Politische und andere Märchen bei der Faschingssitzung. „Schmähwittchen“, „Trumpelstilzchen“ und Co. gaben sich ein Stelldichein in der Arbeiterkammer.

Von Josef Rittler. Erstellt am 20. Februar 2019 (04:05)

Sprechende Möbel, ein politisch mit allen Wassern gewaschenes „Schmähwittchen“ und ein „Trumpelstilzchen“, das vor Wut auf der Bühne stampft: Ein in jeder Hinsicht fantastisches Programm hatte die Hainburger Faschingsgilde bei ihren Sitzungen am Wochenende zu bieten. Neben klassischen, nur „leicht“ verfremdeten Märchen standen Szenen auf dem Programm, die entweder durch ihre Surrealität zum Lachen reizten (wie etwa der Dialog zweier Möbelstücke, verkörpert von Christine Mayerhofer und Robert Böhm, die das Liebesleben ihrer Besitzer aus nächster Nähe mitbekommen).

Die Sitzungen standen im Zeichen eines Generationswechsels. Bei den Putzfrauen ist Inge Nussbaumer in Pension gegangen („Aber zuschauen und Prosecco trinken kann sie“), und Lisi Stoss muss die beiden Neuen Isi Seimann und Bettina Krammer einweisen. Ihr Mann Fritz Nussbaumer wiederum hat der Herrenrunde Adieu gesagt. Die wurde von Wolfgang Hartl verstärkt, der auch als „Postler“, der aus seinem harten Berufsalltag erzählt, eine glänzende Vorstellung lieferte. Heuer ebenfalls erstmals dabei: Idris Biyikli bei den Maurern und Live-Musiker Günther Schödinger.

Die hohe Politik bleibt nicht ausgespart: Im Wald leben die blauen Zwerge, die Farbe ist (Partei-)Programm. Sie wundern sich zunächst, wer sich an ihrem Eigentum vergriffen hat („Wer hat mein Cola Rum ausgesoffen?“). Es naht das „Schmähwittchen“ (Markus Pinkl), das in einer Sebastian-Kurz-Parodie seine blauen „Koalitionspartner“ über die hohe Staatskunst aufklärt („Wer seine Finger überall drin hat, ballt keine Faust“).

Neue Füllung für die Banane

Einen Ökoschmäh der besonderen Art leistet sich Hubert Stoss bei Obstverkäufer Karl Krammer: Er möchte eine Bananenschale nachgefüllt haben. Nach Missverständnissen beim Kauf von Theaterkarten („aber nicht für Cosí fan tutte, ich will keine Pornos sehen, und schon gar nicht auf Italienisch“), werden die Zuseher in die Weltpolitik entführt. Vier Besucher im Weißen Haus, darunter Schwarzenegger und Theresa May, müssen erraten, wie das beste Stück von Donald Trump heißt (die richtige Antwort „Trumpelstilzchen“ veranlasst „The Donald“ alias Karl Krammer zu einem fulminanten Abgang).

Nur vordergründig idyllischer gehts in den NÖ-Wäldern zu, wo die „Wirtschaftsflüchtlinge“ Hänsel und Gretel auf eine böse Hexe (Emanuel Staubmann) treffen: „Knusper, knusper, knäuschen, wer knuspert an meinem Waldhäuschen?“

Dazwischen rissen Gardemädchen, Bauchtänzerinnen und die „Dragqueens“ die Zuschauer mit. Beim „Time Warp“ aus der „Rocky Horror Show“ und beim „Josh“-Hit „Cordula Grün“ wurden sie von Markus Pinkl unterstützt. Zum Abschluss erklangen natürlich die „Roten Rosen“, dann wurde es noch richtig sentimental, als Langzeit-Präsident „Schani“ Geringer seinen Rücktritt ankündigte.