Weber: „Kurpark für Wild guter Rückzugsort“. Bezirksjägermeister und Biologen zur Lage der Wildtiere im Bezirk Baden.

Von Sonja Pohl. Erstellt am 19. Februar 2019 (05:04)
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Auch Gemsen sind im Helenental anzutreffen, sogar in Baden bei der Ruine Rauhenstein werden sie manchmal beobachtet.

Die steigenden Bevölkerungszahlen wirken sich auf die Natur aus: „Zum einen wird der Lebensraum der Wildtiere durch das Zunehmen der Verbauung durch Siedlungen und Straßen immer enger, zum anderen wirkt sich der Umgang mit Ressourcen aus, wobei klimatisch bedingte Veränderungen ihre Auswirkungen auf die Arten zeigen“, sind sich Bezirksjägermeister Johann Graf, Stadtgartendirektor Gerhard Weber und dessen Tochter Katharina als Wildtierbiologin einig.

Der erfahrene Bezirksjägermeister – Graf ist seit 48 Jahren in der Jägerei aktiv— beobachtet aber auch einen Wandel in der Artenvielfalt. „Während beim Niederwild, also bei Hasen, Fasane und etwa Rebhühner deutlich weniger Wildtiere in den Revieren gezählt werden, nimmt die Anzahl an Greifvögel zu, die seit einigen Jahren unter Schutz gestellt wurde. Ähnlich verhält es sich auch beim Biber, was wiederum unliebsame Schäden zur Folge hat“, weiß Graf auch, dass es stets um die Abwägung der Interessen geht. „Rehe gewöhnen sich beispielsweise an den engeren Lebensraum, dennoch ist es für sie lebensbedrohend, wenn sie in ihrer Winterruhe, etwa durch streunende Hunde aufgescheucht werden“.

In dasselbe Horn stoßen auch Gerhard und Katharina Weber: „Der Kurpark ist ein guter Rückzugsraum für unsere Wildtiere in der Stadt. Das ist der Grund, warum wir keinen besenreinen Park anlegen, sondern, ganz im Gegenteil bewusst Waldzonen erhalten, in denen es auch mal umgestürzte Bäume geben darf. Denn sowohl Pflanzen als auch Tiere brauchen diese Bedingungen, um sich entwickeln zu können“, erklären sie. Vor einigen Jahren wurden Wildschweine gar bis zum Lanner & Strauß-Denkmal beobachtet, Füchse machten sich in den Alleen an den Mistkübeln als Nahrungsquellen zu schaffen.

 Appell der Experten: Hunde bitte an die Leine!

 Gerade im Winter sind Wildtiere aber auf Sparflamme geschaltet – „Hunde an die Leine“, lautet daher der Appell. Ökologische und naturnahe Pflege der städtischen Grünräume sei laut Katharina Weber aus noch einem Grund wesentlich. „Denn sie sind auch für unsere Insekten wichtig, die Futterquelle unserer Jungvögel sind, deren Aufzucht ausschließlich mit Insekten passiert.“ Dass es hier einen Rückgang gibt, liegt für die Webers auf der Hand und ist leicht nachvollziehbar. „Während vor 20 Jahren Autofahrer in der Dämmerung jede Menge Insekten an der Windschutzscheibe kleben hatten, ist dies heute kaum mehr der Fall.“

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