Rinderzucht steht still: Viele Tiere aber keine Käufer. Markt liegt durch Corona und Ölkrise darnieder. Preise im Keller.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 30. März 2020 (04:31)
„Aktuell stehen in unserem Stall 60 Kälbinnen in Quarantäne, die nach Kasachstan gehen sollten. Durch die dortige Ölkrise weiß der Käufer aber nicht, ob er sie auch bezahlen kann“, schildert Karl Zottl, der Geschäftsführer des NÖ Rinderzuchtverbandes, im NÖN-Gespräch.
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Es herrscht gespenstische Stille in der Berglandhalle des NÖ Rinderzuchtverbandes. Praktisch keine Tiere und nur drei Mitarbeiter sind vor Ort.

„Aktuell stehen in unserem Stall 60 Kälbinnen in Quarantäne, die nach Kasachstan gehen sollten. Durch die dortige Ölkrise weiß der Käufer aber nicht, ob er sie auch bezahlen kann“, schildert Karl Zottl, der Geschäftsführer des NÖ Rinderzuchtverbandes, im NÖN-Gespräch.

Denn neben Corona hat der Rinderzuchtverband eben auch mit der Ölkrise zu kämpfen. „Das trifft uns doppelt. Auch wenn es für die heimische Wirtschaft günstiger wird. Aber viele Kunden von uns in Russland, Aserbaidschan, Kasachstan, Algerien oder dem Iran finanzieren ihre Zuchtrinderimporte und den Aufbau ihrer Landwirtschaft mit den Einnahmen aus dem Ölgeschäft“, weiß Zottl. Hinzu kommt, dass die wichtigen Absatzmärkte in Westeuropa wie Italien oder Spanien derzeit nicht erreichbar sind.

„Tierkrankheiten sind wir gewohnt. Dass die Menschen das Problem sind, ist für uns neu.“ Karl Zottl

Und der Markt in Österreich ist ebenfalls stark eingebrochen „Rind- und Kalbfleisch werden vor allem in der Systemgastronomie wie McDonalds oder in der Gastronomie eingesetzt – und hier vor allem auch in Tourismuszentren wie Wien. Tafelspitz oder Kalbschnitzel sind nach wie vor die Renner bei den Touristen. Aber da praktisch alle Lokale geschlossen haben, gibt es auch da wenig Bedarf. Damit ist der Preis im Keller“, sagt Zottl.

Der alle sechs Wochen stattfindende große Rindermarkt – der nächste Termin wäre am 1. April – wird online abgewickelt und soll vor allem den Bedarf am heimischen Markt stillen. Das sind aber lediglich rund 15 Prozent.

Am 2. April findet in Bergland der nächste Kälbermarkt statt. „Den müssen wir abhalten, auch wenn unter strengsten CoVid-19-Vorkehrungen. Den Markt am 19. März haben wir absagen müssen. Jetzt müssen wir aber sowohl unsere Züchter als auch Käufer bedienen“, erklärt Zottl. Die Auftriebszahl beim Kälbermarkt wird durch die März-Absage deutlich höher sein als normal. Zottl rechnet mit 850 bis 900 Kälber statt normalerweise 550. „Wie sich das am Preis auswirkt, kann man nicht prophezeien.“

Eine gute Nachricht gibt es aber. Die Tiertransporte Richtung Osten sind nach wie vor möglich. Tiertransporter werden an der Grenze bevorzugt behandelt, zum Teil sogar über Nebenstraßen mit Polizeigeleit durchgeschleust, und den geringeren Verkehr sind die Transportzeiten sogar kürzer als normal.

Übrigens: Der Rinderzuchtverband NÖ Genetik hat für seine 105 Mitarbeiter auch Kurzarbeit angemeldet, hofft aber, mit 14. April die Arbeit wieder normal aufnehmen zu können. „Wir planen daraufhin. Das heißt noch lange nicht, dass wir auch daran glauben“, sagt Zottl.