Zweigleisiger Ausbau der Pottendorfer Linie gestartet. Der zweigleisige Ausbau der Pottendorfer Linie im Abschnitt Münchendorf – Wampersdorf mit dem Herzstück „Bahnhof Ebreichsdorf neu“ hat begonnen

Von Redaktion noen.at. Erstellt am 05. Juni 2020 (11:52)

Die Bevölkerung darf sich über den Entfall aller Eisenbahnkreuzungen im Abschnitt freuen. Über- und Unterführung sorgen für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Für die Ausbaumaßnahmen im Wiener Bereich, wo noch ein circa 700 Meter langer eingleisiger Abschnitt auszubauen ist, starten die Arbeiten Ende 2021. Im Jahr 2023, mit Ende des zweigleisigen Ausbaus der Pottendorfer Linie, wird die viergleisige Südstrecke zwischen Wien und Wr. Neustadt Realität. Die Projektkosten für den Gesamtausbau der Pottendorfer Linie belaufen sich auf rund 690 Millionen Euro.

Seit 2016 liefen die Hauptarbeiten im Abschnitt Hennersdorf – Münchendorf. Zum bestehenden Gleis wurde ein zweites hinzugelegt. In November 2019 waren die Arbeiten rund um die drei neuen Bahnhöfe Hennersdorf, Achau und Münchendorf abgeschlossen. Die Vorarbeiten für den aktuellen Bauabschnitt Münchendorf – Wampersdorf starteten bereits im August 2019.

Seit März 2020 laufen Arbeiten in Ebreichsdorf, wo der zentrale Knotenpunkt des Projektabschnitts, der neue Bahnhof Ebreichsdorf, entsteht. Während zwischen Hennersdorf und Münchendorf zum bestehenden Gleis ein zweites hinzugelegt wurde, entsteht im Abschnitt rund um Ebreichsdorf eine völlig neue Trasse. Der Bahnhof wandert vom Ortszentrum Ebreichsdorf hin zum Stadtentwicklungsgebiet zwischen Ebreichsdorf und Unterwaltersdorf – direkt an die L150. Auch der Bahnhof Wampersdorf wird in zukunftsweisendem Design neu errichtet.

Mehr Kapazität auf die Schiene

Das zweite Gleis bringt mehr Kapazität auf die Schiene. Es können mehr Züge in dichteren Intervallen geführt werden und Überholen sowie Begegnen wird auch in den zweigleisigen Abschnitten außerhalb der Bahnhöfe möglich. Bisher konnten Züge nur in den Bahnhöfen kreuzen, wo sich mehrere Gleise befinden. Die Trasse ist so optimiert, dass teilweise Höchstgeschwindigkeiten bis zu 200 km/h möglich sind. Dies ist vor allem für Fernverkehrszüge wie den Railjet relevant.

Mehr Sicherheit für Straße & Schiene

Alle Eisenbahnkreuzungen auf der Pottendorfer Linie werden durch Ersatz mittels Unter- oder Überführungen bis 2023 aufgelassen. Das bedeutet kein Warten an geschlossenen Schranken mehr und dadurch ein rascheres und sichereres Vorankommen für alle VerkehrsteilnehmerInnen – sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene.

Entlastung für Straße & Umwelt

Ähnlich wie beim Ausbau der Weststrecke zwischen Wien und St. Pölten ist auf der Südstrecke durch eine viergleisige Verbindung zwischen der Bundeshauptstadt und dem bevölkerungsreichen Südosten Niederösterreichs eine massive Steigerung der Fahrgastzahlen zu erwarten. Um der Nachfrage nachzukommen und im Sinne des Klimaschutzes für umweltfreundliche Mobilität zwischen den großen Ballungsräumen zu sorgen, sind Projekte wie der Ausbau der Pottendorfer Linie essentiell. So entlastet dieses Ausbauvorhaben beispielsweise die Autobahnen A2 und A3 zwischen Wr. Neustadt bzw. Eisenstadt und Wien und schont dadurch gleichzeitig die Umwelt. Der Umstieg auf die Bahn wird durch kürzere Fahrzeiten attraktiviert.

