Baden

Erstellt am 27. Mai 2018, 00:03

von Sandra Sagmeister

Dorothy Khadem-Missagh: Musik ist wie Atmen. Die Pianistin Dorothy Khadem-Missagh (25) kommt aus einer bekannten Musikerfamilie und ist ein Ausnahmetalent.

Dorothy Khadem-Missagh spielt seit ihrem 3. Lebensjahr Klavier.  |  NOEN, Theresa Pewal

Mit 3 Jahren hat sie ihren ersten Klavierunterricht bekommen, mit 5 Jahren die Aufnahmeprüfung auf die Musikuniversität geschafft und diese Woche spielte sie Beethovens Fünfte mit der Beethoven Philharmonie (Sinfonietta Baden).

NÖN: Wie finden Sie es, dass sich die Sinfonietta Baden in Beethoven Symphonie umbenannt hat? Kehrt es Badens musikalische Internationalität mehr heraus?

Dorothy Khadem-Missagh: Ja, Baden bekommt so einen höheren Stellenwert als Beethoven-Stadt. Ich freue mich sehr, mit der Beethoven Philharmonie arbeiten und Beethovens Fünfte in Baden spielen zu können.

Sie haben schon mehrmals mit der Beethoven Philharmonie zusammengearbeitet, wie ist es, wenn man gemeinsam probt?

Khadem-Missagh: Einige Musiker sind einem noch bekannt, aber ein Orchester ist ja in sich ein wandelndes Gefüge, wie ein Organismus, und so trifft man auch immer wieder auf neue Musiker.

Wie oft probt man und wie nähert man sich gemeinsam an?

Khadem-Missagh: Man trifft sich auf einem hohen Niveau und die Zusammenarbeit zwischen Orchester, Dirigenten und Solisten ist eine ganz besondere Situation. Für mich ist es Kammermusik in großem Rahmen, Proben sind Verständigungsproben.

Wie findet man diese gemeinsame Verständigung?

Khadem-Missagh: Bei den Proben verständigt man sich darüber, wie man etwas gemeinsam interpretieren möchte, aber Proben dienen auch dazu, dass man zu einem noch höheren Ergebnis kommt, dass man im Konzert gut miteinander kommunizieren kann. Weil, wenn Orchester, Dirigent und Solist gut zusammenspielen, dann kann im Konzert etwas ganz Neues entstehen, das ist das Wunderbare am gemeinsamen Musizieren.

Können Sie das beschreiben, was das Neue ist?

Khadem-Missagh: Das sind Feinheiten, wo auch das Publikum eine ganz wesentliche Rolle spielt, wenn man merkt, dass die Spannung auch vom Publikum mitgetragen wird, mitgeatmet und mitgefühlt wird, dann entwickelt sich etwas Anderes, etwas Neues. Ein Konzert ist für mich eine Kommunikation zwischen dem Werk des Meisters, den Ausübenden, die auch ihre Gefühle in die Musik hineinbringen und dem Publikum, wo auch Gefühle entstehen. Ein Konzert ein Dialog mit Wechselwirkung.

Kann es passieren, dass sich ein Konzert in eine ganz andere Richtung entwickelt?

Khadem-Missagh: Eigentlich nicht. Proben sind ein gemeinsames kennen lernen, herantasten, atmen, den gemeinsamen Rhythmus empfinden. Jede Musik hat einen eigenen Rhythmus, das ist wie der Herzschlag, der die Musik zum Leben erweckt. Und wenn wir alle gemeinsam diesen Pulsschlag empfinden, kann man diesen Pulsschlag auf das Publikum übertragen und das Publikum empfindet das dann auch.

Bei Atmung denkt der Laie eher an das Singen, aber nicht an Klavier spielen. Wie meinen Sie das?

Khadem-Missagh: Die Atmung ist für jeden Musiker wichtig, atmen muss auch der Zuhörer. Es ist wichtig, die Musik durchdringen zu lassen, und dafür muss man atmen, bis zum Herzen und bis zur Seele.

Der Titel des Konzerts „Musik als Bekenntnis“ mit der Beethoven Philharmonie versinnbildlicht die These der Atmung?

Khadem-Missagh: Musik ist ein Bekenntnis, ein beseelt werden, ein Prozess des Erkennens, was dahinter liegt. Und mit Beethovens Fünfter kann man etwas ganz Phänomenales erkennen.

Sie kommen aus einer sehr bekannten Musikerfamilie, sind die Jüngste von insgesamt drei Geschwistern. Ihr Vater und ihre beiden Geschwister spielen Geige, Sie haben sich für Klavier entschieden. Wie haben Sie ihren eigenen musikalischen Weg gefunden?

Khadem-Missagh: Musik war für mich immer vorhanden, schon vor der Geburt, meine Mutter hat in der Schwangerschaft oft gesungen. Die Liebe und die Freude zur Musik war immer da. Es gab bei uns zu Hause immer auch kleine Instrumente für Kinder, und mit denen habe ich sehr früh zu experimentieren begonnen. Aber beim Klavier habe ich mich dann richtig wohlgefühlt.

Sie haben mit 3 Jahren zum Klavier spielen begonnen, wer war Ihre erste Lehrerin?

Khadem-Missagh: Margit Fussi war meine erste Lehrerin und sie war zu Beginn ein bisschen zögerlich, dass ich so früh mit dem Klavier spielen begann, meine Finger waren noch so klein und hatten keine Kraft. Aber ich habe meinen Willen durchgesetzt und Margit Fussi hatte sehr viel Geduld mit mir und mir die Freude und die Liebe zur Musik nie verdorben.