Mit Kokos & Schokocremè. Das Stadtmuseum in Möllersdorf arbeitet an Ausstellung für 2022 über berühmte Firmen im Stadtgebiet. Eine davon ist die Firma Johann Blaschke.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 09. April 2021 (04:23)
Dieses Plastiksackerl ist historisch – ein Origina-Blaschke-Sackerl. Tabea Söregi (l.) und Karin Weber-Rektorik (r.) überlegen jetzt intensiv, wie dieses Sackerl für die Nachwelt erhalten werden kann.
Jandrinitsch

Wer aufmerksam eine Packung „Original Blaschke Kokoskuppel“ in der Hand hält, kann auf der Rückseite lesen: „Von Konditormeister Johann Blaschke in Traiskirchen bei Wien erfunden. Seit damals wird sie nach dem Originalrezept hergestellt.“

Doch wer weiß außer den alteingesessenen Traiskirchnern noch, dass die Blaschke-Kokoskuppel bis zum Jahr 2018 in Traiskirchen produziert wurde? Und zwar in einem Produktionsstandort in der Tribuswinkler Straße, dessen Gebäude erst vor Kurzem abgerissen wurde? Diesen und anderen berühmten Traiskirchner Unternehmen sowie ihrer Geschichte spüren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Museums unter der Leitung von Museumsdirektorin Karin Weber-Rektorik nach.

Denn für das Jahr 2022 ist eine große Ausstellung im Museum geplant, in deren Mittelpunkt Betriebe Traiskirchens stehen, die einst Industriegeschichte schrieben, wie etwa die Vereinigte Färberei Möllersdorf, die Schokoladenfabrik DeJoung in Tribuswinkel, die Österreichische Linoleum und Wachstucherzeugung, kurz ÖLW genannt, MT Motorräder, die Mully-Fabrik in Möllersdorf sowie IMCO-Feuerzeuge. Um die Firmengeschichte der Blascke-Kokoskuppeln hat sich Mitarbeiterin Tabea Söregi besonders angenommen.

Im Moment ist sie noch dabei, die Quellen zu prüfen, „da sich in verschiedenen Unterlagen sehr unterschiedliche Jahreszahlen und Zeitangaben finden“, erklärt Söregi. Die Legende besagt, dass eine Vertreterin 1921 in die Konditorei Blascke in Traiskirchen kam – heute befindet sich an diesem Standort das Raumausstattungsgeschäft Gaster – und eine der Kokosmakronen in Schokolade getunkt haben wollte.
Da die Tunkmasse nicht haftete, setzte Konditormeister Johann Blaschke die Kokosmasse auf eine Oblate, was dem Tunkvorgang sehr entgegenkam. Zwischen Oblate und Kokosmasse kam noch eine Cremeschicht aus Schokolade. Bald lässt Blaschke diese „Kokoskuppel“ rechtlich schützen und erweitert seinen Betrieb an drei Standorten, darunter in der Tribuswinkler Straße 18-20.

Die Geschichte des Unternehmens gestaltete sich wechselvoll, das endgültige Aus erlebte die Produktion in Traiskirchen im Jahr 2018.
Wertvoll sind auch die Informationen von Zeitzeuginnen, die das Firmenbild der süßen Kuppelerzeugung bis zum Ausstellungsbeginn im kommenden Jahr vervollständigen sollen.