Moosbrunner: Behinderung kein Hindernis am Arbeitsmarkt. Fatih Yüksel hat eine Seheinschränkung. Dennoch konnte er im Arbeitsmarkt Fuß fassen.

Von Gerald Burggraf. Erstellt am 25. April 2019 (05:06)

Fatih Yüksel lebt seit seiner Geburt mit einer massiven Seheinschränkung. Dennoch schaffte der heute 25-Jährige ohne Hilfe die Matura in einer Handelsakademie. „Ich sehe es nicht als Einschränkung, eher als Besonderheit“, bleibt der Moosbrunner stets positiv.

Seine berufliche Heimat hat Yüksel seit knapp eineinhalb Jahren in Maria Lanzendorf gefunden. Dort arbeitet er beim Speditionsunternehmen „Gebrüder Weiss“ als Junior-Disponent. Seine Aufgabe ist, Transporte für einen Großkunden zu und koordinieren. „Ich wurde herzlich aufgenommen und es ist alles optimal gelaufen. Sogar einfacher als gedacht“, erzählt der 25-Jährige über seinen Berufseinstieg. Er rät Menschen mit Einschränkungen, sich selbst mehr zuzutrauen, „einfach den Schritt wagen“.

„Wichtig ist nur, dass sie ihre Arbeit erledigen können“

Aufgrund seiner Sehbehinderung bedurfte es natürlich spezieller Geräte, um seine Arbeit nachkommen zu können. Schwenkbare Lupen mit hochqualitativen digitalen Live-Bildern oder ein spezieller PC samt Software wurde für Yüksel von seinem Arbeitgeber organisiert. Die Seheinschränkung des Moosbrunners ist bei „Gebrüder Weiss“ aber nie wirklich ein Thema gewesen. Nicht einmal beim Vorstellungsgespräch, wie Iris Klozyk von der Personalabteilung, bestätigt. „Hätte er es damals nicht gesagt, wäre es mir nicht einmal aufgefallen. Er war der beste Kandidat“, betont sie.

Maria Lanzendorfs Niederlassungsleiter Karl Meiringer unterstreicht zudem, dass die Firma keinen Unterschied zwischen Mitarbeitern mit Einschränkungen und jenen ohne macht. „Wichtig ist nur, dass sie ihre Arbeit erledigen können“, hält er fest. Man sei mit Yüksels Arbeit sehr zufrieden.

Finanzielle Unterstützung erfuhr „Gebrüder Weiss“ anfangs mit einer Eingliederungsbeihilfe vom Schwechater Arbeitsmarktservice (AMS) und danach mit Lohnzuschüssen vom Sozialministeriumsservice (SMS). Vom im SMS angesiedelten Netzwerk „Berufliche Assistenz“ wird Yüksel seit kurz vor der Matura begleitet. Beraterin Sezer Misirli erklärt: „Die Berufliche Assistenz unterstützt blinde und sehbehinderte Menschen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 30 Prozent bei der Erlangung oder der Erhaltung eines Arbeitsplatzes.“

Auch beim AMS ist man bemüht, Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. In Schwechat hat man sich zum Ziel gesetzt, 44 Arbeitsaufnahmen zustande zu bringen. 2018 waren im Durchschnitt 92 Menschen mit Behinderung ohne Job.

„Jobsuchende mit Einschränkungen haben es besonders schwer, am Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Mit Förderungen und Coachings unterstützen wir eine erfolgreiche Integration am Arbeitsplatz“, betont Brucks AMS-Chef Herbert Leidenfrost.

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