Wieselburg , Purgstall an der Erlauf

Erstellt am 11. Dezember 2018, 04:00

von Karin Katona

Absage für alternative Medizin. Homöopathie soll künftig aus Apothekenregalen verschwinden. Die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz hat mit der Forderung, den Verkauf homöopathischer Arzneimittel in Apotheken zu verbieten, für Aufregung gesorgt. Diese Mittel seien nicht wirksam, begründet Pilz ihre Aussage. Die NÖN fragte Mediziner und Apotheker im Bezirk, was sie darüber denken.

Apothekerin Petra Esletzbichler vertraut auf die Wirkung von homöopathischen Mitteln. Für Unfug hält Allgemeinmediziner Nabil Badawi die Forderung der Patientenanwältin.  |  Spandl, CC

Für Allgemeinmediziner Nabil Badawi in Wieselburg entbehrt die Forderung der Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz jeglicher Grundlage: „Das ist ja ein kompletter Blödsinn“, ärgert er sich.

"Wir als Ärzte können sehr gut abschätzen, wann es Sinn macht und wann wir auf die Schulmedizin zurückgreifen müssen“Allgemeinmediziner Nabil Badawi

Er selbst wende Homöopathie in seiner Praxis an und habe damit nur gute Erfahrungen gemacht. Dafür hat der Mediziner auch drei Jahre lang eine Ausbildung gemacht. „Das ist so ein ganz komplexes Gebiet und ein fundiertes altes Wissen, das – sinnvoll angewandt – bei vielen Symptomen hilft“, betont Badawi. Natürlich sei die Alternativmedizin nicht für alles und jeden geeignet, aber sie ist bei vielen Krankheiten eine gute Alternative. „Und wir als Ärzte können sehr gut abschätzen, wann es Sinn macht und wann wir auf die Schulmedizin zurückgreifen müssen“, argumentiert Badawi weiter.

Ähnlich argumentiert der Purgstaller Allgemeinmediziner Leopold Auer, der ebenfalls selbst eine Homöopathie-Ausbildung absolviert hat: „Es gibt wohl einige bewährte Applikationen für harmlosere Beschwerden, die ich vor allem Müttern empfehle. Hier hat die Homöopathie durchaus ihre Berechtigung. Ich halte es jedoch für Unfug, wenn jemand behauptet, auch schwere Krankheiten damit heilen zu können.“

Thomas Francois/Shutterstock.com

Petra Esletzbichler, Apothekerin in Wieselburg, ist eine klare Befürworterin der alternativmedizinischen Behandlungsmethode. „Diese Wissenschaft gibt es bereits seit 100 Jahren, die kann die Schulmedizin nicht einfach so verschwinden lassen.“ Esletzbichler lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass Homöopathie helfen würde.

„Ich habe es schon so oft bei meinen Kunden erlebt und auch bei Kindern und Tieren waren gute Erfolge sichtbar“, erklärt sie. Besonders bei Befindlichkeitsstörungen sowie leichten grippalen Infekten sei die Alternativmedizin gut einsetzbar und eine gute Ergänzung zur Schulmedizin. „Nur weil wir zehn Zentimeter von einem Meter wissenschaftlich belegen können, heißt es ja nicht, dass es nicht andere Möglichkeiten gibt.“ Sollte es zu einem Homöopathieverbot in Apotheken kommen, dann fürchtet die Apothekerin, dass der Schwarzmarkthandel forciert wird. „Dann besorgen sich die Leute die Mittel halt übers Internet. Es ist doch viel besser, wenn wir als medizinisches Fachpersonal unseren Kunden beratend zur Seite stehen.“

Kein Problem mit einem Homöopathieverbot hätte die Inhaberin der Nikolausapotheke in Steinakirchen, Ingrid Wagner. „Ich bin selbst nicht davon überzeugt und meine Kunden fragen selten nach homöopathischen Mitteln. Deshalb würde mich ein Verbot nicht wirklich treffen. Dann müsste ich meine drei Regale im Geschäft mit anderen Produkten füllen.“

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