Eine große Portion der „Kaiserhymne“. Joseph Haydns „Kaiserhymne“ ist nicht nur durch die deutsche Bundeshymne zu einem Evergreen der Klassik geworden.

Von Otto Havelka. Erstellt am 06. April 2019 (04:05)

Salopp gesagt: Die deutsche Bundeshymne ist ein kroatisches Volkslied, dem ein niederöstereichischer Komponist in einem Streichquartett zu Weltruhm verhalf.

Die Erfolgsgeschichte dieser Melodie wurde am vergangenen Sonntag im Haydn-Geburtshaus im Rahmen einer Matinee unter dem Titel „Gott erhalte! Gott beschütze!“ aufgearbeitet.

Das Auner Quartett und Ausnahmepianistin Magda Amara präsentierten bekannte und weniger bekannte Variationen der Kaiserhymne. Musikethnologe Michael Korth lieferte dazu in zwei Vorträgen spannende Hintergrundinformationen.

Ohrwurm wurde von zahlreichen Komponisten aufgegriffen

Spannend ist die Geschichte, wie Joseph Haydn über Umwege zum Auftrag kam, eine Kaiserhymne für Franz II. zu komponieren und dass er dabei auf ein kroatisches Volkslied zurückgriff, das im Original die melancholische Trauer eines Mädchens ist, das ihren Geliebten nicht heiraten darf.

Sei’s drum: Haydns Melodie aus dem „Kaiserquartett“ entpuppte sich als Schlager bis hin zur österreichischen Kaiserhymne. Der Ohrwurm wurde von zahlreichen Komponisten aufgegriffen. Einige dieser Variationen wurden im Haydn-Haus eindrucksvoll zu Gehör gebracht.

Neben dem „Rettungs-Jubelmarsch“ von Richard Strauss Sohn und einem „Souvenir de Vienne“ von Clara Schumann sorgte vor allem die Variation über „Gott erhalte Franz den Kaiser“ des wenig bekannten Komponisten und Lehrers von Franz Liszt, Carl Cerny, für Begeisterung – eine ebenso witzige wie fundamentale Variante der Kaiserhymne.

Für diese großartige Kaiserhymnen-Melange spendete das Publikum zu Recht überschwänglichen Applaus.