Arbeitsmarkt-Barometer zeigt nach oben. Nur mehr ein Drittel der Betriebe im Bezirk Scheibbs hat Kurzarbeit bis September verlängert.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 15. Juli 2020 (04:02)
Betriebsbesuch von AMS-Leiter Sepp Musil (rechts) und seinem Stellvertreter Peter Müllner in der Kartause Gaming. Dort wissen Birgit Rigler, Elisabeth Heiß, Kathrin Rixinger, Josef Hönickl und Cornelia Daurer (von links), dass die Kurzarbeit für das Unternehmen überlebensnotwendig war.
Eplinger

527 Anträge für Kurzarbeitshilfe hat das Arbeitsmarktservice Scheibbs seit dem Corona-Lockdown bis einschließlich vergangenen Freitag abgearbeitet. „Aktuell sind wir auf Null. Wir haben keine neuen Anträge liegen, allerdings sind da oder dort bei Verlängerungsanträgen noch Ergänzungen einzubringen“, weiß AMS-Geschäftsstellenleiter Sepp Musil. Damit hat allein das AMS Scheibbs in den letzten Monaten mehr als drei Mal so viele Kurzarbeitsanträge bearbeitet wie das AMS in der Zeit der Wirtschaftskrise 2009/10.

Nö-weit haben im Laufe der vergangenen drei Monate 10.108 Arbeitnehmer kurz gearbeitet. 3.423 Beschäftigte tun dies auch aktuell noch. „Nur mehr etwas mehr als ein Drittel der Betriebe im Bezirk hat die Kurzarbeit verlängert. Die meisten tun dies als Absicherung, weil keiner weiß, wie sich die Lage bis September entwickelt. Außerdem ist durch die neue Kurzarbeitszeitberechnung mehr Flexibilität gegeben“, erklärt Peter Müllner, Geschäftsstellenleiter-Stellvertreter und Leiter des Service für Unternehmen beim AMS Scheibbs.

Insgesamt haben die Scheibbser Unternehmen bereits knapp 10 Millionen Euro an Kurzarbeitshilfen ausbezahlt bekommen. Abgerechnet ist bislang der Mai, der Juni ist noch ausständig. „Wir liegen aber deutlich unter den beantragten Summen. Ich rechne, dass aktuell nur mehr rund 5 Millionen Euro an Beihilfen dazukommen. Das zeigt, dass die Ausfallstunden weniger wurden und es insgesamt bei den Unternehmen doch mehr bergauf gegangen ist, als erwartet“, sagt Müllner.

Von Beginn weg in Kurzarbeit und auch jetzt noch immer – wenngleich mit weniger Ausfallstunden – waren die 40 Mitarbeiter der Kartause Gaming Betriebs GmbH (Hotel, Restaurant, Brauerei, Gebäudeverwaltung). „Die Kurzarbeit war unsere Rettung. Wir haben alleine durch den Abzug der amerikanischen Studenten seit Mitte März einen Abgang von einer halben Million Euro an Miete und Verköstigung. Hinzu kommen die Ausfälle beim Restaurant, Hotel und vor allem beim Veranstaltungs- und Seminargeschäft“, schildert Cornelia Daurer, die gemeinsam mit Birgit Rigler die Geschäftsführung der Kartause inne hat.

Erst in den letzten Wochen sei das Geschäft im Restaurant und Hotel wieder besser angelaufen. Insgesamt liegt man beim Umsatz dennoch erst bei rund 20 bis 25 Prozent des Vorjahres. „Ohne Kurzarbeit hätten wir Mitarbeiter entlassen müssen. Das wissen und schätzen diese auch“, unterstreicht Rigler.

Einen kleinen positiven Nebeneffekt hat die aktuelle Situation. Wenn auch die Zahl der Arbeitslosen im Bezirk schon wieder deutlich rückläufig ist – Ende Juni waren es 884 –, so gibt es jetzt wieder Bewerber für freie Stellen, sogar im Gastrobereich. Per Ende Juni kam die Zahl der Jobsuchenden, die sich theoretisch für eine freie Stelle in Scheibbs bewerben, auf 2,7. Im Juni 2019 lag dieser Wert bei eins, im April 2020 sogar noch bei 5,1.

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