Eine „Rüge“ für ungestüme Eltern am Fußballplatz. Der NÖ-Fußballverband appelliert an die Vernunft der Fans und setzt sich für mehr Fairness auf den Zuschauerrängen ein.

Von Alexander Wastl und Raimund Novak. Erstellt am 13. März 2019 (04:26)
Raimund Novak
Großer Zuspruch. Der langjährige Unparteiische Mario Wind begrüßt die Initiative des NÖFV.

Tobende Mütter, schimpfende Großväter, drohende Väter – die Umgangsformen auf den Fußballplätzen bei Nachwuchsspielen sind oft unschön und keinesfalls kindgerecht. Der NÖ Fußballverband hat das Problem erkannt und will mit einer Plakatkampagne gegensteuern. Kernbotschaft: Erwachsenen Sporplatzbesuchern soll ihre Vorbildfunktion bewusst gemacht werden.

Das scheint bitter nötig, denn dass es in diesem Bereich Probleme gibt, darüber ist man sich unter den Beteiligten im Großen und Ganzen einig. Neo-LAZ-Industrieviertel-Standortleiter Philipp Pürzl berichtet: „Problematisch ist in erster Linie der Wettbewerbsgedanke in jungen Jahren. Leider wird zu oft von Eltern künstlich Druck aufgebaut und von außen negativ eingewirkt.“

Allerdings seien für Pürzl nicht nur die Eltern zu ehrgeizig, auch die Trainer wollen oft des Guten zuviel für ihre Schützlinge: „Da werden durch zu energisches Coaching die Spieler ihrer Entscheidung beraubt. Schlussendlich wird nach jeder Aktion zum Trainer geschaut, ob es ‚eh gepasst‘ hat. Man muss Kindern die Entscheidungsfreiheit lassen, sowie ihnen Fehler zugestehen. Nur so kann Kreativität und Spielfreude entwickelt werden.“

Auch bei den Klubs ist man sich im Klaren, dass gewisse Entwicklungen in diesem Bereich – gerade was intervenierende Elternteile betrifft – problematisch sind.

Verärgerter Vater wirft U15-Spieler zu Boden

Beim SV Schwechat war man in der Vergangenheit immer wieder mit „Problemeltern“ konfrontiert. Der Verein greift bei unbelehrbaren Benehmen aber hart durch. Erst kürzlich musste der Verein eine Familie rausschmeißen. Der Grund: Bei einem Vorbereitungsspiel der U15 provozierte ein Gastspieler den Vater eines Schwechater Nachwuchskickers mit beleidigenden Kommentaren. Der Vater rannte auf das Spielfeld und stieß den Burschen um. Daraufhin wurden der Vater und sein unbeteiligter Sohn entlassen.

„Oft sind es Leute, die mit ihrer südländischen Mentalität für Unruhe sorgen, aber bei uns bleiben derartige Entgleisungen nicht ohne Konsequenzen“, betont Schwechats Jugendleiter Manfred Walzer und meint weiter: „Eigentlich trifft es oft die unbeteiligten Kinder, aber wir müssen dementsprechend handeln, denn viele Elternteile glauben, sie wären der Teamchef. Es gab auch Fälle, wo unsere Trainer permanent attackiert wurden. Auch das wird bestraft, sonst werden die Trainer noch zum Freiwild.“

Hinweistafeln im Stadion des SV Schwechat

Der SV Schwechat nimmt eine Vorreiterrolle in Sachen Prävention ein. So werden Eltern neuer Spieler zu einem internen Gespräch gebeten, wo auf das richtige Benehmen am Spielfeld hingewiesen wird. Außerdem befinden sich Hinweistafeln im Stadion, die über Benimmregeln informieren, die eingehalten werden müssen.

Andere Vereine sind von derartigen Zwischenfällen zum Glück noch verschont geblieben. „Zwar klaffen Realität und Wunschdenken bei manchen Zusehern oft weit auseinander, aber lautstarke verbale Äußerungen gab es in den letzten Jahren nur in Form von Begeisterung. Auch auswärts habe ich noch keine negative Erfahrungen gemacht“, meint unter anderem der ehemalige Jugendleiter des ASK/BSC Bruck, Herbert Langer.

Beim ASK Schwadorf ist man froh, dass man nie mit überehrgeizigen Trainern oder Eltern zu tun hatte. Der ehemalige Jugendleiter und jetzige Obmann Robert Munjak erinnerte sich lediglich an einen Fall mit einem Großvater. „Beim Spiel seines Enkels hat er des Öfteren Gegenspieler beschimpft. Wir haben ihn zu uns geholt und mit ihm gesprochen und dann hat es wieder gepasst.“

Schiedsrichter begrüßen Kampagne

An Schiedsrichtern geht diese Problematik natürlich nicht spurlos vorbei, denn sie sind, wenn es um das Fehlverhalten von Fans geht, meist die ersten Leidtragenden. „Das wird höchste Zeit“, meint unter anderem Mario Wind, als er von der NÖN von der Kampagne des NÖ-Fußballverbandes erfuhr. Er selbst leitet Kampfmannschafts- sowie Nachwuchspartien in den höheren Altersklassen, war aber auch jahrelang bei den kleineren Kickern Spielleiter.

Dabei hatte er schon einmal erlebt, dass eine besorgte Mutter plötzlich auf das Spielfeld lief. „Nach einem Pressball lief das Spiel weiter und ich bemerkte erst nach Zurufen von Zuschauern, dass hinter mir plötzlich eine Frau auf dem Spielfeld stand, da ihr Kind geweint hat. Danach gab es eine Diskussion mit mir, Kopf an Kopf, da sie ein brutales Foul gesehen hätte“, erinnert sich Wind.

Er versteht zwar, dass sich Eltern in solchen Fällen um ihr Kind sorgen, meint aber, dass speziell Mütter, die ihr Kind zu Fußballspielen begleiten, solche Situationen oft zu ernst nehmen. Wind macht außerdem auf die überehrgeizigen Betreuer aufmerksam. „Sehr oft kommt es vor, dass die Trainer lautstark schreien und kritisieren. Das überträgt sich dann sofort auf die Kinder und dann machen auch die Eltern gleich mit.“