Fahrgastnutzen im Vordergrund

Der Ausbau konzentriert sich auf die Verkehrsströme aus dem Süden zwischen Wien Meidling und Wiener Neustadt. Aus dieser Richtung kommen derzeit rund 40 Prozent aller Menschen, die aus dem Umland nach Wien pendeln. Und das Potenzial steigt zunehmend: Von allen Pendlerinnen und Pendlern, die täglich aus dem Süden nach Wien einfahren, nutzen nur 20 Prozent die Öffentlichen Verkehrsmittel. Daher schaffen die ÖBB im Süden von Wien mit dem Ausbau der Pottendorfer Linie mehr Kapazitäten für die Zukunft. Der Erfolg zeigt sich auf der Weststrecke, wo durch die Viergleisigkeit bereits 40 Prozent der Pendlerinnen und Pendler mit dem Zug zwischen St. Pölten und Wien unterwegs sind.

Nachhaltiges Bauen

Im Zuge der Ausbaumaßnahmen rund um Ebreichsdorf wurden und werden noch zahlreiche Maßnahmen zum Schutz der Umwelt getroffen. Viele davon zielen auf den Gewässerschutz ab. Die Fischa ist neben der Piesting und dem Kalten Gang eines der fischökologisch interessantesten und fischereiwirtschaftlich wichtigsten Gewässer im Projektgebiet der Pottendorfer Linie. Sie weist einen besonders guten Bestand an Forellen auf und ist daher bei Fischern besonders beliebt. Deshalb wird dem Gewässerschutz bei Bauarbeiten rund um diese Flüsse besondere Bedeutung geschenkt. Dies reicht vom Betrieb von Gewässerschutzanlagen bis zur zeitlichen Abstimmung von Bauarbeiten mit Rücksichtnahme auf die Laichzeit vorkommender Fischarten.

Auch wird danach getrachtet, den Baustellenverkehr so abzuwickeln, dass Siedlungsgebiete aber auch wertvolle Naturschutz-Räume, wie das Europaschutzgebiet „Feuchte Ebene Leithaauen“ vor Lärm und Staub durch den LKW-Verkehr geschützt werden.

Berücksichtigung von Flora & Fauna

 Des Weiteren werden Rodungsarbeiten während der Herbst/Wintermonate durchgeführt, um vor allem Brutvögel zu schützen. Diese nutzen Baumhöhlen als Zwischenquartiere während der warmen Jahreszeit. Zu jenen Tierarten zählen z.B. heimische Spechtarten. So kommt der Mittelspecht im Raum Ebreichsdorf im Vogelschutzgebiet an Waldstücken vor, die in geringer Entfernung zur künftigen Trasse der Pottendorfer Linie liegen.

Baumaßnahmen Münchendorf – Wampersdorf im Detail:

Bahnhof Ebreichsdorf:

  • Errichtung des Bahnhofs Ebreichsdorf in neuer Lage zwischen Ebreichsdorf und Unterwaltersdorf an der L150
  • Barrierefreie Gestaltung des gesamten Bahnhofsareals (zwei Lifte zu zwei Inselbahnsteigen, Blindenleitsystem)
  • Geschlossene, verglaste Wartebereiche auf Bahnsteigen
  • Kundeninformationssysteme in Echtzeit
  • Überdachter Busterminal
  • Park&Ride-Anlage für rund 450 PKW
  • Bike&Ride-Anlage für rund 150 Fahrräder
  • Barrierefreie WC-Anlage

Rund um Ebreichsdorf:

  • Errichtung der Eisenbahnstrecke in neuer Lage (Umfahrung Ebreichsdorf) und Auflassung der alten Strecke
  • Bau einer Eisenbahn- und Straßenbrücke über die Fischa (Straßenbrücke verbindet B60 und L150 – direkte Zufahrt von der B60 zum Bahnhof)
  • Bau der Unterführung B60 nahe dem Sportzentrum
  • Errichtung von Eisenbahnbrücken über den Hafnerbach und den Kalten Gang
  • Errichtung einer Wirtschaftswegüberführung
  • Errichtung einer Straßenüberführung der L156 (Gemeindegebiet Trumau)

Bahnhof Wampersdorf & Umgebung:

  • Neuerrichtung durchgehende Personen- und Radwegunterführung, um auf die neuen Bahnsteige zu gelangen
  • Neuerrichtung zweier Inselbahnsteige inkl. barrierefreier Gestaltung durch zwei Lifte und Blindenleitsystem
  • verglaste Wartebereiche auf Bahnsteigen
  • Kundeninformationssysteme in Echtzeit
  • Park&Ride-Anlage für rund 70 PKW
  • Bike&Ride-Anlage für rund 60 Fahrräder
  • Errichtung der Überführung B16 im Bereich des Bahnhofs Wampersdorf