Burg-Baustelle: Reizvolle Herkules-Aufgabe. Die Arbeiten schreiten voran und bringen so manche Überraschung zutage.

Von Susanne Müller. Erstellt am 13. Februar 2019 (04:43)

Es ist wohl das größte Bauprojekt, das in der Stadt auf lange Zeit umgesetzt wird. Nachdem vor 12 Jahren für kurze Zeit mit den ersten Arbeiten an der Burg begonnen worden war, nahm sich die Wohnungsgesellschaft Arthur Krupp 2017 um das Mega-Projekt an. Sie errichtet in dem historischen Gebäude 36 Wohnungen und einen Kindergarten mit vier Gruppen und zwei Kleinkind-Gruppen. Nach eineinhalb Jahren intensiver Bautätigkeit sieht man im Inneren des ehemaligen Kapuzinerklosters bereits deutliche Fortschritte, wie eine Baustellen-Besichtigung der NÖN mit Bauleiter Roland Windpassinger und Stadtchef Gerhard Weil zeigt.

Derzeit wird im Süd- und im Osttrakt bereits am Innenausbau in Trockenbauweise gearbeitet. „Wir bauen auch eine kontrollierte Wohnraumlüftung ein“, erklärt Windpassinger. Um das zentrale Gerät, das dafür in drei Teilen geliefert wurde, am Dachboden installieren zu können, musste das Dach geöffnet werden. Auch bei den Elektro-Installationen und der sonstigen Infrastruktur, wie dem Internet, das per Glasfaser direkt bis zum Wohnzimmer verlegt wird, laufen die Arbeiten derzeit auf Hochtouren. In zwei Wochen beginnen die Grabungsarbeiten für die Infrastruktur, die im Keller verlegt werden soll, wie Kanalanschlüsse und Fernwärme. Bei diesen Arbeiten werden neben den Vertretern des Bundesdenkmalamts, die über jedem Handgriff ein wachsames Auge haben, auch Experten der Kampfmittelsondierung dabei sein. Dort ist nämlich damit zu rechnen, dass aus Kriegszeiten Munition oder Ähnliches zutage tritt.

"Egal wo wir gegraben haben, wir haben immer etwas getroffen"

„Ich glaube, die größten Überraschungen liegen hinter uns“, hofft Brucks SP-Bürgermeister Gerhard Weil, dass zumindest in baulicher Hinsicht keine großen Unbekannten mehr zu erwarten sind. Denn davon gab es in den vergangenen eineinhalb Jahren bereits mehr als genug. „Egal wo wir gegraben haben, wir haben immer etwas getroffen“, erzählt Windpassinger. Beim Verlegen des Kanalanschlusses in der Johngasse stieß man beispielsweise auf den Kirchenchor des mittelalterlichen Klosters (die NÖN berichtete).

Im Inneren des Gebäudes hatten die archäologischen Grabungen so manchen Raum einer Kraterlandschaft gleichen lassen. Sämtliche Funde wurden dokumentiert und mit Vlies abgedeckt. Eine sogenannte aussteifende Bodenplatte sorgte letztendlich für eine komplette Abdichtung. „Dabei haben wir rund 11.000 Stück Steckeisen ins Mauerwerk eingebohrt“, lässt Windpassinger die Dimension der Baustelle erkennen. Die historischen Dippelbaumdecken wurden in Handarbeit ausgebessert, mit gut 10.000 Schrauben und mit Gittermatten versehen und überbetoniert, um die Tragfähigkeit der Decken zu erhöhen.

Darunter wurden Brandschutzdecken eingezogen. Auch die aufwendige Innendämmung ist bereits weit fortgeschritten. „Wir messen täglich die Temperatur an den Mauern. Sobald es ein paar Plusgrade hat, können wird an der Dämmung weiterarbeiten“, sagt Windpassinger. Aber auch abseits des historisch Wertvollen haben die Baufirmen bereits so manche Überraschung erlebt. Beim Abschlagen des Verputzes kamen in etlichen Mauern regelrechte Löcher zum Vorschein. Rund 50 Kubikmeter mussten an solchen Stellen nachgemauert werden.

Gefährliches Konstrukt: Sicherung erfolgreich

Eine gefährliche Entdeckung machten die Arbeiter im Westtrakt. „Dort waren Trennwände aus Ziegeln auf Holzbalken errichtet“, erzählt Windpassinger. Das Holz hatte sich im Laufe der Zeit durchgebogen, sodass sich die Außenmauer in Richtung Hainburgerstraße bereits neun Zentimeter nach außen geneigt hatte. „Wir haben aussteifende Wände mit Stahlbeton errichtet“, erklärt Windpassinger, dass damit nun das Gebäude über die tragenden Mauern zusammengehalten wird.

Derzeit werden sukzessive die neuen Holzkastenfenster eingebaut. Knapp 200 der 230 Fenster wurden schon erneuert. Und auch für die neue Fassade sind die Vorbereitungen fast abgeschlossen. Für den Bauleiter hatte die Burg jedenfalls schon so manch schwierige Kopfnuss parat. „Wenn ich nicht schlafen kann, denke ich an die Burg“, scherzt Windpassinger.