Region Baden bleibt vom Vereinssterben nicht verschont. Immer mehr Klubs verabschieden sich aus dem Ligabetrieb. Auch Badener Bezirk kämpft mit Problematik.

Von Alexander Wastl. Erstellt am 23. Juli 2019 (03:57)
Wastl
Schmerzhafter Abgang. Raphael Müller (r.) hielt Mitterndorf über viele Jahre die Treue, so auch in den letzten schwierigen Wochen. Diese Saison stellen die „Schwarz-Weißen“ keine Kampfmannschaft mehr. Müller spielt nun für den ASV Neufeld.

Dem NÖ-Fußballverband gehen die Vereine aus. Seit Jahren geht die Zahl der Fußballklubs im Ligabetrieb zurück – auch die Region blieb vom „Vereinssterben“ nicht verschont.

NÖN
- Seit 1911 gibt‘s organisierten Fußball in Niederösterreich unter dem Dach des NÖ-Verbandes. Aktuell sind 503 Vereine Mitglieder des NÖFV.
- Der Höchststand datiert aus dem Jahr 2000, als rund 60.000 Kicker in 523 Klubs am Ball waren. Zur Zeit sind es rund 57.000 aktive Fußballer bei den blau-gelben Klubs.
- Rückgang bei den Frauen: Waren 2015 noch 78 weibliche Teams im Meisterschaftsbetrieb, sind‘s heuer nur mehr 63.

Mitterndorf zog seine Kampfmannschaft nach der letzten Saison zurück, wird bis auf Weiteres nicht in der 2. Klasse Ost-Mitte antreten. Vor vier Jahren gab es mit den Altenmarkter Herren in der 2. Klasse Triestingtal ein weiteres „Opfer“. Der Blick über die Bezirksgrenze hinaus zeigt ein ähnlich tristes Bild: Hinterbrühl verabschiedete sich Mitte der abgelaufenen Saison aus dem 2.-Klasse-Ost-Mitte-Bewerb, im Jahr 2015 entschied sich der damalige SC Mödling (nunmehr VfB) für einen Rückzug der Kampfmannschaft – nach einjähriger Pause kehrte man aber immerhin wieder zurück.

Auch bei Hinterbrühl arbeitet man aber an einem „Comeback“, wie Obmann Christian Moser berichtet: „Wir arbeiten seit Jänner intensiv mit dem FC Gießhübl (spielt in Wiener DSG-Liga Anm.) zusammen, wollen die nächste Saison gemeinsam bestreiten.“ Als Hauptgrund für die prekäre Lage vieler Vereine nennt Moser wenig überraschend das Geld: „Im Amateurbereich wird das Geld quasi beim Fenster rausgeschmissen. Dies ist jedes Jahr bei einem anderen Verein zu sehen. Es werden Spieler um viel Geld geholt, um sich Titel zu kaufen. Irgendwann ist das Geld aus und es geht bergab.“

Auch fehlende Förderungen kritisiert Moser: „Der Amateurbereich wird vom Staat kaum gefördert. Außerdem ist das Budget des Sportministeriums sehr gering. Somit ist der Breitensport komplett auf sich allein gestellt. Um neben dem Job eine ehrenamtliche Vereinsfunktion zu übernehmen, geht sich für die meisten nicht aus.“

Mitterndorf-Obmann Oliver Hietz ortet aber noch ein anderes, großes Problem: „Der Hauptgrund für den Vereinsrückgang ist der, für mich, sportlich wertlose Reservebetrieb. Die Jugendmannschaften werden einfach zu früh ausgemustert, man gibt der Jugend keine Chance ihre Ausbildung abzuschließen. Deswegen hören viele Spieler nach ein paar Partien in der Reserve auf und dann geht sich das alles hinten und vorne nicht mehr aus. Es ist ein Teufelskreis.“ Hietz fordert: „Es ist an der Zeit, dass der Verband den Reservebetrieb überdenkt und eher die U17 und U18 forciert.“

„Der Hauptgrund für den Vereinsrückgang ist der, für mich, sportlich wertlose Reservebetrieb.“ Mitterndorf-Obmann Oliver Hietz.

Zu kämpfen haben viele Vereine auch mit der Eigenbau-Spielerregelung (Acht Spieler mit Eigenbau-Status pro Spiel im Kader). In der 2. Klasse Triestingtal sind mit dem ASV Baden und Klausen-Leopoldsdorf zwei Vereine von dieser Regelung befreit – dafür darf man aber auch nicht aufsteigen.

Klausen’ Sektionsleiter Gottlieb Schöndorfer gibt Einblicke in die Leiden seines Vereins: „Mit dieser Regelung geht es als kleiner Verein Jahr für Jahr ums nackte Überleben. Die besseren Jugendspieler folgen dem Geld zu einem anderen Verein, wir können uns im Gegenzug keine Eigenbauspieler kaufen.“

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