Bezirk Baden: Ernte wird heuer schwierig. Während ein Teil des Feldes schon erntefähig ist, ist der andere Teil noch unreif.

Von Judith Jandrinitsch und David Steiner. Erstellt am 01. Juli 2020 (05:45)
Fritz Gratzer in einem seiner Winterweizen-Felder. Ganz klar der Farbunterschied: zartgrün das nachreifende Getreide im Vordergrund, dahinter bereits das erntereife sattgelbe Getreide.
JJ

Fritz Gratzers Winterweizen ist an manchen Stellen grün, an manchen goldgelb. Das Steinfeld, zu dem auch die Gemeinde Deutsch-Brodersdorf gehört, hat Böden, die in langen Trockenphasen bewässert werden können.

Doch nicht überall hat das der Landwirt rechtzeitig geschafft, das Ergebnis ist selbst für einen Laien sichtbar: „Auf schlechten, trockenen Böden hat die Frucht nach dem Regen jetzt noch einmal neu angetrieben. An anderen Stellen ist der Weizen bereits reif. Das heißt für mich, dass ich nicht ernten kann, weil der Mähdrescher unterscheidet ja nicht zwischen reifem und noch nicht reifem Getreide. Wenn ich warte, dass das grüne Getreide nachreift, dann ist der jetzt bereits reife Winterweizen kaputt. Das Ganze ist eine Katastrophe“, sagt Gratzer.

Schuld an der Situation hat das viel zu trockene Frühjahr und die mangelnde Winterfeuchte. „Im Oktober/November 2019 hatten wir den letzten Regen, im Winter selbst lag lediglich zwei Tage lang Schnee. Normalerweise sollte der Boden durch die Winterfeuchte nass werden, bei Minustemperaturen friert die Erde auf, die Schrollen zerreißt es und die Erde wird locker, das ist vergangenen Winter alles nicht passiert“, erzählt der passionierte Landwirt. Der Regen der letzten Wochen sei gut für die Kornreifung, „der Schaden, der im Frühjahr entstanden ist, kann jetzt nicht mehr gut gemacht werden“, sagt Gratzer.

Die gelb-grünen Stellen in Kulturen wie Winterweizen kennt auch Bezirksbäuerin Regine Fischer aus Tribuswinkel, „viele Bäuerinnen und Bauern aus dem ganzen Bezirk haben mir von diesem Problem erzählt“, berichtet Fischer. Die Wetterextreme der vergangenen Jahren sind ihr noch gut in Erinnerung, „vor zwei Jahren durften Bauern für Insekten reservierte Blühflächen abmähen, weil es aufgrund der Trockenheit sonst kein Viehfutter mehr gegeben hätte. Der Klimawandel ist längst bei den Bauern angekommen, viele Landwirte sind innovativ und probieren den Anbau neuer Produkte aus, wie Hirse oder Elefantengras, Letzteres dient als Heizmaterial für Biogasanlagen“. Auch beim Anbau gab es Schwierigkeiten. Feldfrüchte wie Zuckerrüben mussten mancherorts zweimal angebaut werden, weil es im März so trocken war, dass die Saat nicht keimte. Bauern müssten sich vom Generalisten zum Spezialisten wandeln, um ihre Nische zu finden und dort zu punkten.

Neue Ideen hat Fischer auch selbst in der Coronakrise begonnen umzusetzen. Der Selbstbedienungskühlschrank vor ihrem Hofladen kommt bei den Kunden sehr gut an, „mit dem habe ich gar nicht gerechnet“, erzählt Fischer.

Stark betroffen von den ausbleibenden Niederschlägen im Frühjahr sind die Rinderhalter im Triestingtal.

Tierhalter stehen vor schwieriger Situation

Bezirksbauernkammerobmann Johann Krammel besichtigte mit Niederösterreichs Landwirtschaftskammervizepräsident Lorenz Mayer eine Wiese in Siegenfeld. Krammel stellt fest: „Es ist deutlich erkennbar, dass der Aufwuchs aufgrund der Frühjahrstrockenheit sehr schwach ist – die Tierhaltungsbetriebe sind ähnlich wie im Vorjahr auf Futtersuche und müssen Futter zukaufen.“ Hoffnung besteht noch für den zweiten Schnitt: „Die Niederschläge Ende Mai sollten ein deutlich besseres Ergebnis ermöglichen“, sagt Krammel. Gut sieht im Moment der Wein aus, er hat vom Regen profitiert, ruhiges Sommerwetter wäre jetzt wünschenswert. „Heuer kommt eine gute Ernte auf uns zu. Es gab kaum Spätfrost und genug Niederschlag“ erklärt Andreas Ramberger, Obmann des Weinbauvereins Baden.

Ein derart „normales“ Jahr sei man gar nicht mehr gewöhnt. Im Vorjahr sei der Juni wesentlich heißer gewesen. Damit sei die Weinlese in den August gefallen. Dass die Freizeitgesellschaft vermehrt durch Wiesen, Äcker und Weingärten wie selbstverständlich spaziert oder mit dem Rad fährt, hat Ramberger auf eine neue Idee gebracht. „Wir überlegen uns, einen ‚Hiata‘, also einen Bewacher für die Weingärten einzusetzen. Der ‚Hiata‘ hat den Status eines Hilfspolizisten. Er trägt Marke und Ausweis bei sich und kann auch Amtshandlungen durchführen“, erklärt Ramberger, dem im vergangenen Jahr säckeweise junge Weinblätter gestohlen worden sind. Nach seiner Hochrechnung waren es bis zu 40.000 Stück. Für den Verzehr seien diese aber nicht geeignet, denn die Pflanzen „sind mit Pflanzenschutzmitteln gespritzt“, berichtet Ramberger.

Umfrage beendet

  • Beeinflusst der Klimawandel, wie ihr euren Garten pflegt oder welche Pflanzen ihr zu Hause anbaut?