Scheibbs

Erstellt am 16. Oktober 2018, 05:00

von Karin Katona und Claudia Christ

Hunde-Debatte: „Verantwortung haben die Besitzer“. Nach mehreren Hunde-Beißattacken entbrannte eine Diskussion über Beißkorbpflicht und Hundeführerschein.

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„Ein Kampfhund wird nicht geboren, sondern dazu gemacht“ – dieser Satz kommt von Karl Greß, Obmann der Hundeschule Ötscherland in Purgstall angesichts der aktuellen Diskussion über Beißkorbpflicht.

„Ein Kampfhund wird nicht geboren, sondern dazu gemacht“Karl Greß, Obmann der Hundeschule Ötscherland

„Fehlverhalten des Hundes liegt in der Verantwortung des Besitzers. Und viele Hundehalter haben ihre Tiere nicht unter Kontrolle.“ Angesichts der jüngsten Hunde-Attacken auf Kinder rät Greß Eltern, ihre Kinder über den richtigen Umgang mit Hunden aufzuklären: „Einen fremden Hund auf dem Kopf zu streicheln ist natürlich ein Wahnsinn.“ Bislang gab es heuer laut BH Scheibbs zehn Anzeigen wegen Hundebiss eines Menschen.

Von einer Verschärfung des NÖ Hundehaltergesetzes hält Greß nicht viel: „Die vorhandenen Vorschriften sind ausreichend. Sie müssten nur schärfer exekutiert werden.“

Durch einen verpflichtenden „Hunde-Führerschein“ womöglich schon vor der Anschaffung eines Hundes, könne man, schlägt der Hundeliebhaber vor, so manche Fehlentscheidung beim Hundekauf verhindern: „Viele wissen ja gar nicht, welche Aufgabe auf sie zukommt.“

Der Großteil der Hundehalter, bedauert Greß, komme nicht in die Hundeschule: „Bei uns sind nur die, die sich ohnehin ihrer Verantwortung bewusst sind.“

„Der Vorfall in Wien ist als menschliches Versagen zu sehen. Kein Gesetz hätte das verhindern können.“Landtagsabgeordneter Anton Erber, Obmann Verein Rettungshunde NÖ

Gegen eine generelle Beißkorbpflicht spricht sich auch Landtagsabgeordneter Anton Erber, der Obmann des Vereins Rettungshunde NÖ, aus: „Bei aller Tragik, die Grundproblematik ist die verantwortungslose Hundehaltung.“

Denn: „Ein Gesetz, das den Vorfall in Wien – betrunkene Besitzerin, Listenhund vorschriftswidrig nicht an der Leine – verhindert hätte, gibt es nicht. Das ist menschliches Versagen. Man darf nicht die vielen verantwortungsvollen Hundebesitzer vergessen, die sich an die Gesetze halten.“ Vorstellen könnte sich Erber verpflichtende Schulungen für die Besitzer von Listenhunden: „Das könnte man eventuell durch ein Entgegenkommen bei der Hundesteuer schmackhaft machen.“

Gajus/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Gastegger

Für eine Beißkorbpflicht vor Schulen, Kindergärten und in Fußgängerzonen spricht sich FP-Landtagsabgeordneter Reinhard Teufel aus. „Ein generelle Beißkorbpflicht halte ich nicht für sinnvoll.“ Vielmehr sollten die Hundehalter in die Pflicht genommen werden. „Gesetzlich verpflichtende Hundeschulungen kann ich mir hingegen sehr gut vorstellen“, erklärt Teufel.

An das Verantwortungsbewusstsein der Hundehalter appelliert die Scheibbser Bürgermeisterin Christine Dünwald. Sie ist seit 30 Jahren Hundebesitzerin: „Ein Hund kommt nicht böse auf die Welt. Eine aggressive Verhaltensweise kommt oftmals durch falsche Erziehungsmaßnahmen.“

Wenn ein Hund sich in bestimmten Situationen nicht richtig verhalte, müsse sich der Hundehalter Hilfe in Hundeschulen oder bei Hundetrainern suchen. „Ich kann mich auf ein Tier nie zu 100 Prozent verlassen und würde nie ein Kind mit einem Hund unter einem Tisch lassen“, spricht sie die letztbekannte Hunde-Beißattacke an. Generell ist Dünwald für eine Beißkorbpflicht bei Listenhunden.

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