Frauen mit Politik-Mut gesucht. Die Erlebnisse als Frau in der Kommunalpolitik sind unterschiedlich. Mehr junge Frauen wären wünschenswert.

Von Josef Rittler, Brigitte Wimmer und Theresa Puchegger. Erstellt am 06. März 2019 (04:03)
Gemeinde Gramatneusiedl
Erika Sikora

Egal ob Bürgermeisterinnen, Vizebürgermeisterinnen oder Gemeinderätinnen – die Anzahl der Frauen in politischen Funktionen ist im Brucker Bezirk jeweils über den NÖ-weiten Durchschnitt. Bei den einfachen Mandataren liegt man sogar unter den Top-Fünf-Gemeinden.

Die Möglichkeit, das höchste Amt in der Stadtgemeinde Schwechat zu bekleiden, kam für Karin Baier eher unerwartet. Wegen der schweren Wahlschlappe 2015 hievte sie die SPÖ unverhofft in den Bürgermeister-Sessel. „Diese Funktion ist eine Herausforderung, macht mir aber bis heute Freude. Gefühlt habe ich meine berufliche Bestimmung erreicht“, erzählt sie. Weil sie eine Frau ist, habe sie nie kämpfen müssen. Vielmehr war ihre politische Unerfahrenheit – sie saß zuvor noch nie in einem Gemeinderat – die Aufgabe.

Mit Gegenwind hatte allerdings eine andere SP-Bürgermeisterin im Bezirk zu kämpfen. Erika Sikora aus Gramatneusiedl ist überzeugt, dass es besonders für Frauen, nicht immer leicht ist, sich in der Politik durchzusetzen. Das habe sie bei ihrer ersten Kandidatur 2010 am eigenen Leib erfahren. „Ich wurde von einigen abgelehnt, weil ich eine Frau war und sie lieber einen Mann als Bürgermeister wollten“, erzählt Sikora. Für eine Frau sei es „doppelt so schwer“. Daran habe sich auch noch nichts geändert.

"Die Politik ist der Spiegel der Gesellschaft"

Das sieht Götzendorfs FP-Vizebürgermeisterin Doris Görlich anders. „Ich hatte dabei nie ein Problem, weil ich eine Frau bin“, erzählt sie. Ein Nachteil sei eher, dass ein politisches Engagement mit Kindern kaum vereinbar sei. Allerdings würde sie sich dennoch wünschen, dass „mehr Frauen den Mut haben, etwas ändern zu wollen“.

Dem stimmt auch Silvia Zeisel, VP-Vizebürgermeisterin in Hainburg zu: „Es wäre wünschenswert, wenn sich mehr junge Frauen in die Politik wagen würden, damit sich auch diese Generation besser vertreten fühlt.“ Leider wären die jungen Frauen durch Beruf und Familie aber zu stark belastet.

Die Schwechater Nationalrätin Katharina Kucharowits (SP) ist überzeugt, dass es Frauen und Männer in der Politik brauche. „Die Politik ist der Spiegel der Gesellschaft“, betont Kucharowits. Politisch interessiert war sie schon immer, aber erst mit „meinem Einzug ins Parlament 2013 wurde ‚Politikerin‘ zum Beruf“, erklärt sie.

Bereits 19 Jahre Erfahrung hat Schwechats Grüne Vizebürgermeisterin Brigitte Krenn. Für sie ist allerdings „nicht entscheidend, welches Geschlecht ein Politiker hat, sondern welche Grundeinstellung er/sie als Mensch hat.“ Bei der Zusammenarbeit mit Männern mache es aber einen Unterschied, ob derjenige ein „Alphamännchen“ sei oder jemand, dem es nicht um die eigene Macht geht.

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