Baden trauert um Wolfgang Glüxam. Der aus Baden stammende Cembalist ist am Mittwoch nach schwerer Krankheit verstorben.

Von Andreas Fussi. Erstellt am 06. August 2020 (05:33)
Wolfgang Glüxam
. Brigitte Salinger-Glüxam

Der Badener Cembalist, Organist und Pädagoge Wolfgang Glüxam ist am 29. Juli verstorben. Der geschätzte Experte für historische Aufführungspraxis hat bis zuletzt an der „Universität für Musik“ in Wien unterrichtet.

1958 in Melk geboren, studierte Glüxam Orgel-Konzertfach bei Alfred Mitterhofer an der Hochschule für Musik in Wien sowie Cembalo bei Ton Koopman am Sweelinck-Konservatorium in Amsterdam. 1979 und 1980 war er Preisträger bei den internationalen Wettbewerben in Brugge/Belgien und Nijmegen/Holland. Ab 1985 lehrte er Cembalo an der Universität für Musik in Wien.

Seine Konzerttätigkeit führte ihn als Solist und mit seinen musikalischen Partnern (unter anderem Patrick Ayrton, Erich Höbarth, Hiro Kurosaki, Pierre Pitzl, Helge Stiegler) durch mehrere europäische Länder, Südamerika und Japan. Auch in den Aufnahmestudios hat er seine Spuren hinterlassen. Etwa 2001 bei einer ORF Produktion mit den Goldbergvariationen von Johann Sebastian Bach. Zudem spielte er im Film Before Sunrise von 1995 einen Cembalospieler.

Am Mittwoch ist Glüxam nach langer schwerer Krankheit verstorben. In Baden löste die traurige Nachricht große Anteilnahme aus. „Sein Wesen, seinen demütigen Ernst konnte er für alle, die Ohren haben zu hören, in seinem genialen Musizieren ausdrücken“, schrieb etwa sein Bruder Christian Glüxam auf Facebook. „Die leisen Klänge des Cembalos und die subtilen Möglichkeiten von Artikulation und Phrasierung wurden sein adäquates Ausdrucksmittel. Musikalisch ist er weiter präsent durch seine Aufnahmen, als exzellenter Musiker und liebenswerter Mensch bleibt er in unserer Erinnerung“, schreibt Christian Wiesmann vom Badener Kammerchor, den Glüxam einige Male an der Orgel begleitet hat. Als junger Badener Organist war er beim Orgelneubau in der Pfarrkirche St. Stephan laut Wiesmann ein wichtiger Ansprechpartner.

Auch die Internationalen Barocktage Stift Melk trauern um Wolfgang Glüxam. Er prägte das Barockfestival über mehrere Jahrzehnte mit – als Solist am Cembalo, als kongenialer Partner von Hiro Kurosaki, als Juror beim Schmelzer-Wettbewerb und Wegweiser für junge Talente. „Wir trauern um einen faszinierenden Musiker und einen großartigen Menschen, der auch im Musizieren seine klaren humanistischen Standpunkte lebte“, heißt es in einer Stellungnahme.