Kanal macht sich Radler-Fit für die Landesausstellung. „Welt in Bewegung“– unter diesem Motto optimieren viele Gemeinden Routen, Rastplätze & Beschilderungen.

Von Andreas Fussi und Judith Jandrinitsch. Erstellt am 05. März 2019 (04:01)
Wienerwald Tourismus
Unter dem Motto „Kultur und Genuss im Fluss“ laden die Gemeinden entlang des Wiener Neustädter Kanals zum Erkunden ein.

1803 wurde der Wiener Neustädter Kanal offiziell eröffnet. Auf dem Wasserlauf des künstlich geschaffenen Gerinnes wurden in Frachtkähnen Holz, Kohle und Ziegel nach Wien transportiert.

Heute verläuft neben dem Kanal der Thermenradweg als Anbindung an die Eurovelo 9. Wasser, Wein, regionale Schmankerln sowie zahlreiche Ausflugsziele und kulturelle Angebote locken daher Radfahrer im Rahmen der Landesausstellung „Welt in Bewegung“ offiziell ab 30. März in viele Gemeinden des Bezirks Baden, die am Wiener Neustädter Kanal liegen.

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Dort, wo einst im alten Wirtshaus im Gemeindeamt von Pfaffstätten der alte Kühlschrank war, wird die Veranstaltungstechnik ihren Platz finden. Bürgermeister Christoph Kain erlaubt einen Blick hinter die Kulissen.

Initiator und Ideenfinder, Pfaffstättens Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Christoph Kainz, VP, hat mit Unterstützung eines engagierten Teams von Freiwilligen gleich drei Projekte anvisiert. Bei „Wein einst und jetzt“ steht die Geschichte des Rebensaftes im Vordergrund. „Wir haben auch vor, unsere Heurigen in das ganze Geschehen mit einzubinden. Wir sammeln gerade alte Weingläser und planen eine Verkostung, bei der die Menschen verschiedene Weingläser verwenden sollen um herauszufinden, wie das jeweilige Glas den Geschmack des Weines beeinflusst, berichtet Kainz.

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Franz Muttenthaler von der Stadtgemeinde Traiskirchen will einen naturnah gestalteten Rastplatz unweit des Kanals.

Geplant sind noch ein Fledermaus-Erlebnisweg und der Kulturpfad „Folge den Tönen“, auf dem die Besucher quer durch die Weingärten spazieren können. Rechtzeitig saniert zur Landesausstellung soll überdies das alte Wirtshaus im Rathauserdgeschoß werden. Hier möchte die Gemeinde eine Touristen-Informationsstelle schaffen, darüber hinaus soll das Wirtshaus auch für Ausstellungen, Kunstprojekte, etc. genutzt werden können.

„Das muss sich ergeben und entwickeln“, hält Kainz fest. Spürbar ist auf jeden Fall schon die Wirtshausatmosphäre, dank der bereits montierten Holzpaneele, die einem in die 1950er, 1960er Jahre zurückversetzen.

Frachtkahn erinnert an Transportvergangenheit

In Traiskirchen ist Stadtrat Franz Muttenthaler, SPÖ, mit der Umsetzung des geplanten Rastplatzes beauftragt. Die Gemeinde geht zurück zu den Wurzeln des Wiener Neustädter Kanals. Das Modell eines Frachtkahnes, immerhin 23 Meter lang, soll veranschaulichen, wie es war, auf dem Kanal die Waren von Wiener Neustadt nach Wien zu bringen. Auf der anderen Seite dient es auch als unkonventioneller Rastplatz, denn das Schiffsmodell wird nicht aus Holz gefertigt, sondern aus Beton, inklusive Tische und Bänke, die zum Verweilen einladen.

„Jeder Schiffsteil wird aus Beton gegossen, das macht die Bauakademie in Guntramsdorf für uns“, erzählt Muttenthaler. Der gewählte Platz erzählt zudem auch die Industriegeschichte, der hier ehemals ansässigen Linoleumfabrik. Das Zufahrtsschild „ÖLW“-Österreichische Linoleumfabrik“ erinnert noch daran. Und die drei Wände, die jetzt noch etwas trostlos in der Landschaft stehen, werden noch entsprechend gestaltet. Sie sind der Rahmen, innerhalb dessen das Schiff aufgestellt wird – auch wenn es über den betonierten Platz hinausragen wird.

„Wir wollen diesen Platz so naturnah wie möglich gestalten. Einen Rasen, der regelmäßig auf zwei Zentimeter zurückgeschnitten wird, den wird es hier nicht geben“, hält Muttenthaler fest.