Nach Anzeigen gegen Rinderbörse: ARGE Rind kontert Krismer

Die von Badens Vizebürgermeisterin Helga Krismer bei der Staatsanwaltschaft Linz und Bezirkshauptmannschaft Bergheim bei Salzburg eingebrachten Anzeigen gegen die österreichische Rinderbörse schlagen hohe Wellen (die NÖN berichtete). Die Standpunkte sind höchst widersprüchlich: Der Geschäftsführer der ARGE Rind kann Krismers rechtliche Schritte nicht nachvollziehen.

Erstellt am 13. Oktober 2021 | 13:48
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Werner Habermann, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Rind sowie Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf, kann Helga Krismers Anzeige nicht nachvollziehen.
Foto: Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf

Mit den Vorwürfen der grünen Landtagsabgeordneten und Veterinärmedizinerin Helga Krismer konfrontiert reagiert der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Rind sowie Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf Werner Habermann mit Unverständnis.

Der Status quo: Krismer hat in der Vorwoche die österreichische Rinderbörse angezeigt, weil ein Drittel von insgesamt 120 Kälbern wegen zu langer Transportwege nach Baden verendet ist. Eine Tierärztin aus dem Bezirk Baden und ein Wissenschaftler hatten den Fall in einem Aufsatz ans Tageslicht gebracht und sich an die veterinärmedizinische „Kollegin“ in der Stadtpolitik gewandt. Und diese brachte den Stein ins Rollen.

Habermann kontert: „Alle Gesetze eingehalten“

Die Fakten: Die Kälber wurden laut Krismer und der zuständigen Tierärzte von der Oststeiermark über Umwege, statt direkt über den Semmering (eine Transportzeit von eineinhalb Stunden) über Bergheim bei Salzburg (fünf Stunden), einem bekannten Knoten- und Verladeplatz für Rinder, in den Bezirk Baden gebracht. Und diesem Tierleid auf Österreichs Straßen will die Grünen-Obfrau den Riegel vorschieben. Habermann stellt klar: „In dem Handelsstall in Bergheim werden die Kälber meines Wissens nach ausreichend mit Wasser und Nahrung versorgt. Sie haben dort auch Ruhepausen. Zudem ist ein Amtstierarzt ständig vor Ort. Die Gesetze werden strikt eingehalten.“ Dass die stundenlangen Verladezeiten in dem Salzburger Vorort ein Grund für das Verenden der Tiere gewesen seien, schließt er aus.

ARGE Rind will Rinder-Exporte nach Spanien einstellen

Vielmehr ortet Habermann Missstände in anderen Bereichen. Im Konkreten nennt er das Ziel, die Rinder-Exporte nach Spanien sowie die Importe von Billig-Fleisch aus Holland zu beenden. Dies sei zwar de facto vorerst noch eine Vision, aber durchaus realistisch. „In Österreich gibt es seit dem EU-Beitritt aus wirtschaftlichen Gründen zu wenig Mastbetriebe. Nur wenige konnten wirtschaftlich überleben. Deswegen werden Tiere über enorme Transportwege von bis zu 20 Stunden nach Spanien transportiert, wo sie großflächig gemästet werden. Wir wollen diesem Tierleid ein Ende setzen, indem wir die kleinen landwirtschaftlichen Strukturen in Österreich wieder aufbauen und stärken.“

In einem sind sich Krismer und Habermann einig: Beide wollen das Tierleid reduzieren, wenn auch mit anderen Ansätzen.