Aufregung um 100 gerodete Bäume. Mehr als 100 gefällte Bäume im „Nussgarten“ echauffieren Bürger und Stadtpolitik. Stadtchef verspricht: „Keine Umwidmung!“

Von Thomas Lenger. Erstellt am 28. Juli 2021 (05:48)
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Die gerodeten Nussbäume in Unterwaltersdorf veranlassten viele Bürger, sich entsetzt auf der Stadtgemeinde zu beschweren.
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Große Aufregung herrscht in Unterwaltersdorf: Im „Nussgarten“ (links neben der B60 gleich nach der Ortseinfahrt von Unterwaltersdorf aus Weigelsdorf kommend) wurden auf einem Privatgrundstück mehr als hundert alte Nussbäume gerodet.

„Bei mir haben sich dutzende besorgte Bürger gemeldet und sind entsetzt über diesen massiven Eingriff in die Natur“, sagt die Grüne Umweltstadträtin Maria Theresia Melchior bei einem Lokalaugenschein.

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Umweltstadträtin Maria Theresia Melchior und Vizebürgermeister Johann Zeilinger bei einem Lokalaugenschein vor dem Grundstück.
NOEN

„Viele befürchten, dass hier auch noch alles verbaut wird“, erzählt sie. Während des Lokalaugenscheins kommen mehrere Personen vorbei, darunter auch Vizebürgermeister Johann Zeilinger (SPÖ). „Ich habe sofort unsere Mitarbeiter im Rathaus beauftragt, sich die Sachlage anzusehen und zu überprüfen, sowie Rücksprache mit der Bezirkshauptmannschaft gehalten“, erläutert Zeilinger. Er ist auch noch selbst zum Garten gefahren, um sich ein Bild der Lage zu machen.

Besitzstörungsklage als schweres Geschütz

„Als ich mir ein Bild der Situation machen wollte, hat mich ein Arbeiter gefragt, was ich hier mache und als ich ihm gesagt habe, dass ich der Vizebürgermeister bin, wurde mir beim Betreten des Grundstückes mit einer Besitzstörungsklage gedroht“, erzählt Zeilinger, der sich während des Urlaubs von Bürgermeister Wolfgang Kocevar (SPÖ) um die Anliegen von Bürgern vor Ort kümmert.

„Bei mir läutet das Telefon ununterbrochen“, schildert Stadtchef Wolfgang Kocevar im Telefongespräch mit der NÖN die Situation. „Es haben sich viele Bürger bei mir gemeldet. Leider können wir in diesem Bereich nichts machen, da es sich um Grünland auf einem Privatgrundstück handelt“, sagt der Stadtchef.

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Drei Reihen an der B 60 sollen erhalten bleiben.
NOEN

Eigentümer des Grundstückes ist eine Stiftung, welcher auch das gegenüberliegende Schloss gehört, die aber das Grundstück weiterverpachtet hat. „Ich habe mit der Pächterin gesprochen, sie hat mir gesagt, dass man das Grundstück landwirtschaftlich nutzen und an einen Landwirt unterverpachten will“, weiß Kocevar. Gebaut soll auf dem Grundstück auf jeden Fall nichts werden. „Solange ich in Ebreichsdorf Bürgermeister bin, wird es sicher keine Umwidmung für den Nussgarten geben, das verspreche ich“, betont Kocevar.

In Wien wäre Rodung nicht rechtmäßig

„Leider gibt es im Landesgesetz in Niederösterreich eine große Lücke“, meint die Grüne Stadträtin Melchior. „In Wien wäre das gar nicht möglich, da müsste jeder gefällte Baum zuerst gemeldet, bewilligt und dann wiederaufgeforstet werden. Das ist in Niederösterreich leider anders. Da es sich um keinen Wald handelt, kann der private Eigentümer machen, was er will“, sagt Melchior, die sehr empört über die Rodung ist.

„Das ist nicht in Ordnung und ein massiver Eingriff in die Natur. Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Gemeinde versucht, das Grundstück zu erwerben, um es als Grünland zu erhalten.“ Auf das Versprechen des Bürgermeisters, dass es keine Umwidmung geben wird, will sie sich nicht verlassen.

Restliche Bäume sollen bleiben

Ein Großteil des „Nussgartens“ wurde bereits gerodet. Die vorderen drei Reihen an der B60 sollen jedoch bestehen bleiben, erzählt Kocevar nach dem Gespräch mit der Pächterin. Die NÖN konnte sie bis Redaktionsschluss nicht erreichen.