Fasten ist mehr als Verzicht. Die Zeit vor Ostern nutzen viele, um Verzicht zu üben. Die NÖN fragte, wer seine Vorsätze (nicht) eingehalten hat.

Von Karin Katona und Claudia Christ. Erstellt am 16. April 2019 (04:34)
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Christina Meister-Sedlinger kann bei Gummibären und Co. einfach nicht widerstehen. Ihre elfjährige Tochter Nora ist da das Gegenteil und zieht den Verzicht auf Süßigkeiten in der Fastenzeit durch. Christina Meister: „Sie ist mein Vorbild.“

Die 40-tägige Fastenzeit geht mit dem Osterfest zu Ende. Viele Menschen nutzen diese Wochen, um sich etwas zurückzunehmen: kein Alkohol, keine Süßigkeiten, kein Fleisch. Die NÖN sprach mit Menschen über ihre Vorsätze, wie schwierig es ist, diese einzuhalten und welche Gefühle der Verzicht auslösen kann.

Seit 15 Jahren betreut die Gamingerin Heide-Maria Galhuber Menschen professionell beim Fasten. Die ausgebildete Fastenbegleiterin betreute heuer wieder eine 13-köpfige Gruppe in Steinakirchen. Das Ziel der Gruppe ist es sieben Tage auf Essen zu verzichten und sich nur durch Flüssigkeiten zu ernähren. „Bevor wir starten, ist eine Aufklärung und umfangreiche Information besonders wichtig“, betont Galhuber. Ein Gesundheitscheck beim Arzt vorab ist anzuraten.

„Wer wegen einer Gewichtsabnahme mitmachen will, den schick ich gleich wieder heim“, ergänzt sie, denn es gehe beim Heilfasten vor allem darum Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen. In dieser Zeit sollte der Fastende Stress vermeiden und sich mit guten Gedanken füllen.

Beim zweiten Treffen der Gruppe wird gemeinsam eine Bittersalzlösung eingenommen, danach gibt es zum Frühstück Saft, zu Mittag einen Gemüseauszug und abends eine Teemahlzeit. Der dritte und vierte Tag ist laut der Fastenbegleiterin am schwierigsten für die Teilnehmer, jedoch helfe die Gruppendynamik durch diese Zeit. „95 Prozent der Teilnehmer halten durch und machen dabei ganz besondere Erfahrungen. Wichtig ist die freiwillige Entscheidung“, weiß die Gamingerin, die selbst jedes Jahr derartige Fastentage einlegt.

„Am Ende der Fastenwoche fühlen sich alle Teilnehmer als Sieger und haben ihr Körperbewusstsein gestärkt.“Heide-Maria Gallhuber, professionelle Fastenbetreuerin

Am Ende der Fastenwoche beginnt die Gruppe wieder mit einem gemeinsam zubereiteten Apfelkompott feste Nahrung zu sich zu nehmen. Denn der Organismus muss sich nach dem Verzicht ganz langsam wieder an das Essen gewöhnen. „Am Ende fühlen sich alle als Sieger, und haben ihr Körperbewusstsein gestärkt, viele haben wieder mehr Freude an der Bewegung gefunden und schätzen Lebensmittel mehr“, weiß Galhuber aus Erfahrung.

Dass Fasten nicht nur den Körper, sondern auch den Geist und die Seele reinigt, diese Erfahrung hat auch Bezirkswirtesprecher Sepp Wondraczek aus Oberndorf gemacht. Vor 15 Jahren hat er erstmals unter Anleitung Heilfasten praktiziert. Seither ist Fasten für Wondraczek ein Thema – er fastet regelmäßig, jedoch nicht zwingend nur in der Fastenzeit. Mit Kasteiung habe Fasten für ihn jedoch nichts zu tun: „Es muss ein bewusstes, freudiges Lassen sein, keine Extreme, sondern die bewusste Reduzierung von Essen oder Konsum.“ Fasten, findet Wondraczek, sei für jeden Menschen wichtig: „Worauf man verzichtet, ist eine individuelle Frage. Die Herausforderung liegt da für jeden woanders.“

Die Herausforderung für Schauspielerin und Moderatorin Christina Meister-Sedlinger ist der Verzicht auf Süßes. „Ich bin eine schreckliche Naschkatze. Daher bleibt es leider meist nur beim Vorsatz“, gesteht die Scheibbser Kulturpreisträgerin. „Früher oder später werde ich schwach, meist bei Gummibären, meiner absoluten Lieblingssüßigkeit.“ Besonders bei beruflichem Stress greife sie bald wieder ins Gummibären-Sackerl: Obwohl sie ihren Fastenvorsatz auch heuer wieder gebrochen hat, gibt Christina Meister die Hoffnung noch nicht auf: „Meine elfjährige Tochter zieht das Verzichten auf Süßigkeiten in der Fastenzeit viel besser durch als ich. Da sollte ich eigentlich mitziehen, oder noch besser, als gutes Beispiel vorangehen – vielleicht nächstes Jahr.“

Bewusst auf Alkohol verzichtet LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf während der Fastenzeit. Allerdings nicht weil es in ist, sondern aus christlicher Überzeugung. „Ich habe aber die sechs Sonntage während der Fastenzeit als Joker, die ich im Bedarfsfall einsetze. Heuer war es für mich etwas schwieriger, weil die Wahl zum Bauernbundobmann in die Fastenzeit fiel und mir da sehr viele Personen gratuliert haben. Aber wenn man den christlichen Hintergrund des Fastens erläutert, wird das von jedem akzeptiert“, schildert Pernkopf.

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