Helm ist für Kinder ein Muss beim Radfahren. Nach dem tödlichen Unfall mit einem Fahrradanhänger, bei dem zwei Kinder gestorben sind, ist eine Debatte über das Radwegnetz in NÖ entbrannt.

Von Nicole Frisch, Otto Havelka, Adalbert Mraz, Peter Gerber Plech und Raimund Novak. Erstellt am 14. August 2019 (05:11)
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Familie Mascher aus Maria Lanzendorf unternimmt regelmäßig kleine Ausfahrten mit dem Fahrrad. Vater Christian und Mutter Kerstin bereiten ihre Kinder Jannik (13) und Marilene (4) zudem gezielt auf die Gefahren im Straßenverkehr vor.Gerber Plech

„Es ist nicht so, dass wir größere Radtouren unternehmen. Aber wir fahren mit dem Rad zum Eis-Essen in der Umgebung oder auch ins Freibad“, sagt Christian Mascher. Bevor er und seine Familie jeweils gemeinsam losfahren – die vier Jahre alte Tochter Marilene im Kindersitz auf Mama Kerstins Fahrrad – werde gemeinsam die Route besprochen. „Damit ist bei Abzweigungen klar, in welche Richtung wir fahren“, erklärt Mutter Kerstin.

Bei gemeinsamen Ausfahrten fährt Sohn Jannik (14), gerade aus Sicherheitsgründen, normalerweise in der Mitte. „Wir suchen natürlich für unsere Strecken möglichst wenig befahrene Straßen und, wo vorhanden, benützen wir die Radwege. Die Kinder sind selbstverständlich immer mit Helm unterwegs. Wichtig ist mir, dass wir bei Abzweigungen den Autofahrern mit dem Handzeichen klar zu verstehen geben, wenn wir abbiegen wollen.“

Die Radwege von Ortschaft zu Ortschaft sind in Niederösterreich im Vergleich zum Burgenland sehr karg.“ Franz Eichelmüller aus Bruck

Glücklicherweise seien sie bisher noch nie in eine wirklich gefährliche Situation gekommen, sagen Kerstin und Christian Mascher. „Unsere Erfahrung ist, dass die Autofahrer auf den Nebenstraßen Rücksicht nehmen. Aber als Rad fahrende Gruppe muss man sich auch entsprechend verhalten und auf gewisse Sicherheitsstandards achten“, sagt Christian Mascher.

Sie hätten die Aufgabe, die Kinder auf den Straßenverkehr und die möglichen Gefahren für Fahrradfahrer hinzuweisen und zu sensibilisieren, halten die beiden Erwachsenen fest. Denn später, wenn die Kinder alleine unterwegs sein würden, möchten sie als Eltern die Gewissheit haben, dass der Nachwuchs auf den Straßen die nötige Vorsicht walten lässt.

Um eine viel befahrene Straße kommen hingegen Nutzer des internationalen Donau-Radwegs „EuroVelo 6“ nicht herum. Denn in Wolfsthal müssen die Radfahrer für knapp zwei Kilometer vom Radweg auf die stark befahrene Bundesstraße 9. Der „EuroVelo 6“ gehört jedoch zu den meist befahrenen Radwegen Europas und führt eben auch durch die Grenzgemeinde.

Viele Radler bevorzugen trotz Verbots den Gehsteig

Viele Radfahrer versuchen, den Autoverkehr zu meiden und bevorzugen verbotenerweise den Gehsteig. Abgesehen vom Verbot kommt es dadurch immer wieder zu gefährlichen Situationen. Vor allem, wenn Bewohner mit einer Gruppe von Radfahrern direkt vor der Haustür konfrontiert werden. Noch gefährlicher wird es jedoch dann, wenn Autos oder Traktoren aus der Hausausfahrt kommen.

Wolfsthals Bürgermeister Gerhard Schödinger (VP) erklärt dazu: „Es ist bei uns nicht möglich, den Radverkehr von der B9 abzuleiten. Um die gefährlichen Situationen zu entschärfen und die Lage für alle sicherer zu machen, überlegen wir, im Ortsgebiet auf der Bundesstraße sichere Radfahrstreifen einrichten zu lassen.“ Konzepte dazu wären bereits in Arbeit. Nach Fertigstellung würde man die Pläne dem Land präsentieren und „so rasch als möglich mit der Umsetzung beginnen“, betont der Ortschef.

Nur bedingt mit den Gegebenheiten der bestehenden Radweginfrastruktur zufrieden, ist der Brucker Rad-Fan Franz Eichelmüller. „Die Radwegverbindungen von Ortschaft zu Ortschaft sind in Niederösterreich im Vergleich zum Burgenland karg vorhanden und oft nicht familienfreundlich gestaltet“, weiß er.

In seiner Heimatstadt gebe es einige Hotspots, wie die Ausfahrten in der Höfleiner Straße oder dem Kreisverkehr in Hainburg, die aufgrund der oft rücksichtslosen Autofahrer gefährlich sind. „Das Wichtigste ist, dass Kinder stets einen Helm tragen und bei einem Familienausflug immer in der Mitte fahren“, rät Eichelmüller.

Schon im Mai dieses Jahres luden die Grünen in Himberg zu einem Informations- und Diskussionsabend mit Michael Meschik vom Institut für Verkehrswesen an der Universität für Bodenkultur und seinem Vortrag, wie Radlern das Leben in Himberg erleichtert werden könnte.

SP-Vizebürgermeister Richard Payer war aufmerksamer Zuhörer. „Wir werden das Thema im nächsten Jahresbudget der Gemeinde berücksichtigen“, verspricht er. Konkretes gibt es noch nicht. „Wir werden uns zusammensetzen, was machbar ist“, sagt Payer.