Region Bruck: Breitspurbahn dürfte Geschichte sein

Erstellt am 13. Mai 2022 | 09:12
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Foto: ÖBB/David Payr
Die ÖBB wollen aus der Planungsgesellschaft aussteigen. Werden die Anteile nicht übernommen, soll die Gesellschaft liquidiert werden. Jubel in der Region.

Die ÖBB dürften den Plänen für die Verlängerung der Breitspurbahn bis in die Brucker Region nun ein endgültiges Ende setzen. Die Bundesbahnen wollen laut einem "Presse"-Bericht nämlich aus der Projektgesellschaft aussteigen. Wird ihr Anteil nicht übernommen, löst sich die Planungsgesellschaft auf.

Das Projekt hat im Brucker Bezirk viel Staub aufgewirbelt und jede Menge Gegner auf den Plan gerufen. Schließlich war geplant, einen riesigen Güterterminal hier zu errichten. Es wurden massive Belastungen befürchtet, vor allem durch den Weitertransport der Güter per Lkw. 

Neben den ÖBB sind an der Projektgesellschaft auch die Staatsbahnen der Slowakei, der Ukraine und die russische Post beteiligt. Sie hätten gemäß Gesellschaftsvertrag vier Wochen Zeit, die Anteile der ÖBB zu übernehmen.  Wenn das nicht geschieht, wovon man bei den ÖBB laut Tageszeitung "Die Presse" ausgehe, soll die Planungsgesellschaft bis Ende des Jahres liquidiert werden. 

Schon zuvor hatte Klimaschutzministerin Leonore Gewessler nach der "Strategischen Prüfung Verkehr" bekannt gegeben, dass das Projekt auf österreichischer Seite solange nicht weiterverfolgt werde, solange es auf slowakischer Seite keinen Projektfortschritt gibt, was in absehbarer Zeit nicht der Fall sei.

Krieg in Ukraine hat Lage wesentlich verändert

Im Bezirk reagiert man auf die Nachricht mit Jubel.  „Damit ist der Ausbau der Breitspurbahn in Österreich Geschichte“, sagt Fritz Radlspäck, gemeinsam mit Wolfgang Daniel Sprecher der „Bürgerinitiative gegen die Breitspurbahn“. Radlspäck betont: „Wir haben uns überparteilich seit Jahren gegen den Ausbau der Breitspurbahn in Österreich und in unserer Region gestemmt. Vor allem die Bezirke Neusiedl am See und Bruck an der Leitha wären massiv betroffen gewesen."

Freilich hat sich zuletzt vor allem durch den Krieg in der Ukraine die Lage wesentlich verändert. Darauf weist auch Radlspäck hin: "Nicht nur der Krieg zwischen Russland und der Ukraine macht jetzt eine Partnerschaft unmöglich, sondern auch der von uns immer proklamierte Aspekt der militärischen Nutzung. Dafür wurden wir fast ausgelacht. Dass die Zeiten sich aber so schnell ändern und Russland mit dem Bahn-Transport von Panzern und anderem schweren Gerät in die Ukraine gerade zeigt, wie recht wir hatten, davon war 2019 für manche noch nicht auszugehen."

Auf politischer Ebene zeigt sich besonders die SPÖ, die mit Vehemenz gegen das Projekt aufgetreten war, nun hocherfreut. Gerhard Weil, SP-Bürgermeister der Bezirkshauptstadt Bruck, betont: „Es hätte einen sehr großen Teil unserer Fläche verbaut, so es in die Ostregion gekommen wäre.“ Er sei von Beginn an gegen das Projekt gewesen, da es "ein großer Logistikhub ohne nachhaltige Arbeitsplätze für die Stadt geworden wäre".