Nach Fall des Eisernen Vorhangs: Wirtschaft profitierte. 1989 hat persönliche Schicksale sowie die politische und wirtschaftliche Entwicklung geprägt.

Von Christian Eplinger. Erstellt am 07. Mai 2019 (03:50)
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Es gibt sie vielerorts unter uns. Mitbürger aus dem Ostblock, die schon vor 1989 die Grenze als Flüchtling auf irgendeine Art und Weise passiert und sich in Österreich eine neue Existenz aufgebaut haben. Über die Vergangenheit sprechen sie nicht allzu gerne. „In Österreich haben wir eine neue Heimat gefunden. Das andere haben wir hinter uns gelassen. Auch die Erinnerungen“, schildert ein im Bezirk Scheibbs wohnhafter, ehemaliger Bürger der CSSR.

Doch der Fall des Eisernen Vorhanges 1989 hat nicht nur viele persönliche Geschichten neu geschrieben, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung der Region mitgeprägt. Der Wieselburger Lichtsystemehersteller ZKW war von Beginn weg mit dabei. 1992 gründete man eine Geschäftsvertretung in der Tschechischen Republik und ein Jahr später ein Werk für Kabelstränge. „Damals wurden in den osteuropäischen

Ländern die Weichen gestellt, um diesen Wirtschaftsraum besser nutzen zu können. Das hat ZKW getan“, weiß ZKW-CEO Oliver Schubert.

2007 folgte die Errichtung des slowakischen Standortes in Krušovce. „Der ist mittlerweile von großer Relevanz für die Versorgung europäischer Kunden“, sagt Schubert. Dort werden vorrangig Haupt- und Nebelscheinwerfer produziert. Im Herbst 2018 erfolgte der Spatenstich für die größte und kostenintensivste Standorterweiterung in der 80-jährigen ZKW-Firmengeschichte. 155 Millionen Euro investiert ZKW in die Verdoppelung der Produktionsfläche sowie dem Bau eines neuen Bürotrakts samt Trainings-Centers. Neben der Integration von 45 Spritzgussmaschinen, sollen künftig auch Kunststofflinsen und Module im Werk in der Slowakei gefertigt werden.

„Für eine erfolgreiche Wirtschaft Europas wäre ein Eiserner Vorhang in der heutigen Zeit nicht vorstellbar“, ist Oliver Schubert überzeugt.

 Verständnis zeigen, Vertrauen aufbauen

 Eine Meinung, der sich auch Gabriele Zeilerbauer, Vertriebsleiterin bei Worthington Kienberg, anschließt. Bis zu 15 Prozent des jährlichen Umsatzes macht Worthington mit dem osteuropäischen Markt, besonders mit Russland, Polen und Tschechien. „Es ist am Anfang nicht immer leicht, Geschäftsbeziehungen mit Firmen aus den ehemaligen Ostblockländern aufzubauen. Man muss ihre Kultur respektieren, Verständnis für ihre Geschichte aufbringen und die Sprachbarrieren am besten mit Russisch überwinden. Wenn man das geschafft hat, dann steht einer langfristigen guten wirtschaftlichen Beziehung nichts im Weg“, schildert Zeilerbauer ihre Erfahrungen. Ein mögliches „Überbleibsel“ aus dem ehemals kommunistisch dominierten Regime sei allerdings der enorme bürokratische Aufwand. „Gerade in Russland bedarf es für jeden einzelnen Auftrag eine eigene Dokumentation. Das kann mühsam sein“, weiß Zeilerbauer.

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