüber, wie wirtschaftliche Situation der Basketballer gesichert werden kann.

Warum die Lions überhaupt in den Mittelpunkt einer Diskussion rückten, ist dem Umstand geschuldet, dass die „Lions Traiskirchen“ als Verein mit einer Superliga-Mannschaft ab der Saison 2022/23 wie sämtliche Vereine in der höchsten Spielklasse verpflichtet sind, den Profibetrieb in eine Kapitalgesellschaft, etwa eine GmbH, auszulagern.

Dazu brachte die SPÖ in der Gemeinderatssitzung einen Grundsatzbeschluss ein, der beinhaltet, dass die Stadt die neu gegründete Traiskirchen Lions Basketball GmbH durch eine einmalige ‚Gründungsunterstützung‘ in Höhe von 40.000 Euro fördert sowie 15.000 Euro pro Monat ab September als Subvention zur Abwicklung des Profibetriebes beisteuert. Dies soll so lange geschehen, bis ein Beschluss des Gemeinderates diese Subvention wieder aufhebt.

Diskutiert wurde nach Intervention von NEOS-Gemeinderat Attila Janos schließlich im öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung. Janos betont: „Wir finden es richtig und wichtig, dass die Stadtgemeinde Traiskirchen einen Sportverein mit Bundesligabetrieb und Nachwuchsarbeit subventioniert, allerdings wäre es jetzt an der Zeit, rechtliche wie wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu schaffen, sodass der Fortbestand des Vereins nachhaltig gesichert ist. Das sind wir den Kindern, Jugendlichen, Trainern, Bundesligaspielern und den vielen ehrenamtlichen Unterstützerinnen und Unterstützern schuldig.“ Bei der Gründungsunterstützung von 40.000 Euro für die neu gegründete „Traiskirchen Basketball Lions GmbH“ bedürfe es als Entscheidungsgrundlage zumindest eines Businessplans.

Externe Experten sollen Schuldentilgung prüfen

Geht es nach Janos, soll für die Schuldentilgung des Vereins „Sportunion Katholische Jugend Basketballclub Möllersdorf Traiskirchen“ durch einen Wirtschaftsprüfer der tatsächliche Schuldenstand ermittelt werden. „Ansonsten besteht das latente Risiko der Überschuldung und damit die Insolvenzgefahr“, befürchtet Janos. Außerdem vermisst er einen Subventionsvertrag für die 15.000 Euro im Monat, der alle Rahmenbedingungen wie auch die notwendigen Kontrollrechte und einen Bericht in der jährlichen Budgetsitzung des Gemeinderats abbildet.

„Es kann nicht sein, dass wir durch den Grundsatzbeschluss monatlich 15.000 Euro subventionieren und keinerlei Einblick über die wirtschaftliche Entwicklung der neu gegründeten ‚Traiskirchen Basketball Lions GmbH‘ haben“, führt János aus. Die ÖVP hat sich der NEOS-Meinung angeschlossen. Sebastian Makoschitz-Weinreich sagt: „Die Rettung der ‚Arkadia Lions Traiskirchen’ schreiben sich die Damen und Herren mit Steuergeld unserer Bürger auf die Kappe, die jahrelang Misswirtschaft betrieben haben. Der Vorstand besteht großteils aus SPÖ-Gemeindevertretern und ich kann kein unternehmerisches Geschick erkennen, allerdings gewährt man uns kaum Einblick.“

Seitens der Stadtgemeinde heißt es lediglich, dass im Vorfeld des Gemeinderates sowie in der Sitzung des Stadtrates diese Vorgangsweise zur Sicherung des Basketballbetriebes in Traiskirchen gemeinsam vorbereitet wurde. Zusätzlich habe es Gespräche mit allen Parteiobleuten gegeben, in denen transparent über die konkreten Finanzpläne des neuen Konstrukts informiert wurde. Auch mit den NEOS.

Gemeinderat Janos werfe aber hier bewusst Beträge aus einem einmaligen Zuschuss für eine GmbH, einem bereits seit mehreren Jahren erfolgreichen Schulprojekt, einer nur erhöhten laufenden Subvention und einer teilweise als Darlehen gewährten Unterstützung eines Vereins, in einen Topf, ohne zu differenzieren.

Parteipolitik habe keinen Platz im Verein

Entschieden lehne man Forderungen nach parteipolitischen Besetzungen im Verein ab. Es obliege in Traiskirchen grundsätzlich den Vereinen selbst, ihre Funktionäre zu bestellen und hier hätten Politik-Besetzungsvorschriften keinen Platz.

Als „äußerst irritierend“ bezeichnen die beiden Basketball-Verantwortlichen Paul Handler und Michael Schwabl die Aussagen des NEOS-Gemeinderates. „Wir haben uns gemeinsam – unser Bundesligaverein und unser Jugendverein – mit unserer Expertise intensiv mit der Zukunftsplanung unserer Vereine beschäftigt. Uns zu unterstellen, dass wir keine seriöse Budgetplanung vorweisen, finden wir mehr als befremdlich. Das besagte GmbH-Konstrukt ist nicht ein Gemeindekonstrukt, sondern eine neue Lizenzauflage der Basketball-Superliga bzw. des Verbandes und soll zu einer Professionalisierung der österreichischen Superliga führen. Auch stehen uns dadurch, dass der Superliga-Betrieb damit nicht mehr nur von Ehrenamtlichen abgewickelt wird, mehr Kapazitäten zur Verfügung, um die Sponsoren-Suche zu intensivieren. Damit wird es möglich sein, die Subventionen der Stadt wieder zu reduzieren.“

Der Beschluss im Gemeinderat sichere den Lions nachhaltig die Fortführung des Spielbetriebs in den Jugendteams und in der Superliga.

Die Kritik geht für Janos ins Leere: „Der Basketballverein soll alle Summen bekommen, die ihm helfen, den Spielbetrieb zu meistern. Es geht darum, dass die Stadt die Chance nutzen soll, den Verein auf wirtschaftlich gesunde Beine zu stellen. Dazu braucht es Transparenz, Kontrollmechanismen und die Einhaltung der Grundprinzipien der Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit.“

Die letzte Sonder-Subvention liegt vier Jahre zurück. 2018 beschloss der Gemeinderat eine Finanzspritze von 156.000 Euro, um den Verein von Altlasten zu befreien und den Fortbestand zu sichern.