"Was haben Menschen für Freiheit aufs Spiel gesetzt". Die NÖN diskutierte im Hotel Altes Kloster in Hainburg/Donau mit Zeitzeugen über die 1989-Ereignisse rund um den Fall des Eisernen Vorhanges und die Folgen für die Regionen beiderseits der Grenze.

Von Josef Rittler. Erstellt am 06. Juni 2019 (06:55)
Rittler
Jan Magyar, Thomas Häringer, Gerhard Schödinger, Johann Beranek, Susanne Müller, Philipp Grabner und Christian Feigl

Vor dreißig Jahren war der "Eiserne Vorhang", die streng bewachte Grenze zwischen dem Westen und den Staaten des kommunistischen Ostblocks, fast über Nacht Geschichte geworden. Der Bezirk Bruck hat sich seit 1989 und insbesondere seit der Erweiterung der Schengen-Grenzen von einer vergessenen Ecke Niederösterreichs zum am schnellsten wachsenden Bezirk des Landes entwickelt.

Als sich 1989 mehrere zehntausend Menschen zum „Marsch der Freiheit“ von Bratislava nach Hainburg aufmachten, wurde Weltgeschichte geschrieben.

Im Alten Kloster diskutierten der in Slowakei geborene evangelische Pfarrer von Hainburg, Jan Magyar, der VP-Bürgermeister der Grenzgemeinde Wolfsthal und Landtagsabgeordnete Gerhard Schödinger, der Hainburger SP-Stadtrat Thomas Häringer, die in Prag geborene Internistin Miroslava Grubmüller und Top-Manager Johann Beranek (der Neunkirchner war bis 2015 bei Porsche Bratislava beschäftigt) mit NÖN-Moderator Philipp Grabner.

Persönliche Erlebnisse geschildert

Jeder der Diskussionsteilnehmer hatte den Fall des Eisernen Vorhanges aus spezieller Perspektive und teils an vorderster Linie miterlebt. Gerhard Schödinger beispielsweise war 1989 als Polizist an der Grenze zwischen Österreich und der Slowakei eingesetzt.

"Ein tragischer Vorfall ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Ich hatte am 19. April 1989 Dienst, als zwei Ostdeutsche mit ihrem Lada den Grenzbalken durchbrechen wollten. Der Schranken war aber zu niedrig, riss den oberen Teil des Wagens ab. Der Beifahrer wurde getötet, der Lenker überstand den Unfall, stand aber zunächst schwer unter Schock. Ich habe mir später gedacht: Was haben diese Menschen für die Freiheit aufs Spiel gesetzt? Diese Bewegung ist nicht zu stoppen."

Wie das Jahr 1989 auf der anderen Seite des Eisernen Vorhanges miterlebt wurde, welche Veränderungen gleich eintraten und in welchen Bereichen die Annäherung an den Nachbarn etwas länger dauert, erfahrt ihr in der nächsten Ausgabe der Brucker NÖN!