Scheibbser Bankdirektoren: „Euro ist ein Segen für die Wirtschaft“

Erstellt am 19. Januar 2022 | 03:31
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Drei Bankdirektoren aus dem Bezirk Scheibbs ziehen ihre Bilanz über die Zeit seit der Einführung des Euro vor 20 Jahren.

An den ersten Geschäftstag nach der Euro-Einführung 2002 kann sich Mario Nefischer, Vorstandsdirektor der Sparkasse Scheibbs, noch bestens erinnern: „Wir waren in aller Früh unterwegs, um Bargeld zu besorgen, damit in allen Filialen genug bereit steht. Die Umstellung war ja erst am 1. Jänner erfolgt und Euros bis dahin nicht zu bekommen.“

Der Andrang an diesem Tag in der Bank habe sich dann allerdings in Grenzen gehalten: „Es war nicht so, dass alle gleich ihre Schillinge umtauschen wollten. Es war eine große Skepsis vorhanden, die Menschen hatten vor allem Bedenken wegen versteckter Preissteigerungen. Zum Teil auch verständlich, wenn etwas Neues und Ungewisses daherkommt.“ Besonders bei älteren Menschen seien wohl auch Erinnerungen an die Geldentwertung in den Nachkriegsjahren wach geworden.

Diese Sorgen seien, sagt Nefischer, aus heutiger Sicht, unbegründet gewesen: „Die Befürchtung, dass der Euro sozusagen weniger wert sein würde als der Schilling, ist nicht eingetreten.“ Die Vorteile für Österreich als Mitglied in der Euro-Zone seien besonders zu Zeiten der Staatsschuldenkrise 2009 enorm gewesen: „Spätestens da hat es sich bezahlt gemacht, in der Währungsunion zu sein. Österreich ist gut und stabil dagestanden. Das Schreckgespenst Teuro ist nicht eingetreten. Seit der Einführung des Euro in Österreich steht unser Land mit einem Wachstum des Brutto-Inland-Produkts von 67,3 Prozent an dritter Stelle in der Euro-Zone.“

„In Schilling umzurechnen, ist heute ein Unsinn“

Der oft gern und oft geäußerte Spruch „Euro ist Teuro“ sei in jeder Hinsicht unberechtigt, argumentiert auch Hannes Scheuchelbauer, Direktor der Volksbank NÖ. „Die Welt ist nicht stehen geblieben, die Inflationsrate ist weiter gegangen. In Schilling umzurechnen, was man heute für einen Kaffee bezahlt, ist Unsinn.“

Scheuchelbauer bezeichnet sich als „Euro-Befürworter der ersten Stunde. Ich habe den Euro immer positiv gesehen, er ist alternativlos als Stärkung der Wirtschaftsentwicklung innerhalb der EU.“ Die europaweite Währung sei 2002 ein Zukunftsprojekt gewesen. „Egal, ob für den Unternehmer, der im Ausland investieren will, oder für den Privaten, der auf Reisen geht – der Euro bietet enorme Vorteile.“ Ein EU-Staat, der aus der Währungsunion ausschert, sei unweigerlich auf der Verliererseite: „Wir sehen derzeit am Beispiel Großbritannien, welche ungeahnten Konsequenzen ein Austritt aus dem gemeinsamen Wirtschaftsraum haben kann.“

Einen schwierigeren Stand in der Euro-Zone haben, erklärt Scheuchelbauer, die wirtschaftlich weniger stabilen südeuropäischen Länder, die ihre finanziellen Probleme nicht mehr durch Geldentwertung ausgleichen können. Durch die harte Währung Euro geraten schwächere Wirtschaftsräume unter Druck und hohe Verschuldung. „Es gibt gemeinsame Stabilitätskriterien, an die alle sich halten müssen“, sagt Scheuchelbauer. „Aber man wird auch – wie im Fall von Griechenland – gemeinsam Lösungen suchen.“

Der Euro ist für mich die Manifestation des europäischen Friedensprozesses“, sagt Leopold Grubhofer, Direktor der Raiffeisenbank Mittleres Mostviertel. „Die gemeinsame Währung macht, dass die EU auch wirtschaftlich näher zusammenrückt.“ Auch Grubhofer sieht den Euro als Gewinn und Erfolgsgeschichte: „Ohne Euro wäre die Zusammenarbeit der europäischen Wirtschaftsmärkte nicht das, was sie heute ist.“ Österreich habe als Binnenland vom EU-Beitritt und vom Euro enorm profitiert.

„Viele Waren sind sogar günstiger geworden“

„Der verklärte Blick zurück in die Schilling-Zeiten funktioniert nicht mehr.“ Auch das Argument vom „Teuro“ kann Grubhofer widerlegen: Ganz im Gegenteil: „Der Euro ist entgegen der Ansicht vieler kein Preistreiber, das lässt sich belegen. Viele Dinge sind heute sogar billiger als vor der Euro-Einführung, etwa Elektrogeräte, oder Lebensmittel wie Fleisch.“ Die traurige Kehrseite: „Die Landwirte bekommen für ihre Produkte weniger als vor 20 Jahren. Mit dem Euro hat das aber nichts zu tun.“

Mit dem Euro, ist Raiffeisenbank-Direktor Leopold Grubhofer sicher, geht Österreich in eine wirtschaftlich stabile Zukunft: „In einer Zeit, in der Globalität immer größere Bedeutung gewinnt, ist eine Zusammenarbeit der Wirtschaftsmärkte extrem wichtig.“

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