Umgangston am Fußballplatz: Wenn der Fan zur Last wird. Der Verband geht das Problem „übermotivierter“ Eltern an.

Von Alexander Wastl. Erstellt am 12. März 2019 (03:39)
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Fußball soll vor allem eines: Spaß machen! Manche Erwachsene am Spielfeldrand vergessen das oft.Shutterstock.com

Tobende Mütter, schimpfende Großväter, drohende Väter – die Umgangsformen auf den Fußballplätzen bei Nachwuchsspielen sind oft unschön und keinesfalls kindgerecht. Der NÖ Fußballverband hat das Problem erkannt und will mit einer Plakatkampagne gegensteuern. Kernbotschaft: Erwachsenen Sporplatzbesuchern soll ihre Vorbildfunktion bewusst gemacht werden.

Das scheint bitter nötig, denn dass es in diesem Bereich Probleme gibt, darüber ist man sich unter den Beteiligten im Großen und Ganzen einig. Neo-LAZ-Industrieviertel-Standortleiter Philipp Pürzl berichtet: „Problematisch ist in erster Linie der Wettbewerbsgedanke in jungen Jahren. Leider wird zu oft von Eltern künstlich Druck aufgebaut und von außen negativ eingewirkt.“

Allerdings seien für Pürzl nicht nur die Eltern zu ehrgeizig, auch die Trainer wollen oft des Guten zuviel für ihre Schützlinge: „Da werden durch zu energisches Coaching die Spieler ihrer Entscheidung beraubt. Schlussendlich wird nach jeder Aktion zum Trainer geschaut, ob es ‚eh gepasst‘ hat. Man muss Kindern die Entscheidungsfreiheit lassen, sowie ihnen Fehler zugestehen. Nur so kann Kreativität und Spielfreude entwickelt werden.“ Auch bei den Vereinen ist man sich im Klaren, dass gewisse Entwicklungen in diesem Bereich – gerade was intervenierende Elternteile betrifft – problematisch sind.

„Natürlich bekommen wir mit, dass es immer wieder Thema ist, wie etwa der Vorfall in Vöslau (bei einem U16-Spiel musste vor einigen Jahren sogar die Polizei anrücken Anm.), auch bei uns gibt es hie und da etwas. Aber nichts, was sich außerhalb des Rahmens befinden würde“, meint der Sektionsleiter des BSV Enzesfeld, Thomas Meyer.

„Spieler werden ihrer Entscheidung beraubt“

„Der Dialog ist wichtig, aber wenn Elternteile meinen, das Training mitbestimmen zu müssen, dann müssen wir leider sagen, dass das so nicht funktioniert. Es steht jedem frei, im Verein einen aktiven Posten zu übernehmen, dann darf auch mitbestimmt werden. Das wollen aber dann wieder die wenigsten“, so Meyer.

Igor Knezevic kennt die Problematik gleich aus mehreren Perspektiven: Der 44-Jährige ist selbst Spielervater (Sohn Oliver spielt im Admira-Nachwuchs), leitete als Schiedsrichter etliche Nachwuchsspiele und ist zudem Trainer der Bad Vöslauer U11: „Die Eltern erzeugen zu viel Druck, sehen in den Kindern schon lauter ‚Messis‘. Und wenn es nicht so läuft, ist der Schiedsrichter schuld und wenn der nicht schuld ist, dann der Trainer. Da sind Vereine und Funktionäre gefordert. Bei uns wird es nicht geduldet, wenn irgendwer den Schiedsrichter oder sonst wen kritisiert. Eltern dürfen anfeuern, wir sind alle Menschen und emotional. Einmal ist keinmal, aber wenn bei uns jemand öfter schlecht auffällt, kann er sich einen neuen Verein suchen. Man schadet damit Kind und Verein.“

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