Bad-Kantine in Bruck wird zum Polit-Aufreger. VP spricht von Postenschacher und skandalösem Vorgehen. SPÖ von persönlichen Animositäten gegen einen Bewerber.

Von Susanne Müller. Erstellt am 04. Dezember 2019 (04:01)
Die Vergabe der Kantine im Brucker Parkbad wird zum Zankapfel zwischen SPÖ und ÖVP.
Müller

Im Sommer hatte es jede Menge Aufregung über die Bad-Kantine gegeben. Nachdem die Stadt den bisherigen Pächtern die Kündigung ausgesprochen hat, sorgt nun die Neu-Verpachtung des Gastro-Betriebs für mindestens ebenso große Wellen.

Acht Bewerber stellten sich in der Vorwoche dem Hearing. Die Jury setzte sich aus SP-Bürgermeister Gerhard Weil, Sportstadtrat und Vizebürgermeister Roman Brunnthaler (SP), SP-Klubsprecher Josef Newertal sowie den Klubsprechern von ÖVP und Grünen, Ronald Altmann und Roman Kral, zusammen.

Wenn ich die Kantine nicht kriege, dann kriege ich sie nicht – für mich ist das nicht überlebenswichtig.“ Gerald Straus, Betreiber der Bar Taro

Und eigentlich sollte es angesichts des Hearing-Ergebnisses auch keine Probleme geben. Schließlich kam dabei eine klare, wenn auch knappe Reihung heraus. Platz eins belegte demnach ein Gastronom aus dem Bezirk, der sowohl ein Restaurant als auch eine Bad-Kantine betreibt. Dahinter gereiht wurde Gerald Straus von der Brucker American Bar Taro.

Der Umstand, dass von der SPÖ nachträglich eine Änderung im Bewertungssystem gefordert wurde, ließ jedoch die Wogen hochgehen. Der zuständige SP-Sportstadtrat Roman Brunnthaler schlug nämlich vor, die besten und schlechtesten Wertungen jedes Jury-Mitglieds zu streichen. Damit würde ein „solider Mittelwert“ herauskommen. Außerdem würde dann Gerald Straus eindeutig als Sieger hervorgehen.

Müller

Bei der ÖVP sorgt diese Vorgehensweise für helle Aufregung. „Die nachträgliche Abänderung der Hearing-Punktevergabe, um Herrn Straus auf Platz 1 zu hieven, ist ein Skandal. Ein weiterer Fall von SPÖ-Machtmissbrauch und Freunderlwirtschaft in Reinkultur“, übt VP-Sprecher Ronald Altmann heftige Kritik. Aus seiner Sicht gäbe es außerdem „objektive Gründe“, warum der Erstgereihte für den Kantinen-Betrieb besser geeignet sei. Schließlich betreibe er im Unterschied zu Straus bereits eine Kantine und ein Restaurant. Darüber hinaus schieße Straus‘ Konzept „völlig über das Ziel hinaus“, verweist Altmann auf ein umfangreiches Speisenangebot im Konzept des Bewerbers.

Gleichzeitig betont Altmann aber, dass es vor allem um die „desaströse Vorgangsweise der SPÖ“ gehe. „Wenn ein Hearing nicht so ausgeht, wie man es will, ändert man nachträglich einfach die Kriterien“, meint Altmann in Richtung SPÖ.

"Hat ersten Platz verunmöglicht"

Dort sieht man allerdings vielmehr Altmann selbst als Verursacher der ganzen Streiterei. „Beim Juryhearing hat Klubsprecher Altmann die schlechtest mögliche Bewertung für einen von allen anderen Jurymitgliedern top platzierten Brucker Bewerber vergeben – und diesem damit willkürlich den ersten Platz verunmöglicht“, kontert nämlich SP-Klubsprecher Josef Newertal. Altmann könne seine persönlichen Interessen offenbar nicht von jenen der Gemeinde trennen. Deshalb sei es „mehr als fraglich, ob seine Wertung sachlich und unparteiisch war. Es wäre jedenfalls sauber gewesen, er hätte sich enthalten“, sieht Newertal eine persönliche Abneigung zwischen Altmann und Straus als Wurzel des Problems.

Dem pflichtet auch SP-Sportstadtrat Roman Brunnthaler bei. „Was da abgeht, ist das Gegenteil von Postenschacher“, meint Brunnthaler. Das Hearingsystem habe bisher immer gut funktioniert. Man sei sich bei den Bewertungen immer ungefähr einig gewesen. Dieses Mal habe es einen groben Ausreißer gegeben, nämlich die Bewertung, die Altmann für Straus abgegeben habe. „Das sieht für mich klar nach einer persönlichen Geschichte aus und persönliche Animositäten haben bei einem Hearing nichts verloren“, so Brunnthaler. Man werde jedenfalls erwägen, das System in Zukunft entsprechend abzuändern.

Altmann hingegen betont, dass seine niedrige Bewertung für Straus keineswegs persönlich motiviert gewesen sei.

Grünen-Sprecher Roman Kral wollte erst abwarten, wie im Stadtrat tatsächlich damit umgegangen werde. Im Ausschuss habe es nämlich keine klare Empfehlung gegen. Er fordert aber in jedem Fall eine eidesstattliche Erklärung der Bewerber zu deren Bonität.

Entschieden ist derzeit jedenfalls noch nichts. Letztendlich wird die Entscheidung für die Vergabe im Gemeinderat fallen, wo allerdings freilich die SPÖ die absolute Mehrheit hat.

Gerald Straus selbst sieht die Sache relativ entspannt. „Sie sind an mich herangetreten und haben mich gefragt, ob ich mir das vorstellen kann. Es interessiert mich, weil ich glaube, dass das durchaus ein Geschäft sein kann“, erzählt Straus die Vorgeschichte. Er räumt auch ein, dass er selbst noch nie ein Restaurant geführt habe. „Aber ich habe einen Koch dabei und ich weiß, wie man einen Gastrobetrieb führt“, so Straus. Sein Ziel, so er den Zuschlag bekomme, sei die Kantine auf ein gutes Niveau zu bringen. „Wenn ich die Kantine nicht kriege, dann kriege ich sie nicht – für mich ist das nicht überlebenswichtig.“