Hitze lässt den Bau nicht kalt. Seit 1. Mai gelten 32,5 Grad als neuer Maßstab – wie nutzen Arbeitgeber der Region die neue Regelung für ihre Arbeiter?

Von Susanne Müller, Otto Havelka und Gerald Burggraf. Erstellt am 31. Juli 2019 (05:17)
SP Bruck
Für die Straßenmeisterei-Trupps gilt die Regelung nicht, sie müssen auch bei großer Hitze arbeiten, wie hier in der Brucker Fischamenderstraße.

REGION Hitzeperioden wie jene der vergangenen Wochen nehmen seit Jahren zu. Und werden vor allem länger und intensiver. Besonders betroffen sind davon Menschen, die ihre Arbeit im Freien verrichten und dabei auch noch körperlich schwer belastet sind. Das trifft mitunter vor allem auf die Baubranche zu. Daher gilt seit 1. Mai die Regelung, dass mehr als 32,5 Grad als „Schlechtwetter“ eingestuft werden. Schickt der Arbeitgeber die Bauarbeiter dann nach Hause, erhalten sie 60 Prozent ihres Lohnes aus der Urlaubs- und Abfertigungskasse. Allerdings besteht keine Verpflichtung.

Hans-Peter Mayer, Chef des gleichnamigen Hofer Unternehmens für „Abbruch, Transport und Recycling“ sieht die neue Regelung – bisher galten 35 Grad als Richtwert – eher skeptisch: „Die Bauunternehmen kommen dadurch mehr unter Druck.“ So könne es zu Verzögerungen bei den Arbeiten kommen, und damit drohen den Bauunternehmen Pönalzahlungen, wenn sie nicht zu den vertraglich fixierten Terminen mit ihrer Arbeit fertig werden. Dann heißt es „schneller und länger arbeiten“, weiß Mayer. Denn für die Auftraggeber sind „Schlechtwetter“-Perioden nicht relevant.

Die Bauunternehmen kommen durch die neue Regelung mehr unter Druck.“ Hans-Peter Mayer, Chef des gleichnamigen Unternehmens aus Hof

Beim Schwechater Baumeister Manfred Leiner kam die nunmehr geltende Regel noch nicht zum Einsatz. „Wir beginnen früher und sind dann auch oft zu Mittag fertig“, erläutert er. Zudem habe man derzeit einige Baustellen im Semmering-Gebiet, „dort sind es gleich einmal vier bis fünf Grad weniger“, weiß der Baumeister. Allerdings lassen auch Leiner die zunehmenden Hitzeperioden nicht kalt. „Seit ein paar Jahren gibt es bei uns im August immer zwei Wochen Betriebsurlaub. Am Freitag ist es wieder so weit“, erzählt der Schwechater. Diese Maßnahme habe sich als enorm sinnvoll herausgestellt. Einerseits können die Mitarbeiter zwei erholsame Wochen mit ihren Familien verbringen und müssen auf den Baustellen keinen urlaubenden Kollegen kompensieren. Andererseits kämen danach alle erholt und mit vollem Elan zurück. „Natürlich takten wir die Arbeiten so ein, dass die mit dem Kunden vereinbarten Schritte bis zum Betriebsurlaub erledigt sind. Wir lassen keine halb fertigen Baustellen zurück“, betont Leiner.

Als kleinen „Durchbruch“ beschreibt hingegen Rudolf Silvan, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Bau-Holz Niederösterreich, die neue Regelung. „Wir sind in diesem Bereich wirkliche Vorreiter. Der einzige kleine Pferdefuß ist allerdings, dass die Arbeitgeber selbst entscheiden, ob sie die Mitarbeiter nach Hause schicken oder nicht“, so Silvan im NÖN-Gespräch. Er verstehe aber in gewisser Weise, dass man diese Entscheidung den Unternehmen überlässt, denn „auf einer Baustelle kann man die Arbeiter vielleicht nach Hause schicken, da sie nicht so schnell fertig sein müssen, auf der anderen Baustelle muss wegen Zeitdruck weitergearbeitet werden.“ Als Gewerkschafter wünsche er sich allerdings, dass diese Regelung auch noch auf andere Branchen ausgeweitet werde. „So sollen auch Spengler oder Installateure davon profitieren können. Denn so kommt es dazu, dass auf einer Baustelle die Bauarbeiter nach Hause gehen können, die Spengler und Installateure aber, obwohl sie derselben Hitze ausgesetzt sind, nicht aufhören dürfen“, gibt es laut Silvan auch noch die ein oder andere Lücke, die es zu füllen gilt.

Darüber hinaus gilt die Regelung freilich auch für zahlreiche andere – ebenfalls hitzebelastete – Arbeitsbereiche nicht, etwa für die Mitarbeiter der Straßenmeisterei, wie Straßenmeister Felix Böhm erklärt. Die Straßenmeisterei-Trupps müssen auch bei großer Hitze durchhalten. „Sie werden aber mit zusätzlichem Wasser versorgt und können mehr Pausen machen“, so Böhm. Darüber hinaus sehe man sich an, welche Arbeiten vielleicht verschoben werden können. „Aber bei dem, was zeitgebunden ist, können wir nicht aus“, so Böhm

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