Kleine „Exoten“, großer Schaden. „Neozooen“ verdrängen heimische Tierarten und schleppen Krankheiten ein.

Von Karin Katona. Erstellt am 19. Februar 2019 (04:25)
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Der Signalkrebs gehört zu den eingeschleppten Krebsarten, die den heimischen Flusskrebs aus seinem Lebensraum verdrängen.

Obwohl große tierische Wanderer wie Elch, Bär oder Wolf die Schlagzeilen beherrschen, sind die meisten Neozooen unspektakulär klein. Insekten und Kleinstlebewesen werden in den meisten Fällen unbemerkt eingeschleppt. Diese unscheinbaren unter den tierischen Zuwanderern, erklärt Reinhard Pekny, Ranger im Wildnisgebiet Dürrenstein, richten in unseren Wäldern und Flüssen jedoch mitunter riesigen Schaden an.

„Schädlinge wie der aus China eingeschleppte Laubholzbohrer werden oft erst entdeckt, wenn sie sich stark ausgebreitet haben. Dann ist es für eine effektive Bekämpfung zu spät.“

Krebse, Fische und Schnecken ausgerottet

Im schlimmsten Fall verdrängen eingeschleppte Tiere nicht nur die heimischen Arten, sondern schleppen auch noch Krankheiten ein, die die heimischen Bestände vernichten. „Ein Beispiel dafür ist der Amerikanische Flusskrebs, der eine der schlimmsten Krankheiten der Krebse, die durch einen Pilz ausgelöste Krebspest, eingeschleppt hat. Die Krebspest kann die ganze Krebspopulation eines Flusses ausrotten“, weiß Reinhard Pekny.

Auch Fischarten haben sich invasionsartig ausgebreitet. „Die Grundeln sind nicht nur extrem dominante Nahrungskonkurrenten, sondern fressen auch den Laich und die Jungen heimischer Fischarten“. Zu den schon längst etablierten und erfolgreichen Exoten gehört auch die von Gärtnern gefürchtete Rote Andalusische Wegschnecke. „Diese Schneckenart frisst auch die Gelege heimischer Schneckenarten wie der Weinbergschnecke“, weiß Pekny.

Dass Wildtiere sich nicht nur an einem Ort aufhalten, wundert Bezirksjägermeister Ferdinand Schuster nicht wirklich. „Durchziehende Wildtiere hat es immer gegeben. Schalenwild wie Gams und Rotwild haben sich immer entlang von Wanderrouten bewegt, vor allem zu Zeiten, als es noch keine Winterfütterung gab.“ So sei es damals keine Seltenheit gewesen, wenn ein Rothirsch aus der Langau vorübergehend ins Winterquartier in die Tullner Au übersiedelt sei. „Auch Elche sind schon öfter gesehen worden.“

Durch die Entwicklung der Kulturlandschaft gebe es eher weniger Wanderungen: „Straßen und Bahnstrecken durchschneiden die alten Routen.“ Auch in Sachen Bär und Wolf kann Schuster beruhigen: „Seit dem Ötscherbären hatten wir nur Durchreisende.“

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