Fahrendes Volk erhitzt die Gemüter in Wieselburg

Erstellt am 22. Juni 2023 | 12:00
Lesezeit: 4 Min
Wieselburg - Roma und Sinti
Seit Montag stehen die Wohnwägen am Messeparkplatz vor der Musikschule Wieselburg. Sehr zum Ärger der Anrainer. Am Freitag sollen sie aber weiterziehen.
Foto: Nagelhofer
Seit Montag haben mehrere Wohnwägen von angeblich französischen Roma und Sinti am Messeparkplatz vor der Haydn-Schule in Wieselburg-Land ihre Zelte aufgeschlagen – sehr zum Ärger der Anrainer.

Notstromaggregate, die auch die ganze Nacht hindurch laufen. Müllsäcke, die in der Gegend herumstehen und aufgrund der Hitze auch schon entsprechenden Geruch verbreiten. Und Leute, die sich bis spät in die Nacht hinein laut unterhalten. „Das ist eine Zumutung. Die kommen einfach, nehmen alles in Beschlag und absolut keine Rücksicht auf die dort lebenden Anrainer. Und wenn man mit ihnen reden will, lachen sie einen nur aus. So etwas dürfen wir uns nicht gefallen lassen“, wettert Josef Nagelhofer aus Wieselburg, ehemaliger Kommandant der Autobahnpolizei Amstetten, dessen Sohn mit seiner Familie unmittelbar neben dem Parkplatz vor der Haydn-Schule wohnt.

Er ärgert sich vor allem, weil sich scheinbar keiner für dieses fahrende Volk zuständig fühle. Und das, obwohl es erst vor wenigen Wochen massive Beschwerden nach einem Aufenthalt anderer Roma und Sinti am Volksfestplatz 1 gegeben hatte. „Bei allem Verständnis über Menschenrechte und so weiter, aber dann sollen die Herren und Damen Politiker bitte die Roma in ihrem Garten campen lassen“, sagt Nagelhofer, der zu Hause auch schon alles verbarrikadiert hat. Denn seit Montag würden auch Autos mit ausländischen Kennzeichen durch die Siedlungen fahren.

Das war auch letztes Mal der Fall, wie eine andere Wieselburgerin berichtet, als ein paar Roma plötzlich in ihrem Garten gestanden sind und das Dach um 1.000 Euro putzen wollten. Ohne Auftrag oder Einladung. „Es war alles andere als einfach, sie wieder loszubekommen“, schildert die Wieselburgerin.

Zu Corona-Zeiten war es ruhig, jetzt poppt „Problem“ wieder richtig auf

Auch für Messe-Geschäftsführer Werner Roher sind die fahrenden Völker „leider zu einem Problem geworden, das jetzt nach der Corona-Zeit wieder richtig aufpoppt“. Seit fast 40 Jahren arbeitet Roher bei der Messe, bisher haben diese Gruppen noch nie gefragt, wenn sie einen Platz in Anspruch nehmen. „Sie kommen in der Regel am Sonntag, wenn keiner vor Ort ist. Weder der Volksfestplatz 1 noch der Parkplatz bei der Musikschule sind öffentliche Campingplätze. Bei der Musikschule gibt es weder einen Wasser- noch einen Stromanschluss. Wir versuchen zwar, die Plätze so gut wie möglich abzuschließen, doch das geht halt nicht immer, weil sie auch so als Parkplätze für Veranstaltungen genutzt werden“, erklärt Roher.

Der Parkplatz vor der Musikschule gehört zwar der Gemeinde Wieselburg-Land, ist aber von der Messe angemietet, daher verweist die Gemeinde Wieselburg-Land nach NÖN-Anfrage auch auf die Messe. Diese verrechnet zwar die Gebühren für die Müllentsorgung, die sie über die AWÖ organisiert, weiter, doch „im Vergleich zum Ärger und sonstigen Aufwand würde ich auf diese Einnahmen jederzeit verzichten“, sagt Roher. Er habe jedenfalls mit den aktuellen „Campern“ ausgemacht, dass sie am Freitag weiterziehen, da ab nächster Woche die Parkplätze für das Wieselburger Volksfest benötigt werden.

Roma und Sinti haben das Recht dazu

Vonseiten der Bezirksbehörde gibt man sich zurückhaltend. „Roma und Sinti haben laut Paragraph 8 der europäischen Menschenrechtskonvention und des Bundesverfassungsgesetzes das Recht, in Wohnwägen zu leben und umherzuziehen und sich auf öffentlichen Plätzen niederzulassen“, erklärt Bezirkshauptmann-Stellvertreter Manuel Höfer gegenüber der NÖN. Dennoch sei die Bezirksbehörde in Kontakt mit der Polizei. Wenn es zu Verwaltungsübertretungen etwa durch Lärmbelästigungen komme, dann werden auch Strafen und Anzeigen folgen. Aktuell war die Polizei auch schon das eine oder andere Mal vor Ort.

Für Werner Roher ist es aber an der Zeit, rasch wieder einmal eine Krisenrunde mit Behörden, Polizei und Gemeinden einzuberufen. „Wenn es Wille der Gesellschaft ist, die Kultur des Umherziehens von Roma und Sinti aufrechtzuerhalten, müssen auch öffentliche Einrichtungen dafür die Möglichkeit schaffen. Rein rechtlich kann man als Unternehmen oder/und Grundeigentümer nur mit Besitzstörungsklagen vorgehen, was aufgrund der Dauer praktisch sinnlos ist. Das Problem wartet seit Jahrzehnten auf eine vernünftige Lösung“, sagt Roher.