Auch Erlauftaler Bauherren haben es nicht leicht. Die Baubranche boomt, doch auf dem Baustoffmarkt führt Materialmangel zu Preissteigerungen und langen Lieferzeiten.

Von Claudia Christ und Karin Katona. Erstellt am 28. April 2021 (05:34)
Der Dachstuhl verzögert sich um einen Monat: Florian, Nadine und Fabian Buchmayer auf ihrer Baustelle in Purgstall. Foto: Katona
Katona

Der Dachstuhl auf ihrem neuen Haus sollte Anfang Mai fertig sein – zumindest hatten Nadine und Fabian Buchmayer es im vergangenen Jahr so geplant. Durch den Mangel auf dem Baustoffmarkt verzögert sich jedoch die Gleichenfeier um mindestens einen Monat.

„Gut, dass wir das Baueisen schon im Dezember eingelagert hatten, aber beim Dämmstoff für die Deckendämmung hat man uns gesagt, dass es einen Annahmestopp für Bestellungen gibt“, schildert Fabian Buchmayer. „Frustrierend war zu erfahren, dass einige große Baufirmen schon das, was da war, aufgekauft hatten.“ Fest steht, dass ihr Haus teurer werden wird, als geplant: „Das Angebot für das Holz haben wir vom Vorjahr, aber für das Dämmmaterial ist mit einer kräftigen Preissteigerung zu rechnen.“

Eine Preissteigerung, die im Moment noch nicht abzuschätzen ist, verrät Jürgen Selmann, Malermeister und Fassadengestalter aus Scheibbs. „Früher konnte man mit einem ungefähren Jahrespreis rechnen, mit überschaubaren Schwankungen. Heuer sind die Preissteigerungen enorm und so kurzfristig, dass es fast unmöglich ist, dem Kunden ein faires Angebot zu legen.“

Preise für Herbst zu kalkulieren, traue sich niemand. „Ich muss das den Kunden im Vorhinein sagen. Die Leute haben in der Regel Verständnis, weil sie wissen, es liegt nicht an mir“, sagt Selmann. „Die Lieferanten können selbst keine langfristige Preisgarantie geben. Das kann sich über Nacht ändern. Bei Dämmstoffen liegen wir im Moment schon bei mindestens 30 bis 40 Prozent mehr.“

Preis für das Eigenheim stark im Steigen

„Auch, wenn die Preise für die begehrten Baustoffe irgendwann wieder fallen, Bauen wird für Private in Zukunft wesentlich teurer sein als bisher“, erwartet sich Selmann. „Jeder, der jetzt mit dem Bauen anfangen will, tut mir leid. Und auch für kleine Firmen auf dem Bausektor wird es schwierig.“ Und das, obwohl die Baubranche boomt: „Zu tun haben alle genug. Denn viele Menschen sind nicht auf Urlaub gefahren und haben das gesparte Geld ins eigene Haus investiert.“

Der Bedarf an Baustoffen ist durch die gute Auftragslage in der Baubranche groß, bestätigt Gerhard Jachs, Spartenleiter für Baustoffhandel und Baugewerbe im Lagerhaus Mostviertel Mitte. Beim Material fehle vor allem alles aus dem Rohstoff Kunststoff.

„Kunststoff ist ein Nebenprodukt der Erdölproduktion. Und da diese aufgrund von Corona zurückgeschraubt worden ist, ist ein Engpass entstanden.“ Das betrifft besonders Baustoffe wie Dämmmaterial, Leimholz und USB-Platten. „Hier ist die Lieferzeit nicht wie früher maximal zwei Wochen, sondern zwischen zwei und vier Monaten – ohne Preisgarantie und genaues Lieferdatum.“

Extreme Knappheit, weiß Gerhard Jachs, herrscht auch auf dem Markt für Eisen. „Im asiatischen Raum gibt es derzeit einen enormen Aufschwung. Von dort aus wird alles Eisen aufgekauft.“ Im heurigen Jahr, befürchtet Jachs, werde sich die angespannte Lage auf dem Baustoffmarkt durch die Rohstoffknappheit nicht entspannen.

Dass dieses Problem den gesamten EU-Bereich betrifft, weiß Georg Bursik, Geschäftsführer von Baumit: „Die Übernachfrage hat dazu geführt, dass zwar für unsere Putze und Mörtel die Rohstoffe vorhanden sind, verschiedene Zusätze aber europaweit nicht geliefert werden können. Eine solche Situation habe ich in den 20 Jahren, in denen ich in dieser Branche tätig bin, noch nicht erlebt.“

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